Mit Angina tonsillaris
bezeichnet man die durch Infektion verursachte Entzündung der Mandeln.
Hauptsächlich betroffen sind die Gaumenmandeln.
Bei den Gaumenmandeln, die zum lymphatischen Rachenring gehören,
handelt es sich um eine Art Frühwarn- und Lernsystem gegenüber
körperfremden Stoffen aus der Umwelt (Viren, Bakterien, sonstige
Antigene). Es werden Abwehrzellen und Antikörper
produziert und in Blut- und Lymphkreislauf sowie in die Mundhöhle
und den Verdauungstrakt abgegeben. Die Gaumenmandel ist eine besonders
intensive Kontaktstelle zur Umwelt; durch kanalartige Einziehungen ("Krypten")
entsteht eine große Oberfläche auf jeder Gaumenmandel.
Entzündungsursache
Eine Entzündung bzw. Vergrößerung der Gaumenmandeln ist
bei Kindern sehr häufig und meist eine Teilerscheinung von Infektionen
der oberen Luftwege. Meist ist der gesamte Rachenbereich betroffen. Es
können aber auch örtlich begrenzte, alleinige Mandelentzündungen
auftreten.
Ursache der Entzündungen sind entweder Viren,
aber auch Bakterien (vorwiegend
Streptokokken). Der Virusinfekt kann aber auch Auslöser für
einen späteren bakteriellen Infekt sein.
Symptome und Gegenmaßnahmen
Symptome der Krankheit sind Fieber,
Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, gelegentliche Schmerzausstrahlung bis
in die Ohren, Kopfschmerzen und zum Teil auch Erbrechen. Bei der Untersuchung
sind die Mandeln vergrößert (Angina catarrhalis)
oder mit vereinzelten Eiterstippen (Angina follicularis)
oder größerflächigen gelben Belägen (Angina
lacunaris) versehen. Die Kieferwinkellymphknoten können geschwollen
sein.
Die virusbedingte Angina klingt meist nach 1 – 3 Tagen ohne spezielle Therapie
ab. Bei Verdacht auf bakteriell bedingter Angina (Diagnose durch Symptome
wie Eiterstippen und Beläge oder Rachenabstrich mit Streptokokkennachweis)
ist eine Therapie mit Antibiotika
(z. B. Penicillin) sinnvoll. Da die Mandeln als Vorposten des Immunsystems
gleichzeitig das Eintrittstor zum Körper sind, können sich Bakterien
von hier aus weiter ausbreiten und andere Organe wie z. B. das Herz befallen.
Aus diesem Grund ist die antibiotische Behandlung der bakteriellen Mandelentzündung
zur Verhinderung von chronisch entzündlichen Folgeerkrankungen an
Herz, Nieren und Gelenken unbedingt notwendig.
Wird eine Mandelentzündung chronisch (d. h., die Mandeln sind ständig
entzündet), kann eine operative Entfernung der Mandeln notwendig
werden. Ein weiterer Grund für die Entfernung der Gaumen- und auch
Rachenmandeln kann eine über das normale Maß hinaus bestehende
Vergrößerung sein, durch die es über eine Behinderung
der Atmung sowie der Nahrungsaufnahme zu Entwicklungsstörungen des
Kindes kommen kann. Bei einer Mandelentfernung ist immer eine strenge
Abwägung zwischen der immunbiologischen Wertigkeit der Mandeln einerseits
und den durch sie hervorgerufenen Beschwerden andererseits zu treffen.