






Das Cytoplasma
ist die "Grundsubstanz" der lebenden Zelle. Es umgibt die Zellorganellen
und wird auch definiert als der Bereich zwischen dem Zellkern und der die
Zelle umgebenden Membran.
Das Cytoplasma besteht zu einem beachtlichen Teil aus Wasser, enthält
Proteine, lösliche Kohlenhydrate und Nucleinsäuren. Auch organische
Säuren und Ionen sind im Cytoplasma zu finden. Die chemische Zusammensetzung
des Cytoplasmas hängt sehr vom physiologischen Zustand der Zelle, der
Spezialisierung und ihrem Alter ab. Hinsichtlich der Konsistenz kann das
halbflüssige Cytosol, in dem die
Organellen liegen, vom dünnflüssigen Sol- in den eher zähflüssigen
Gelzustand wechseln. Auffällige Bewegungen des Plasmas und der von
ihm eingeschlossenen Organellen sind die Rotation, die Zirkulation und die
Pulsation.
Ursprünglich nahm man an, das Cytoplasma sei eine homogene, strukturlose
Flüssigkeit. Mittels Immunfluoreszenz und Elektronenmikroskopie fand man aber
heraus, dass es eine ausgeprägte innere Architektur
besitzt. Die aus Proteinen bestehenden Filamente und Mikrotubuli
bilden ein Gerüst, das man Cytoskelett
nennt.
Über die Funktionen des Cytoskeletts besteht noch keine vollkommene
Klarheit. Neben der Stabilisierung der Zellgestalt dürfte es für
Bewegungs-, Transport- und Informationsvorgänge mitverantwortlich
sein und auch eine Rolle bei der Zellteilung spielen.
Der Zellkern (Nucleus, Karyon) gehört zu den größten Zellorganellen. Er ist meist von kugelförmiger Gestalt, in der Zelle in Einzahl vorhanden und bereits im Lichtmikroskop gut zu sehen. Der Kern wird von einer Doppelmembran mit Poren umgeben. Diese Poren haben einen Durchmesser von 40 bis 100 nm und lassen Makromoleküle passieren. Die Kerndoppelmembran hat direkte Verbindung zum Endoplasmatischen Reticulum (ER).
Im Kerninneren befindet sich das Karyoplasma mit Cytoskelett-Strukturen
(Kernskelett). Mit geeigneter Färbetechnik lässt sich im Kern
ein nucleinsäurehaltiges Netzwerk, das Chromatin,
nachweisen. Es besteht aus den teilweise entspiralisierten Chromosomen
und enthält den größten Teil der Erbinformation einer
Zelle. Die Nucleotidsequenz der DNA und die Anzahl der Chromosomen sind
artspezifisch. Im Zellkern findet man außerdem meist zwei Kernkörperchen
(Nucleoli). Sie bestehen vorwiegend aus RNA und wirken bei der Bildung
der Ribosomen mit.
Während der Mitose und Meiose löst sich die Kernmembran auf.
Die Chromosomen werden sichtbar. Nach der Ausbildung der Chromatiden und
deren Verteilung auf die beiden entstehenden Zellen bzw. der Trennung
der homologen Chromosomen und deren Verlagerung in die Tochterzellen bildet
sich die Kernmembran vom ER aus wieder neu.
Wie der Zellkern so sind auch die 1 bis 10 nm langen Mitochondrien
Organellen mit zwei Membranen als Hülle. Die innere Membran ist vielfach
gefaltet und eingestülpt. An dieser großen Oberfläche
können zahlreiche Stoffwechselvorgänge gleichzeitig ablaufen.
Durch die Doppelmembran entstehen zwei Kompartimente: Der Intermembranraum
(perimitochondrialer Raum) und die Matrix.
Die Außenmembran gilt als relativ durchlässig. Durch die Innenmembran
gelangen Stoffe nur mithilfe von Transportproteinen. Sie ist der Sitz der Enzyme
für die Atmungskette und der ATP-Synthese.
Die Anzahl der Mitochondrien in einer Zelle hängt sehr von deren
physiologischer Aktivität ab. Während Zellen der Säugerleber
bis zu 1 500 Mitochondrien enthalten, sind es in manchen Eizellen
etwa 100 000 und in einzelligen Amöben um die 50 000.
