
Atmungskette
(Elektronentransport)
In der Atmungskette werden die Elektronen von den in Glykolyse und Citratcyclus
reduzierten Coenzymen über eine Kette von Elektronen-Carriern (-transportern)
schrittweise auf Sauerstoff übertragen, um eine Knallgasreaktion zu
verhindern.
In die innere Mitochondrienmembran sind vier unterschiedliche Enzymkomplexe
eingelagert, durch deren Zusammenwirken der Elektronentransport zustande
kommt. Da die Membran zu vielen Cristae
(blattförmige Einstülpungen) gefaltet ist, haben viele tausende
Kopien dieses Quartetts Platz.
Die mitochondriale Atmungskette besteht aus einer Reihe von Proteinkomplexen. Diese wirken als Oxireduktasen und werden als Komplex I-IV bezeichnet. Sie enthalten Reaktionszentren mit Flavinen, Eisenschwefelkomplexen und Eisenprophyrinen (Cytochrome). Neben diesen dienen die Redoxhilfssubstrate Cytochrom und Ubichinon als Sammelbecken für Elektronen bzw. Wasserstoff. Zwischen den Proteinkomplexen finden Elektronenübergänge statt, die dabei frei werdende Energie wird sofort zur Erzeugung bzw. Aufrechterhaltung des Protonengradienten umgesetzt.
Die aus dem Citratzyklus
stammenden Coenzyme NADH und
geben Elektronen ab, die Protonen sammeln sich im Intermembranraum.
Über die Komplexe I (NADH-Q-Oxidoreductase), III (Hydrochinon-Cytochrom
c-Oxidoreductase) und IV (
)
werden Protonen über die Membran gepumpt. Der hier nicht aufgeführte
Komplex II ist direkt an einer Reaktion des Citratcyclus beteiligt und
schleust seine Elektronen von dort über enzymgebundenes FAD in die
Atmungskette ein, übernimmt in der Atmungskette also keine Protonentransportfunktion.
Die Mehrzahl der Elektronentransportenzyme enthalten Eisenionen, die
bei Elektronenaufnahme reduziert (
)
und bei Elektronenabgabe (
)
oxidiert werden. Da die Enzyme eine unterschiedliche Elektronegativität
besitzen, werden die Elektronen
von Enzym zu Enzym weitergegeben. Das nächstfolgende Enzym hat eine
höhere Elektronegativität als das vorhergegangene. Es nimmt
deshalb die Elektronen auf.
Vom letzten Enzym der Kette werden die Elektronen auf Sauerstoffatome
übergeben, die dann mit Protonen zu Wasser reagieren.
Bei diesem Transport entsteht Energie. Sie kann direkt zur ATP-Synthese
genutzt werden, weiterhin werden ständig Protonen
in den Intermembranraum gepumpt, um einen Konzentrationsausgleich zu verhindern.
Dazu wird kein ATP verbraucht, es würde sonst ausschließlich
für diesen Zweck synthetisiert werden und die Atmungskette an sich
überflüssig machen. Grüne Bakterien und Pflanzen setzen
für diesen Protonentransport Sonnenenergie ein, Bakterien, Pilze
und Tiere gewinnen die Energie über chemische Reaktionen.
Die durch die Atmungskette frei werdende Energie fällt zu etwa 60% als Wärme an, während maximal 40% gebunden als ATP und in dieser Form als für den Zellstoffwechsel weiterverwertbare Energie auftreten. Die Ausbeute von ATP wird häufig durch den P/O-Quotienten charakterisiert, der angibt, wie viel mol ATP pro verbrauchtem Sauerstoffatom gebildet werden.
Winterschlafende Tiere zeigen bei insgesamt stark verminderter Atmung
einen relativ niedrigen P/O-Quotienten, wodurch eine Verschiebung zugunsten
einer höheren Wärmeproduktion auf Kosten von ATP-Synthese erreicht
wird.