Die Zeit in der er lebte:
HUMBOLDT lebte in der Zeit des aufstrebenden bildungshungrigen Bürgertums,
der Aufklärung und der französischen Revolution, des Kampfes
um Freiheit und Gleichheit für alle Menschen. Die Privilegien der
Adeligen und Kirchen begannen zu bröckeln.
In dieser Zeit regierten NAPOLEON (1769-1821) und FRIEDRICH DER GROSSE
(1712-1786). HUMBOLDT war Zeitgenosse von MOZART (1756-1791), HAYDN (1732-1809)
und VON GOETHE (1749-1832), von FRIEDRICH WILHELM HERSCHEL (1738-1822),
LUIGI GALVANI (1737-1798), ALESSANDRO VOLTA (1745-1827) und CHARLES AUGUSTIN
DE COULOMB (1736-1806).
Seine Jugend- und Studienzeit:
HUMBOLDT wurde am 14.09.1769 auf dem Tegeler Familiensitz in Berlin geboren,
sein Vater war Major und später Kammerherr am preußischen Hof,
seine Mutter stammte aus einer gebildeten und wohlhabenden Hugenottenfamilie
und brachte Vermögen und Besitztümer in die Familie ein. ALEXANDER
wurde von einem Hauslehrer erzogen und ausgebildet. Schon früh zeigte
er eine Vorliebe für die Natur. Er sammelte Pflanzen, Insekten, Mineralien
und ordnete diese so penibel, dass er schon damals scherzhaft "kleiner
Apotheker" genannt wurde. Mit 14 Jahren wuchs sein Interesse für
die Geographie und Astronomie und er zeichnete Landkarten und Planetensysteme.
Auf dem elterlichen Schloss begann sich HUMBOLDT zu langweilen, es zog ihn in die damaligen jüdischen Salons, wo sich das aufstrebende jüdische Bürgertum und die Berliner Bildungsbürger trafen. Er und sein älterer Bruder WILHELM lernten dort viele Mediziner, Philosophen und andere Gelehrte kennen und diskutierten mit Ihnen im Geiste der Aufklärung.
HUMBOLDT wollte Soldat werden, auf Wunsch seiner Mutter jedoch begann ALEXANDER 1787 in Frankfurt an der Oder Finanz- und Verwaltungskunde zu studieren.
Er lernte 1788 den Berliner Botaniker CARL LUDWIG WILLDENOW (1765-1812) kennen und schätzen. WILLDENOW brachte ihm die Bestimmung von Pflanzen bei und zeigte ihm zum ersten Mal die Palmen im botanischen Garten. Das hatte ALEXANDER VON HUMBOLDT nachhaltig beeindruckt. Er fasste den Entschluss viele ausländische Pflanzen kennen lernen zu wollen und es weckte in ihm das Reisefieber. 1789 ging er an die Universität von Göttingen. Sein Interesse für die Natur brachten ihn dazu nebenher noch Vorlesungen des Botanikers JOHANN FRIEDRICH BLUMENBACHs (1752-1840) zu besuchen.
In Hamburg vertiefte er sein Studium der Wirtschaft und lernte Fremdsprachen, wahrscheinlich auch in Vorbereitung für seine Reisen, die er immer noch im Kopf hatte. In Freiberg studierte er dann Bergbau und Geologie und in Jena Anatomie, Astronomie und die Benutzung von wissenschaftlichen Instrumenten.
1790 besuchte er den Erdumsegler JOHANN GEORG FORSTER (1754-1794), der
zuvor JAMES COOK bei dessen
zweiten Weltumseglung begleitet hatte. HUMBOLDT begleitete FORSTER auf
einer Reise nach England und Frankreich.
Die Begegnung mit FORSTER und dessen Reiseschilderungen hatten großen
Einfluss auf HUMBOLDTS "Hang nach der Tropenwelt".
Im weltoffenen London und auch in Amsterdam wurde HUMBOLDT die Enge seiner
preußischen Heimatstadt schmerzlich bewusst. In London begegnete
HUMBOLDT JOSEPH BANKS (1744-1820), der an der ersten Weltumseglung JAMES
COOKS teilgenommen hatte. BANKS leitete später den Königlichen
Garten in England und war seit 1777 Präsident der Royal Society in
London. HUMBOLDTS "naturhistorischer Eifer" und sein Entdeckungsdrang
wurden durch das Treffen mit BANKs verstärkt.