Plastiden sind typische Organellen
von Algen und Pflanzen. Sie können sehr unterschiedlich gestaltet
sein. Plastiden vermehren sich durch Teilung über ein als Proplasmid
bezeichnetes Vorstadium. Als Chloroplasten
ermöglichen sie ihren Trägern eine autotrophe Lebensweise. Fotosynthetisch
aktive Zellen höherer Pflanzen besitzen durchschnittlich 50 bis 100 Chloroplasten von linsenförmiger Gestalt und etwa 5 µm Größe.
Besonders in grünen Algen kommen auch anders geformte Chloroplasten
und manchmal in sehr geringer Anzahl vor.
Die bereits lichtmikroskopisch sichtbaren Chloroplasten sind von einer
Doppelmembran umgeben. Die Außenmembran grenzt sie gegen das Cytoplasma
ab.
Von der Innenmembran geht ein weitverzweigtes, geordnetes Membransystem,
das Thylakoidsystem,
aus. Dieses Thylakoidsystem lässt sich in zwei Bereiche gliedern:
Die Granathylakoide und die Stromathylakoide.
Die Granathylakoide bilden geordnete
Stapel von Doppelmembranen. Diese als dunkelgrüne Areale im Chloroplasten
erscheinenden Lamellenstapel enthalten reichlich Fotosynthesepigmente
und alle für die Lichtreaktion erforderlichen Enzyme. Die Stromathylakoide
stellen Verbindungen zwischen den Grana her. Sie bilden keine Stapel aus,
sondern durchziehen das Plastideninnere in Form von Membranflächen.
Das Thylakoidsystem ist in die Grundsubstanz des Chloroplasten, das Stroma
oder die Matrix, eingebettet. Im Stroma befinden sich auch die Enzyme
für die lichtunabhängige Reaktion. Während der Alterung,
etwa im Zuge der Herbstfärbung, degeneriert das Membransystem bei
gleichzeitigem Abbau des Chlorophylls.
Mitochondrien und Plastiden sind aus endosymbiontischen Prokaryoten hervorgegangen und sie verfügen bis heute über eine eigene DNA (mt-DNA bzw. p-DNA). Da sie auch Ribosomen des 70 S-Typs enthalten, sind sie in der Lage, einige Enzyme selbst herzustellen. Sie vermehren sich durch einfache Teilung.
Das Endomembransystem
der Zelle besteht aus Endoplasmatischem Reticulum, Golgi-Apparat (Dictyosomen),
Lysosomen und Cytosomen (Microbodies). Das Endoplasmatische
Reticulum (ER) durchzieht in ausgewachsenen Zellen als reich gegliedertes
Membransystem das Cytoplasma. Es steht mit verschiedenen Zellorganellen,
etwa dem Kern und den Dictyosomen, in enger Verbindung und kompartimentiert
das Zellinnere. Die Zisternen genannten
Hohlräume zwischen den beiden Membranen sind intrazelluläre
Speicherorte und Transportkanäle, an deren Ende Vesikel abgeschnürt
werden. Die Außenseiten der ER-Membranen können ohne oder mit
Ribosomen besetzt sein. Entsprechend unterscheidet man glattes (agranuläres)
von rauem (granulärem) ER. Das raue ER ist der Syntheseort zahlreicher
Proteine, vor allem der Speicher- und Membranproteine. Das glatte ER wirkt
bei sehr unterschiedlichen Stoffwechselvorgängen mit.
Dictyosomen oder der Golgi-Apparat als die Gesamtheit der Dictyosomen in einer Zelle können als Membranstapel mit besonders aktiven Zisternen aufgefasst werden. Die Bezeichnung Golgi-Apparat erfolgte nach seinem Entdecker CAMILLO GOLGI, der 1898 das plasmatische Zisternensystem in der Zelle fand. An Dictyosomen sammeln sich Polysaccharide oder Proteine, die nach Vesikelabschnürung in andere Zellorganellen gelangen oder als "coated vesicle" die Zelle verlassen. In Zellen mit sekretorischer Funktion ist der Golgi-Apparat besonders stark ausgeprägt. In Pflanzenzellen produzieren Dictyosomen beispielsweise Pectine und Hemicellulosen, in tierischen Zellen Verdauungsenzyme und Hyaluronsäure.
