



Besondere Anpassungen der Atmung und des Kreislaufes ermöglichen
es den Seehunden, Walen und Delphinen extrem lange Tauchgänge zu
unternehmen. Die niedrige Atemfrequenz wird durch eine effektivere Nutzung
der Atemluft ausgeglichen. Während Menschen nur ca. 15% der eingeatmeten
Luft austauschen, entleeren Wale 80-90% ihres Lungenvolumens, bevor sie
wieder einatmen. Weiterhin nimmt man an, dass auch die Ausnutzung des
in der Atemluft enthaltenen Sauerstoffs viel besser ist.
Besonders gut sind diese Faktoren bei der Weddelrobbe,
die in den arktischen Gewässern lebt, untersucht. Sie ist etwa 400
kg schwer und fängt Dorsche und andere Fische in Tiefen bis zu 500
m. Gewöhnlich bleibt sie 20 Minuten unter Wasser und schwimmt von
einem sogenannten Atemloch in der Eisdecke
bis zum nächsten unter dem Packeis entlang. Diesen extremen Bedingungen
des Langzeittauchens sind die Tiere dadurch angepasst, dass sie große
Sauerstoffmengen speichern können.
Robben enthalten pro Kilogramm Körpergewicht doppelt soviel Sauerstoff
wie der Mensch. Er ist hauptsächlich im Blut und in den Muskeln gespeichert.
Während sich beim Menschen 36 % des Sauerstoffs in den Lungen und
51 % im Blut befinden, sind es bei den Robben 5 % in den relativ kleinen
Lungen und 70 % im Blut. Im Vergleich zum Menschen besitzt die Robbe ein
doppelt so hohes Blutvolumen je kg
Körpergewicht und einen höheren Hämoglobingehalt.
Eine weitere Anpassung an die Tauchgänge ist die übergroße
Milz. Sie kann bis zu 24 Liter Blut speichern. Während des Tauchens
gibt sie sauerstoffbeladene Erythrozyten in den Kreislauf ab. In den Muskeln
ist der Myoglobingehalt, ein
speicherndes
Muskelprotein, höher als beim Menschen. Es speichert 25 % des Sauerstoffs.
Eine sauerstoffsparende Anpassung ist auch der Tauchreflex.
Hierbei werden Herzfrequenz und Pumpvolumen des Blutes verringert. Dadurch
wird die Stoffwechselrate, vor allem die Rate der Zellatmung, herabgesetzt.
Auch der Weg des Blutes durch den Körper verändert sich. Das
meiste Blut wird durch Gehirn, Rückenmark, Herz, Lungen, Augen, Nebennieren
und bei trächtigen Tieren durch die Plazenta geleitet, während
die Blutzufuhr zu den Muskeln eingeschränkt ist.
Dauert der Tauchgang länger als 20 Minuten, kann die Zellatmung auf
Milchsäuregärung umgestellt werden.
Wenn man weiß, dass Wale mit Luft gefüllten Lungen abtauchen,
ist eine Tauchtiefe von über 100 Meter verwunderlich. Durch den enormen
Wasserdruck in dieser Tiefe kollabieren normalerweise die Lungen völlig,
d.h. sie werden vollständig zusammengedrückt. Der restliche
Lungeninhalt, meist Stickstoff, sammelt sich dann in der relativ steifen
Luftröhre. Wale müssen demnach die Fähigkeit besitzen,
aus ihrem Blut jeglichen Stickstoff herauszufiltrieren. Dieser würde
nämlich beim Auftauchen durch den wieder geringer werdenden Wasserdruck
"auskochen". Wir Menschen kennen dieses Phänomen als Taucherkrankheit.
Dafür besitzt das Blut der Wale viel Hämoglobin und Myoglobin:
Hämoglobin ist für den Sauerstofftransport im Blut wichtig,
Myoglobin für das Herauslösen und Bereitstellen des Sauerstoffs
in den Muskeln und im Gehirn.
Vergleich der Stoffwechseltätigkeit von Mensch und Weddelrobbe
| Schwimmender Mensch | Schwimmende Weddelrobbe | |
| Aufenthalt unter Wasser | Höchstens 3 Minuten | 20 Minuten und länger |
in den Lungen |
36 % | 5 % |
im Blut |
51 % | 70 % |
| Blutvolumen je kg Körpergewicht | niedrig | hoch |
| Hämoglobingehalt der Erythrozyten | niedrig | hoch |
| Blutspeichervermögen der Milz | gering | 24 l |
| Myoglobingehalt der Muskeln | niedrig 0,5 % im Herzmuskel |
hoch 8 % im Herzmuskel |
Speicherung in den Muskeln |
13 % | 25 % |