Anstellung und erste Forschungen:
Am 29. Februar 1792 nahm HUMBOLDT eine offizielle Stelle in der deutsch-preußischen
(staatlichen) Bergwerks- und Hüttengesellschaft an. Er setzte sich
für die Entwicklung der Schutzmaßnahmen für die Bergleute
ein (er entwickelte eine Atemmaske und Grubenlampen) und engagierte sich
für eine gründliche Ausbildung der Bergarbeiter, indem er Schulen
gründetet, die kostenfrei waren. Seine geologischen Berechnungen,
die er als Oberbergmeister durchführte, steigerten die Erträge
der Minen enorm.
Neben geologischen Studien erforschte er die Vegetation in den Gruben.
Pflanzen, die unter extrem schwierigen Bedingungen überleben konnten
faszinierten ihn sehr. Er beobachtete deren Abhängigkeit von den
jeweiligen Lebens- und Wachstumsbedingungen; dies veranlasste ihn u. a.
chemisch-physiologischen
Experimenten durchzuführen.
Er untersuchte den Einfluss von Sonnenlicht, Sauerstoff und Kohlendioxid
auf das Keimen der Pflanzen und entwickelte die Theorie, dass Pflanzen
mithilfe des Lichts und Wasserstoff Sauerstoff produzierten. Damals gab
es nur geringe Erkenntnisse über die grundlegenden Lebensprozesse
der Pflanzen, HUMBOLDT befand sich auf wissenschaftlichem Neuland. Seine
Versuche über die Atemluft der Pilze und Pflanzen ergänzten
die berühmten Versuche von JOSEPH PRIESTLEY (1733-1804) und CARL
WILHELM SCHEELE (1742-1786). Seine Forschungen zur Vegetation führten
zu der 1793er Publikation "Florae Fribergensis
Specimen".
Als 1796 seine Mutter starb, quittierte Humboldt seinen Dienst als Oberbergrat
und suchte eine Möglichkeit seine langgehegten Reisewünsche
mithilfe seines großzügigen Erbes zu erfüllen. Er zog
erst mal zu seinem Bruder WILHELM (1767-1835) nach Jena. Im Hause seines
Bruders lernte ALEXANDER VON HUMBOLDT die Dichter FRIEDRICH SCHILLER (1759-1805)
und JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832) kennen, SCHILLER war zugleich
Historiker, GOETHE beschäftigte sich mit naturwissenschaftlichen
Studien.
Die neue Theorie von ALBRECHT VON HALLER (1708-1777), die besagte, dass
lebende von unbelebten Stoffen sich dadurch unterscheiden, dass die lebenden
Körper reizbare und sensible Gewebe und Fasern haben, regten HUMBOLDT
zu elektrophysiologischen Versuchen an Pflanzen und Tieren an. GOETHE
unterstützte ihn dabei. HUMBOLDT schloss sich auch der Theorie GALVANIs
an, die besagte, dass die Elektrizität den Muskeln und Nerven eigen
seien. Durch zahlreiche Experimente an vielen verschiedenen Tierarten
versuchte HUMBOLDT diese Theorie zu bestätigen. Er nahm an, dass
nur im Vergleich vieler Organismen und Phänomene die Naturgesetze
zu erkennen seien. Die Ergebnisse dieser Studien, dass Lebenskraft sich
aus dem Zusammenwirken mehrere verschiedener Kräfte zusammensetze,
veröffentlichte er in dem Werk "Versuche
über die gereizte Muskel- und Nervenfaser" (Berlin, 1797).
Erste Reisepläne scheiterten:
HUMBOLDTS erster Reiseplan, nach Ägypten,
an den unteren Nil, und anschließend nach Syrien und Palästina
zu reisen, scheiterte, weil NAPOLEON BONAPARTES Truppen in Ägypten
einmarschierten. HUMBOLDT, der sich seit Mai 1798 in Paris aufhielt, erhielt
eine Einladung, als Naturforscher an einer französischen Weltumseglung
teilzunehmen. Der Kaperkrieg der Engländer gegen französische
Schiffe verhinderte auch dieses Unternehmen, ein weiteres scheiterte an
Geldmangel; weil der Krieg in Deutschland und Italien erneut ausbrach,
zog die französische Regierung das schon bewilligte Geld zurück.
HUMBOLDT ließ sich vom Plan einer Entdeckungsreise nicht abbringen.
So reisten er und der französische Arzt und Botaniker AIMÉ
BONPLAND nach Marseille, um nach Nordafrika überzusetzen und von
dort aus Ägypten zu erreichen.
