

Der semikonservative Mechanismus war für WATSON und CRICK zwar naheliegend,
musste aber durch ein Experiment bewiesen werden. Das Schlüsselexperiment
dazu führten MATTHEW MESELSON und FRANKLIN STAHL 1958 am California
Institute of Technology durch.
Für ihr Experiment nutzen sie die Masseunterschiede der Stickstoffisotope
und
. Der
häufig vorkommende Stickstoff
besitzt eine relative Atommasse von 14,008. Das seltenere Isotop
ist um die Masse eines Neutrons (1,0087) schwerer. Da beide Isotope sich
chemisch so gut wie gar nicht unterscheiden und
nicht radioaktiv ist, kann das schwerere Isotop ohne Weiteres in Form
von Nährstoffen dem Stoffwechsel von Bakterien zugeführt werden.
Nährstoffe
werden von den Bakterien verstoffwechselt und
wird u. a. in die Strukturen der DNA eingebaut. Durch Dichtegradientenzentrifugation
können die schwereren Stoffwechselprodukte aufgrund ihrer größeren
Schwebedichte nachgewiesen werden.
MESELSON und STAHL ließen eine Escherichia
coli-Kultur zunächst in Anwesenheit von "schwerem"
Ammoniumchlorid
wachsen. E. coli baute den
in seine DNA ein. Nach der ersten Wachstumsphase wurden die Bakterien
in eine Kultur mit "normalem" Stickstoff
umgesetzt. Im neuen Medium wuchsen die Bakterien eine bzw. zwei Replikationsrunden,
unter optimalen Bedingungen ungefähr 20 bzw. 40 Minuten. Die DNA-Proben
der drei einzelnen E. coli-Kulturen wurden
zentrifugiert:
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1. Probe:
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Die Probe, vor dem Umsetzen auf ,
zeigte eine schwere .
Beide Stränge der Doppelhelix enthielten . |
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2. Probe:
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Die Bande der ersten Replikationsrunde
zeigte eine mittelschwere DNA zwischen der
und der (Blindprobe)
an, was einer gemischten
entspricht. |
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3. Probe:
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In der Kultur nach der zweiten Replikationsrunde
konnten zwei schmalere Banden nachgewiesen werden. Die eine Bande
entsprach der ,
die andere stimmte mit der
überein. |
Die Beobachtungen bewiesen eindeutig, dass ein semikonservativer
Replikationsmechanismus vorlag. Die DNA der 2. Probe bestand aus je
einem alten
und einem neuen
nach der ersten Replikation. Wenn bei der nachfolgenden zweiten Replikation
der
als Vorlage diente, entstanden wieder gemischte Moleküle. War der
neue
die Vorlage, entstanden im
wieder komplette
Beide Banden waren schmaler, da sie jeweils nur die Hälfte der DNA
beinhalteten.
Schon nach der zweiten Probe kann ein konservativer Replikationsverlauf
ausgeschlossen werden, hier hätten eine
und eine
entstehen müssen. Die dispersive Replikation wäre aber noch
möglich. Ob die DNA völlig gemischt beide Stickstoffisotope
beinhaltet (dispersiv) oder die Isotope auf die Einzelstränge verteilt
(semikonservativ) konnte hier nicht unterschieden werden. Durch die dritte
Probe konnte der dispersive Mechanismus auch ausgeschlossen werden. Es
hätte wieder nur eine gemischte Bande entstehen dürfen.
Mit diesem Beispiel klassischer wissenschaftlicher Arbeit bewiesen MESELSON
und STAHL, welcher Replikationsmechanismus bei der Verdoppelung der DNA
vorlag. Der präzise Verlauf der Replikation
wurde erst später, beginnend in den 1960er-Jahren, aufgeklärt.
Verlauf der Replikation
Bevor die Elternstränge aufgetrennt werden können, müssen
sie unter Energieaufwand (ATP-Spaltung) entspiralisiert werden. Die Entschraubung
erfolgt durch einen Bruch in einem der Stränge. Die nun geöffnete
DNA wird durch Bindung bestimmter Proteine stabilisiert. Beim Auftrennen
der beiden Stränge entsteht die Replikationsgabel. Nun lagern sich
- unter Mitwirkung von DNA-Polymerasen - die einzelnen Nucleosidtriphosphate durch Wasserstoffbrücken an ihr komplementäres
Gegenüber an und werden unter Abspaltung von Diphosphat und Bildung
von Phosphatesterbrücken verknüpft. Die Zuordnung der einzelnen
Nucleotide ist durch die Basensequenz (Basenabfolge) des Eltern-Einzelstrangs
vorgegeben.