






-freier Luft 331,6 m/s, im Wasser 1 440 m/s.Die Hörorgane sind mechanische Sinnesorgane, deren Rezeptoren durch
die entstehende Druckveränderung mechanisch deformiert werden.
Die Lautstärke wird dabei von der Amplitude (höchster Wert)
der Schallwelle bestimmt, die Tonhöhe von der Frequenz (Abstand zwischen
den Wellen): je größer die Amplitude, desto lauter der Schall;
je höher die Frequenz, desto höher der Schall. Schallwellen,
die sich regelmäßig wiederholen, werden als Töne empfunden,
aperiodische Schwingungen als Geräusch (Tongemisch). Klänge
setzen sich aus einem Grundton und mehreren Obertönen zusammen, die
Frequenzen stehen dabei in einfachen Zahlenverhältnissen zueinander.
Der Grundton bestimmt die Tonhöhe, die Obertöne bestimmen die Klangfarbe.
Die Hauptfunktionen des Hörsinns sind die innerartliche Kommunikation, die Orientierung und die Vermeidung von Gefahren im Dunkeln oder in unübersichtlichen Umgebungen.
Wirbellose Organismen
Nur wenige wirbellose Organismen können hören. Auch unter den
Insekten können meist nur die Arten hören, die selbst Laute
erzeugen. Die Hörsinnesorgane verschiedener Wirbelloser unterscheiden
sich im Aufbau und in ihrer Lage sehr voneinander. Viele Hörsinnesorgane
dieser Tiergruppen müssen noch ausführlicher erforscht werden.
Einige Gliederfüßer, wie z. B. Wolfsspinnen, Winterkrabben
oder Wasserläufer, erzeugen Laute durch Trommeln bestimmter Körperteile
auf den Boden bzw. das Wasser, erzeugen also nicht Luft- sondern Substratschall.
Aufgenommen wird dieser Schall mit Vibrationsempfängern in den Beingelenken.
Diese Tiere nennt man auch Vibrationsempfänger. Nur wenige Insektengruppen
kommunizieren über den Luftschall miteinander. Einige sollen nachfolgend
vorgestellt werden.
Das Tympanalorgan am Rumpf der Feldheuschrecke
ist beispielsweise ein Druckgradientenempfänger.
Bei diesem Prinzip der akustischen Reizaufnahme wird der ankommende Schalldruck
über zwei Trommelfelle
auf zwei Tracheenhohlräume übertragen. Die dabei entstehende
Druckdifferenz wird an der Tracheenmembran weitergeleitet und überträgt
sich auf die Mechanorezeptoren. Die
Erregung dieser Rezeptoren wird an das Gehirn weitergeleitet.
Ähnliche Druckgradientenempfänger sind bei Grillen und Laubheuschrecken
an den Schienen der Vorderbeine, bei Zikaden im Hinterleibssegment und
bei Schmetterlingen im letzten Brust- oder ersten Hinterleibssegment
ausgebildet. Grillen und Laubheuschrecken besitzen zwei Tympanalorgane,
die ihnen zusätzlich das Richtungshören ermöglichen.
Einige Nachtfalter besitzen am Hinterleib einfache Hörsinnesorgane, die paarig angeordnet sind und nur je zwei Sinneszellen enthalten. Diese Rezeptoren nehmen Schallreize hoher Frequenzen (3 000-50 000 Hz) und Schalldruckdifferenzen wahr. Sie empfangen somit die Ultraschallsignale der Fledermäuse und können ihren Fressfeinden ausweichen.
Manche Insekten haben reizaufnehmende Körperanhänge ausgebildet
(z. B. Hörhaare der Schaben), die leicht mit den Masseteilchen der
Luft mitschwingen können und diese Schwingungen schnell auf die Mechanorezeptoren
übertragen. Die hin- und herschwingenden Teilchen erreichen ihre
Maximalgeschwindigkeit (Amplitude der Schallschnelle) dann, wenn sie ihre
Ruhelage durchschreiten.
Viele Insekten nehmen mit den an der Fühlerbasis gelegenen jonstonschen
Organen Schallwellen
auf. Diese Organe dienen sonst als Empfänger für Tast- und Schmerzreize.
Typische Bewegungsempfänger sind die Hörorgane der Mücken.