Erst als es bis Mitte Dezember keine Möglichkeit gab, nach Afrika
zu kommen, begann HUMBOLDT über eine Amerikareise nachzudenken. Es
war schließlich der sächsische Gesandte in Madrid, der sicher
wusste, dass HUMBOLDT an der Bergakademie Freiberg studiert hatte und
vielleicht kannte er auch Publikationen HUMBOLDTS aus dieser Zeit. Der
sächsische Gesandte machte HUMBOLDT eine Andeutung, dass er "unter
der Verwaltung eines aufgeklärten Ministers, des Ritters Don Mariano
Luis de Urquijo, Aussicht habe", auf eigene Kosten
im Innern des spanischen Amerika reisen zu dürfen.
Und so empfahl Sachsens Gesandter in Madrid den preußischen Herrn
VON HUMBOLDT dem spanischen Ersten Staatssekretär, der gerade zwei
Tage im Amt und ein Förderer der Wissenschaften war. Diesem gelang
es, seinen König zu überzeugen, HUMBOLDT die Erlaubnis zu erteilen
zu dessen amerikaspanischer Expedition.
Der Staatssekretär und sein König müssen wohl geahnt haben,
dass die wissenschaftliche Entdeckung des spanischen Amerika nur Vorteile
für Alt-Spanien bringen konnte. Denn noch waren die riesigen Gebiete
des Spanischen Amerika nicht erforscht und nicht bekannt, welche Naturschätze
sie bargen.
Übrigens wusste URQUIJO, wem er die Einreiseerlaubnis in Spaniens Kolonien verschaffte. HUMBOLDT und er hatten sich 1790 in London kennen gelernt.
Die Reise beginnt:
1799 begann HUMBOLDT zusammen mit dem französischen Botaniker A.
BONPLAND seine große Reise, die fünf Jahre dauern sollte. Von
Teneriffa ging es in einer 22-tägigen Schiffsreise nach Cumaná,
Venezuela.
Diese Reise
nach Mittel- und Südamerika begründete HUMBOLDTS Ruf als
zweiter KOLUMBUS, als Wiederentdecker Lateinamerikas.
HUMBOLDT war nicht der erste Forschungsreisende in Lateinamerika und auch
nicht der einzige zu jener Zeit, aber sein Forschungsprogramm und dessen
Ergebnisse waren am umfassendsten. Wie kein anderer hat er die von ihm
bereisten Gebiete als Ganzes von
beobachtet, gemessen, was zu messen war, beschrieben und einer eingehenden Analyse unterzogen. HUMBOLDT interessierte
und vieles andere mehr.
Damit wurde der universelle Naturforscher auch
Wegbereiter der modernen wissenschaftlichen Geographie.
HUMBOLDT begründete
Einige Stationen und Begegnungen:
Vom Orinoko zum Amazonas
Für HUMBOLDT war der Orinoko
der "eigentliche Schlüssel von Südamerika".
Er erkundete das Stromgebiet des Orinoko im nordöstlichen Südamerika.
Von dort aus unternahm er einen Vorstoß zum Amazonas und wies dabei
nach, dass Orinoko und Amazonas samt ihrer Nebenflüsse über
die Flüsse Río Negro und Casiquiare miteinander verbunden
sind. HUMBOLDTS Forschungen gaben den Anstoß zur umfassenden wissenschaftlichen
Erforschung dieses größten Stromgebiets der Erde, der Erkundung
der
· Geographie,
· Geologie und
· klimatischer Verhältnisse,
· des Lebens der Urwaldindianer,
· sowie der Fauna und Flora
dieses Gebietes.
HUMBOLDT trotzte allen Strapazen dieser Reise und deren waren es viele.
Moskitos und viele andere Parasiten plagten die Reisetruppe, Wege waren
kaum passierbar, dichter Dschungel, tiefe Sumpfgebiete machten Mensch
und Tier das Durchkommen schwer.
Auch die Verständigung mit den Ureinwohnern war nicht leicht und
erschwerte die Forschungen. HUMBOLDT und BONPLAND sprachen zwar beide
Spanisch. Doch in dem Völkergewirr am Orinoko waren sie auf die Hilfe
von Dolmetschern angewiesen. Indianer, die sie beim Botanisieren begleiteten
verstanden wohl Spanisch, "aber sie können
es nicht recht sprechen". Und so bedienten sich die Forscher
auch öfter der Zeichensprache. Natürlich wusste HUMBOLDT, "daß
der unmittelbare Verkehr mit den Eingeborenen belehrender und sicherer
ist als der mittels des Dolmetschers".
