

Biophosphoglycerat (BPG)
Die Sauerstoffaufnahme ins Blut, seine Abgabe an die Zellen sowie der Transport des Kohlenstoffdioxides als Stoffwechselendprodukt hängen von vielen aufeinander genau abgestimmten Bedingungen ab. Zu diesen Bedingungen gehören die Partialdrucke von Sauerstoff in Lunge und Gewebe, der Bau von Hämoglobin und sein Gehalt in den Erythrozyten, der pH-Wert des Blutes sowie die Kohlenstoffdioxid-Konzentration.
SIR JOSEPH BARCROFT (1872-1947) vermutete 1921 eine weitere
Substanz, die einen integralen Bestandteil des Hämoglobin-Sauerstoff-Komplexes
darstellt. 1967 wurde diese Substanz von REINHOLD UND RUTH BENESCH gefunden.
Es ist die Substanz 2,3-Biophosphoglycerat
-BPG. Sie wird vom Hämoglobin
gebunden und übt einen großen Einfluss auf die Sauerstoffaffinität
aus. BPG kommt in den roten Blutzellen in der gleichen Konzentration vor
wie das Hämoglobin. Ohne BPG beträgt der Druck im Hämoglobin
1 Torr. Das ist der gleiche Wert, der auch im Myoglobin der Muskeln herrscht.
Unter diesen Umständen würde Sauerstoff vom Hämoglobin
nicht abgegeben. Es würde gehalten und weitertransportiert werden.
Allein durch die Anwesenheit von BPG in den roten Blutzellen
steigt der Partialdruck auf 26 Torr. Das bedeutet, dass sich die Sauerstoffaffinität
von Hämoglobin um
den Faktor 26 vermindert. Das ist entscheidend dafür, dass Hämoglobin
in den Gewebekapillaren Sauerstoff abgeben kann.BPG senkt die Sauerstoffaffinität,
indem es sich an das Hämoglobin (ohne angelagerten Sauerstoff) bindet,
nicht aber an das Oxyhämoglobin (mit Sauerstoff beladen). Bei Sauerstoffbindung
an Hämoglobin in der Lunge wird BPG wieder freigesetzt.