Sie verfügen über einen sehr engen Frequenzfilter, der ihnen
ausschließlich die Flügelvibrationen des Geschlechtspartners
anzeigt. Diese Art Hörorgane bezeichnet man als Schallschnelle-
oder Bewegungsempfänger. Sie nehmen Bewegungsänderungen des
Mediums (Bewegung bzw. Geschwindigkeit der Teilchen) wahr.
|
Art
|
Ober-
grenze der Hör-fähigkeit kHz |
Art
|
Ober-
grenze der Hör-fähigkeit kHz |
| Feldheuschrecke |
12
|
Laubheuschrecke |
90
|
| Grillen |
8
|
Nachtfalter |
240
|
Wirbeltiere
Die Hörorgane der Wirbeltiere
sind Schalldruckempfänger, d. h.
sie nehmen Druckänderungen (Luftverschiebung) des umgebenden Mediums
wahr. Der Grundvorgang der Aufnahme von Schallwellen durch eine Membran
und die Übertragung auf die Haare der Hörrezeptoren
ist bei den Wirbeltieren mit Ausnahme der Fische gleich.
|
Art
|
Ober-
grenze der Hörfähigkeit kHz |
Art
|
Ober-
grenze der Hörfähigkeit kHz |
| Aal |
0,6
|
Goldfisch |
3
|
| Elritze |
7
|
Haifisch |
2
|
| Buchfink |
29
|
Huhn |
38
|
| Dompfaff |
21
|
Kanarienvogel |
10
|
| Delfin |
200
|
Hund |
135 |
| Katze |
47
|
Maus |
100
|
| Fledermaus |
400
|
Mensch |
21
|
Fische
Fische haben nur innere Hörorgane, die im Kopfbereich lokalisiert
sind. Da zur Übertragung von Schall ein Wechsel in ein anderes Medium
zur Verlangsamung der ankommenden Information vonnöten ist, besitzen
nur solche Fische ein Gehör, die eine luftgefüllte Schwimmblase
besitzen. Ein in der Tiefe des Körpers enthaltener Teil des Seitenliniensystems
bildet das Labyrinth,
dem neben Dreh- und Schwereorgan auch die Schallsinnesorgane angehören.
Das häutige Labyrinth der Fische besteht aus einem oberen Bläschen (Utriculus = Ort des Lagesinns) mit drei senkrecht übereinanderstehenden Bogengängen mit je einer seitlichen Auswölbung (Ampulle = Ort des Drehungssinnes), einem unteren Bläschen (Sacculus) und dem Blindsack (Lagena). Sacculus und Lagena bilden zusammen den Gehörsinn. Das eigentliche Hörorgan liegt innerhalb des Sacculus und besteht aus Gruppen von Haarzellen, deren versteifte Zellfortsätze (Stereovilli) in eine gallertartige Masse ragen. Die Bläschen und der Blindsack enthalten je einen Calciumcarbonatstein (Otolith), der bei Bewegung Druck auf die Haarsinneszellen ausübt. Im Labyrinth befindet sich eine Kanalflüssigkeit, die Endolymphe, die den Weitertransport der Schallwellen gewährleistet. Die Kalksteine und die Gallertmasse werden durch die Schallwellen bewegt. Durch die erzeugten Schwingungen werden die Härchen erregt und leiten die Impulse an das Gehirn weiter.
Bei Karpfenfischen steht das Innenohr über bewegliche Knochen mit
der Schwimmblase in Verbindung. Sie zeigen eine besondere Empfindlichkeit
für tiefe Frequenzen. Einige Fischarten erzeugen zum Zwecke der innerartlichen
Kommunikation Laute, wie beispielsweise Trommellaute (Trommelfisch), Krötenlaute
(Krötenfisch) oder Knurrlaute (Knurrhahn). Die Laute werden durch
Zähneknirschen, Luft ausstoßen oder Reiben von Flossen und
Dornen verursacht. Akustische Information wird also vor allem durch rhythmische
Gliederung der Laute verschlüsselt, da Fischen ein Frequenz unterscheidendes
Organ fehlt.
Amphibien und Reptilien
Die Froschlurche unter den Amphibien
können gut hören. Die Lauterzeugung und das Hören dienen
vor allem der Partnerfindung. Den meisten Schwanzlurchen fehlen die Paukenhöhle
und ein Trommelfell, das Innenohr ist lediglich von Muskeln und Haut bedeckt.
Sie sind deshalb nur zum Wahrnehmen von Schwingungen befähigt. Frösche
und Kröten hingegen haben eine lufthaltige Paukenhöhle mit Trommelfell
zum Empfang von Schallwellen ausgebildet. Bei manchen Arten kann man das
Trommelfell als kleinen hellen Fleck hinter den Augen erkennen. Das Innenohr
der Amphibien ist ähnlich aufgebaut wie das der Fische: Zuoberst
liegen die drei Bogengänge, die Papille befindet sich im Sacculus.