HUMBOLDT interessierte sich auch für die ethnogeographischen Vorgänge
in diesem Land.
Misstrauen und Hass zwischen den Völkern, erklärte HUMBOLDT,
haben nicht allein mit unterschiedlicher Herkunft, ihrer Lebensweise sowie
dem Entwicklungsstand der Kultur zu tun. Ausgeprägte Streitereien
zwischen den Völkern erschienen ihm als eine Folge geografischer
Verältnisse.
Das Pfeilgift Curare
HUMBOLDT brachte als Erster gesicherte Informationen über das indianische
Pfeilgift Curare nach
Europa. Curare wird heute in der Medizin gegen
Starrkrampf und bei Narkosen
eingesetzt. HUMBOLDT fand die Pflanze, von der das Gift gewonnen wird,
im Urwald am oberen Orinoko.
Er hatte Gelegenheit, einem örtlichen "Pflanzenkundigen"
bei der Herstellung des Curare zuzusehen. Die klebrige, an Teer oder dicken
Sirup erinnernde Masse, mit der die Indianer ihre Blasrohr-Pfeile vergifteten,
wenn sie kleine Affen und Vögel jagten, bedrohte beinahe auch HUMBOLDTS
Leben. Das Curare war feucht und dadurch flüssig geworden. Es hatte
seinen Socken vollgetränkt, den er gerade anziehen wollte. Zum Glück
bemerkte er es rechtzeitig, denn über seine offenen, wunden Füße
wäre das Gift schnell zu seiner tödlichen Wirkung gelangt.
Schriftlich überlieferte Geschichte
Auf dem Wege von Quito nach Lima machte Humboldt zufällig eine "höchst
merkwürdige Entdeckung". Er machte die Bekanntschaft
eines gebildeten Indianers, der indianische Handschriften besass, in denen
einer seiner Vorfahren aus dem 16. Jahrhundert die Geschichte der Provinz
Quito vor ihrer Eroberung durch den Inka TÚPAC YUPANQUI darstellte.
Verfasst wurden die Handschriften in der zu jener Zeit gesprochenen Indianersprache,
die nachher der Sprache der Inka, dem Quetschua, weichen musste und nun,
als HUMBOLDT in Quito weilte, völlig verschwunden war. Doch zum Glück
hatte ein anderer Vorfahr des jetzigen Besitzers diese Memoiren ins Spanische
übersetzt.
Dieses Handschriftenmanuskript, des Weiteren indianische Sagen, die HUMBOLDT
sammelte, schließlich Hieroglyphen,
die er am Casiquiare sah, wo zu seiner Zeit keines Menschen Spur zu finden
war, darüber hinaus Veröffentlichungen über die Wanderungen
der Mexikaner in das südliche Amerika waren HUMBOLDT Anlass,
über den Ursprung der "kupferfarbenen"
Menschen nachzudenken.
HUMBOLDT beschäftigte sich mit dem Studium indianischer Sprachen und fand das Urteil anderer Forscher über eine angebliche Ausdrucksarmut der Sprachen der Ureinwohner Amerikas nicht bestätigt.
Inkastraßen
In fast 4 500 m Höhe fand HUMBOLDT
"die Ruinen des prächtigen Inkaweges".
Die alte Straße der Inka war aus behauenen Steinen gebaut und verlief schnurgerade, und er erfuhr, "man glaube, dass sie bis nach der Stadt Cuzco geführt habe". Humboldt meinte, die alte Inkastraße gleiche
"den schönsten Wegen der alten Römer",
deren höchstgelegene Heerstraßen er in Italien, Frankreich und Spanien gesehen hatte.
MÚTIS - LINNÉs Schüler
in Bogotá
BONPLAND zählte schon in Lima 3 374 Beschreibungen von Pflanzen
als wissenschaftliche Ausbeute der bisherigen Expedition auf botanischem
Gebiet.
In Bogota traf HUMBOLDT auf den greisen spanischen Botaniker JOSÉ
CELESTINO MÚTIS (1732-1808), der ein Schüler des schwedischen
Naturforschers KARL VON LINNÉ (1707-1778) war. MÚTIS lebte
seit vielen Jahren in Bogotá. Als HUMBOLDT ihn aufsuchte, hatte
er gerade eine Abhandlung über die Flora dieses Gebietes beendet.