Ein stabförmiges Gehörknöchelchen
im Innenohr überträgt die Schallwellen vom Trommelfell auf das
ovale Fenster.
Nach neuesten Forschungsergebnissen spielt beim Hörvorgang die Haut der Amphibien eine nicht unbedeutende Rolle: Wissenschaftler von der Ohio State University in Columbia, USA haben bei Untersuchungen der Froschart Atelopus zateki Vibrationen der Haut im Frequenzbereich der Rufe beobachtet. Vermutet wird nun, dass diese Resonanz die Gehörnerven stimuliert. Verursacht werden die Schwingungen vermutlich durch die Luft der Lunge, die Schwingungen werden über den Brustkorb zu den Gehörknöchelchen weitergeleitet.
Bei den Reptilien ist das Hörorgan ebenfalls unterschiedlich ausgebildet (Schlangen haben kein Außenohr, Eidechsen dagegen können gut hören). Ein langgestreckter Anhang des unteren Säckchens enthält mehrere Sinnesendstellen. Das Innenohr wird vom ovalen Fenster, das mit einem Gehörknöchelchen verbunden ist, und dem runden Fenster, das dem Druckausgleich dient, begrenzt. Die lufthaltige Paukenhöhle wird vom Trommelfell begrenzt und steht über eine kurze eustachische Röhre mit dem Rachenraum in Verbindung.
Vögel und Säugetiere
Die Vögel besitzen ein gutes
Hörvermögen. Der Feinbau des schallaufnehmenden Apparates zeigt
Ähnlichkeit mit dem der Säuger. Die Ohröffnungen liegen
am Hinterkopf. In der Paukenhöhle ist wie bei Amphibien und Reptilien
nur ein Gehörknöchelchen ausgebildet. Mit diesem Knöchelchen
werden die Schwingungen des Trommelfells in das Gehörorgan übertragen.
Das Gehörorgan wird hier zwar schon Schnecke (Cochlea)
genannt, weist jedoch lediglich eine leichte Spiralkrümmung – noch
keine echte Schneckenform – auf.
Vögel können Töne bis zu einem Halbton voneinander unterscheiden.
Einige Arten können Frequenzen bis zu 30 000 Hz wahrnehmen. Der südamerikanische
Fettschwalm zeigt eine Echoorientierung.
Gleichgewichtssinn und Gehör zeichnen alle Säugetiere
aus. Die Hörgrenze liegt bei einigen Vertretern bei 199 000 Hz. Fledermäuse
orientieren sich mittels Ultraschall.
Sie nutzen das Echo eines Peillauts, dessen Frequenz oberhalb von 20 kHz liegt. Fledermäuse bewegen sich beim Peilen auf das Objekt zu.
Da die Fledermäuse den reflektierten Wellen entgegenfliegen, empfangen
sie die ausgesendeten Signale in einer höheren Tonlage (Frequenzverschiebung/Dopplereffekt). Ihr Gehör zeigt in diesen Frequenzbereichen eine
besondere Sensibilität. Delfine nutzen die Ultraschalllaute zur Orientierung
und für die Kommunikation. Der Mensch hört nur in einer besonders
günstigen Entfernung ein Echo, denn bei kurzen Distanzen wird das
Echo durch den eigenen Ruf überlagert.
Das Hörorgan liegt auch beim Menschen zusammen mit dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Das Ohr besteht aus drei Abschnitten: dem äußeren Ohr (Ohrmuschel, äußerer Gehörgang), dem Mittelohr (Paukenhöhle) mit den Gehörknöchelchen und dem häutigen Innenohr (Labyrinthorgan). Das Außenohr der Säugetiere dient durch seine Trichterform der Sammlung von Schall und der Weiterleitung ins Mittelohr. Der Teil des Innenohrs, der der Aufnahme statischer Veränderungen dient (Vestibularapparat), ist bei allen Wirbeltieren gut ausgebildet, der akustische Teil (cortisches Organ) entwickelt sich erst ab den Vierfüßern (Landwirbeltiere).
Das Innenohr ist in der Knochensubstanz des Schädelknochens eingebettet.
Das Kanalsystem des Innenohrs besteht aus dem oberen Bläschen (Utriculus)
mit den drei Bogengängen, einem unteren Bläschen (Sacculus)
und der Schnecke (Cochlea), dem Sitz des Hörsinns.
Viele Säugetiere besitzen eine große bewegliche Ohrmuschel
als Schalltrichter. Der kleinste Winkel zur Unterscheidung der Richtung
einer Schallquelle beträgt 8,40 beim Menschen, beim Hund 2,50 und
bei der Katze 1,50. Bei einem Ohrenabstand von 21 cm und einer Schallgeschwindigkeit
von 330 m/s ist eine Unterscheidung bis zu einer Frequenz von 786 Hz möglich.
Zum Richtungshören oberhalb dieses Werts werden die Schalldruckdifferenzen
an beiden Ohren ausgenutzt, die durch die schalldämpfende Wirkung
des Schädels entstehen.
Schallweiterleitung im menschlichen
Hörorgan
Die Schallwellen erreichen das menschliche Hörorgan über die
Ohrmuschel und den Gehörgang.
Sie führen zu Schwingungen des Trommelfells. Das Trommelfell ist
eine 0,1 mm dünne, kegelförmige Bindegewebsmembran. Die Schwingungen
des Trommelfells werden auf die drei Gehörknöchelchen (Hammer,
Amboss und Steigbügel)
übertragen. Durch die Hebelwirkung der Gehörknöchelchen
und das Flächenverhältnis von Trommelfell zu ovalem Fenster
(18:1) wird der Schalldruck auf das 20-Fache erhöht. Die Gehörknöchelchen-Kette
überträgt die Schallwellen aller Frequenzen bis 3 000 Hz relativ
verlustfrei.
Träfen die Schallwellen direkt auf das Innenohr, so würden 98 % der Schallenergie aufgrund der unterschiedlichen Widerstände reflektiert
werden. Das Mittelohr dient als Transformator
zur Amplitudensenkung der eintreffenden Schallwellen.
Im Mittelohr sind die kleinsten Skelettmuskeln ausgebildet (Trommelfellspanner, Steigbügelmuskel). Beide Muskeln kontrahieren, wenn ein Schalldruck über 80-90 dB auf das Hörorgan einwirkt. Diese Muskelkontraktionen führen zur Dämpfung der Schwingungen (besonders der tiefen Töne) und verbessern somit die Sprachwahrnehmung. Gleichzeitig schützen sie das Innenohr vor Ermüdung und Verletzungen durch die eigenen lauten Rufe und Schreie. Ein Verlust der Mittelohrfunktion würde eine Hörschwellenerhöhung um ca. 26 dB bewirken. Die Knochenleitung überträgt die Schallwellen oberhalb von 800 Hz und verbessert den Hörgewinn bei hohen Frequenzen beträchtlich. Der Knochenschall verbessert auch die Sprachverständlichkeit. Knochen- und Luftschall ermöglichen das Hören im Frequenzbereich von 16 Hz-20 000 Hz.
|
Art
|
Trommel-
fellgröße
|
Art
|
Trommel-
fellgröße
|
| Maus |
2,7
|
Hund |
46,0
|
| Igel |
16,0
|
Mensch |
55,0
|
| Katze |
42,0
|
Gorilla |
97,0
|
Innenohrprozesse
Das ovale Fenster setzt die Perilymphe
im Vorhofgang (Scala vestibuli) in
Bewegung. Die Druckwelle der Perilymphe strömt im Vorhofgang bis
zur Schneckenspitze (Helicotrema)
und fließt von dort im Paukengang
(Scala tympani) zum runden Fenster zurück.
Die Druckwellen führen je nach Frequenz an unterschiedlichen Stellen
des Endolymphschlauches zu einer stärkeren Auslenkung und verstärken
sich somit gegenseitig. Der Endolymphschlauch
wird von einer oberen (reißnersche Membran)
und der unteren Basilarmembran gebildet.
Die Basilarmembran wird nach unten gedrückt. Auf der Basilarmembran
sitzt das cortische Organ. Das cortische
Organ enthält ca. 15 500 haarförmige Hörsinneszellen.
Die Sinneshaare sind in drei äußeren Reihen und einer inneren
Reihe mit ca. 3 500 Rezeptoren angeordnet. Die äußeren Haarzellen
(ca. 12 000) sind kontraktionsfähig. Sie dienen der Verstärkung
und Übertragung der eintreffenden Schallwellen auf die inneren Haarzellen.
Ohne diese Funktion der äußeren Haarzellen wäre das Ohr
nur halb so empfindlich. Die Hörhaare besitzen keine eigenen Nervenfasern
(sekundäre Sinneszellen) und werden von den Nervenfasern des Hörnervs
versorgt (innerviert).