Aufstieg auf den Chimborazo
Von Quito aus bestieg HUMBOLDT einige Gipfel der Anden. Es war eine Landschaft
der Vulkane und Erdbeben. HUMBOLDT nahm auch die Besteigung des rund 6
300 m hohen Chimborazo in Angriff. Dieser Berg wurde lange Zeit für
den höchsten der Erde oder wenigstens für den höchsten
Amerikas gehalten. Ihn konnte HUMBOLDT im Jahre 1802 bis in 5 881
m Höhe besteigen; eine Höhe, die bis dahin kein Forscher erreicht
hatte; etwa 400 m unterhalb des Gipfels mussten HUMBOLDT und seine Begleiter
wegen Atemnot und Schwindel umkehren.
Guano
In Peru studierte HUMBOLDT die Düngeeigenschaften von Guano, was
die Einfuhr von Guano nach Europa einleitet. Der Guano
besteht hauptsächlich aus den Exkrementen von Seevögeln und
wird vorwiegend an den regenarmen Küsten Südamerikas gewonnen.
Er dient als stickstoff- und phosphorsäurehaltiger Pflanzendünger.
CARLOS MONTÚFAR
Zu HUMBOLDTS Begleitern bei diesen Unternehmungen gehörte außer
BONPLAND ein junger Kreole, CARLOS AGUIRRE Y MONTÚFAR (1778-1816),
der Sohn seines spanischen Gastgebers. MONTÚFAR, "ein
trefflicher, lernbegieriger junger Mann", wie HUMBOLDT später
schrieb, war so begeistert von HUMBOLDT und BONPLANDS Forscherdrang, dass
er mit ihnen nach Mexiko, Kuba, die USA und nach Paris reiste. Nach Lateinamerika
zurückgekehrt, reihte sich CARLOS MONTÚFAR in die Unabhängigkeitsbewegung
ein; er wurde von einem spanischen Exekutionskommando hingerichtet.
Erforschung der indianischen Ureinwohner
und ihrer Geschichte
Neben der Erforschung der Natur waren für HUMBOLDT auch immer die
Menschen und deren Kultur von großem Interesse. Der Naturforscher
bewunderte die Bildung der Azteken,
die in aztekischen Hieroglyphenbüchern nachvollzogen werden kann.
HUMBOLDT und andere humanistische deutsche Forschungsreisende trugen viel
ethnografisches und historisches Material über die alteingesessenen
Indianer zusammen. Sie erkannten, dass das alte Amerika vielhundertjährige
Traditionen besaß. Bis zu HUMBOLDTS Zeit wurden die Indianer weitgehend
als geschichtslos angesehen. Die Forscher entdeckten wesentliche Ursachen,
die die Entwicklung der indianischen Völker hemmten oder begünstigten.
Zu den großen Verdiensten ALEXANDER VON HUMBOLDTS gehört es,
entscheidende Impulse zur Erforschung der
amerikanischen Ureinwohner und ihrer Vergangenheit gegeben
zu haben. Er lieferte auch selbst viele Beiträge. HUMBOLDT
berichtete von den "schwachen Überbleibseln" der Kunst
und des Gewerbefleißes der Bewohner aus vorkolumbianischer Zeit,
die "unserer besonderen Aufmerksamkeit würdig"
seien.
Als HUMBOLDT seinen mehrbändigen Bericht über Mexiko vorlegte, schloss er diesen mit den Worten:
"Möchte diese Arbeit, die in der Hauptstadt Neu-Spaniens begonnen wurde, denen nützlich werden, die berufen sind, über die Wohlfahrt des Landes zu wachen; möchte es sie besonders mit der wichtigen Wahrheit durchdringen können, daß das Wohl der Weißen eng an das der roten Rasse (la race cuivré) gebunden ist ...." (Durch das Land der Azteken, S. 8)
Rückfahrt und Auswertung:
In New York traf HUMBOLDT mehrmals
mit dem Präsidenten der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika,
THOMAS JEFFERSON (1743-1826), zusammen, um sich mit ihm über die
Grenzziehung zu Mexiko und die Sklavenfrage
zu unterhalten. Nach erfolgreicher Überfahrt von Philadelphia nach
Bordeaux schrieb HUMBOLDT einem Jugendfreund:
"Mit dreißig Kisten und botanischen, astronomischen, geologischen Schätzen beladen kehre ich zurück und werde Jahre brauchen, mein großes Werk herauszugeben."
Zurück in Berlin begann er mit der Auswertung, die mehr als 30
Jahre dauern sollte. Mehr als 6000 neuer Pflanzen und Tierarten hatte
er beschrieben. Neben gepressten Pflanzen, ausgestopften Tieren und Mineralien,
brachte er auch großes Wissen über das Wesen der Menschen die
dort leben und deren Geschichte mit. Nie hat er versucht sie zu bekehren,
im Gegenteil er hat versucht ihre Sprachen und Mythen zu verstehen. Dazu
kamen die geografischen Vermessungen, Isothermenmessungen, Höhenmessungen,
Magnetfeldmessungen und Temperaturmessungen von Meeresströmungen.
Der Humboldtstrom,
eine kalte Meeresströmung an der Westküste Südamerikas
wurde z. B. von ihm entdeckt und nach ihm benannt.
1805 wurde HUMBOLDT königlich-preußischer Kammerherr in Berlin.
Wenige Jahre später ging er nach Paris, von 1807-1827, dort fand
er bessere Möglichkeiten für seine Veröffentlichungen.
In den Jahren 1807 bis 1833 gab er ein 36-bändiges Werk über
die Südamerikareise heraus. 1817 zeichnete er die erste Isothermenkarte.
1829 unternahm HUMBOLDT noch eine 6-monatige Russland-Sibirien-Reise,
über den Ural bis zur chinesischen Grenze. Sie wurde vom russischen
Zar finanziert, der von HUMBOLDT Aufschlüsse über ausbeutbare
Erzvorkommen und Diamantenminen erhalten wollte. Dabei legt HUMBOLDT 15.000
km zurück. Auch auf dieser Reise erforschte und beschrieb er alles
was die Natur betraf. Er machte u. a. Versuche zum chemischen Zustand
des Wassers verschiedener Seen, beschrieb viele Fischarten und untersuchte
die Atmung der Fische.
HUMBOLDTs Veröffentlichungen waren sein finanzieller Ruin, was ihn
dazu zwang den Rest seines Lebens am preussischen Hof zu verbringen. Es
war ihm wichtig seine Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zu
vermitteln, daher hielt er kostenfreie Vorlesungen
in Berlin, die von jedem, vom Handwerker bis zum Gelehrten, gebildet oder
nicht, besucht werden konnten und auch besucht wurden. Oftmals waren die
Vorlesungsräume viel zu klein für die vielen Menschen, die HUMBOLDT
hören wollten. Bald begann er an einem neuen Werk zu arbeiten, das
er Kosmos nannte und worin er die physische Welt und alles damals verfügbare
Wissen beschreiben wollte. Die Vollendung des fünften und letzten
Bandes von "Kosmos" erlebte HUMBOLDT
nicht mehr. Er starb 1859 während er schrieb in seinem Arbeitszimmer
in Berlin.
Mit der Auswertung seiner großen Südamerika-Forschungsreise
bereicherte HUMBOLDT auch das Wissen der Bürger, der damals jungen
lateinamerikanischen Staaten, über ihre eigenen Länder.
HUMBOLDT interessierte sich nicht nur für die Erscheinungen
der Natur, sondern auch für die gesellschaftlichen
Verhältnisse der Länder, die er bereiste. Er trat ein
für die Gleichberechtigung der Rassen
und die Abschaffung der Sklaverei. Er war erfüllt von den Maximen
der Französischen
Revolution, die Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit verkündeten. SIMÓN BOLÍVAR (1783-1830),
der an der Spitze des antikolonialen Kampfes in Lateinamerika (1810-1824)
stand, nannte ALEXANDER VON HUMBOLDT den wahren
Entdecker des spanischen Amerika. HUMBOLDT habe die Neue Welt mehr
zu verdanken als allen Konquistadoren.
HUMBOLDT stand am Beginn einer neuen Epoche der Entdeckungsgeschichte.
Es begann für Lateinamerika eine zweite, eine wissenschaftliche
Entdeckung und Erschließung. Zweifellos wurde HUMBOLDTS Forschungsreise
durch die Tatsache begünstigt, dass Lateinamerika in diesen Jahren
nicht im Mittelpunkt von Eroberungszügen europäischer Mächte
stand.
Der Universalgelehrte, Forschungsreisende und Humanist ALEXANDER VON HUMBOLDT
gilt als Begründer der modernen wissenschaftlichen Entdeckungsreisen.
Sein vielseitiges Wirken und enzyklopädisches Wissen hatte mehrere
Generationen junger Naturforscher zu eigenen Leistungen angeregt. Viele
von ihnen hat HUMBOLDT mit Rat und Tat gefördert.