Lysosomen sind von einer einfachen Membran umgeben und enthalten Enzyme. Gebildet werden diese Organellen vom Golgi-Apparat. Aufgabe der Lysosomen in der Zelle ist es, sehr selektiv mit Endocytosevesikeln zu verschmelzen und den Vesikelinhalt hydrolytisch abzubauen. Beim Absterben von Zellen löst sich die Lysosomenmembran auf. Die Enzyme werden frei und autolysieren die Zelle. Bislang sind mehr als 60 verschiedene lysosomale Enzyme nachgewiesen worden. Als Leitenzym gilt die saure Phosphatase. Infolge von Defekten an Lysosomen können beim Menschen Erbkrankheiten auftreten. Mehr als 30 derartiger Krankheiten sind bekannt.
0,5 bis 1,5 µm große, von einer Membran umgebene und mit bestimmten Enzymen gefüllte Vesikel bezeichnet man als Microbodies (Cytosomen). Cytosomen schnüren sich, im Gegensatz zu den Lysosomen, nicht vom Endomembransystem ab, sondern gehen aus bereits bestehenden durch Teilung hervor. Der Inhalt dieser kleinen Zellorganellen wird von freien, cytoplasmatischen Ribosomen synthetisiert. Bisher sind nahezu 50 verschiedene Enzyme in den Microbodies nachgewiesen worden. Entsprechend dem Inhalt differenziert man nach Peroxisomen (u. a. Oxidasen, Katalasen) in tierischen Zellen und Blatt-Peroxisomen und Glyoxisomen (u. a. Isocitrat-Lyase, Malat-Synthase).
Sowohl bei tierischen als auch bei pflanzlichen Zellen treten Vakuolen auf. In tierischen Zellen sind es nur kleine, mit Flüssigkeit angefüllte Räume. In älteren Pflanzenzellen erreichen sie ein beachtliches Volumen. In manchen Zellen entsteht aus mehreren einzelnen Vakuolen eine mächtige Zentralvakuole. Die einfache Membran, die den Vakuoleninhalt zum Cytoplasma hin abgrenzt, wird als Tonoplast bezeichnet. Dieser Tonoplast unterscheidet sich zwar nicht im grundsätzlichen Aufbau, jedoch in den Membraneigenschaften deutlich vom Plasmalemma. So sind Plasmalemma und Tonoplast für verschiedene Stoffe unterschiedlich durchlässig.
Vakuolen können osmotisch Wasser aufnehmen und abgeben. Der davon
abhängige Binnendruck (Turgor) einer Pflanzenzelle hat Bedeutung
für die Stabilität des Pflanzengewebes. Heute weiß man,
dass sie in pflanzlichen Zellen mehrere wichtige Funktionen erfüllen.
Sie können den Lysosomen gleich lytische Enzyme enthalten und so
bestimmte Stoffumsetzungen beeinflussen. Vakuolen dienen aber auch als
Deponierraum für überflüssige, oft toxische Sekundärstoffe.
Sie ersetzen und ergänzen die ansonsten spärlichen Ausscheidungsmöglichkeiten
der Pflanze. Der Vakuoleninhalt besteht dann vor allem aus Glykosiden,
Phenolen oder Pigmenten. Bedeutsam können Vakuolen auch für
die Speicherung von
Stoffen sein.
Sowohl verschiedene Zucker als auch Proteine und Fette erreichen in den
Vakuolen zum Teil beachtliche Konzentrationen. Sie sind somit zunächst
dem aktuellen Stoffwechselgeschehen entzogen. Bei Bedarf werden diese
Reservestoffe wieder mobilisiert. Vakuolen spielen auch eine entscheidende
Rolle bei der Aufrechterhaltung der Turgeszenz von Zellen. Der Zellsaft
enthält gelöste, osmotisch wirksame Verbindungen. Sie machen
den osmotischen Wert des Vakuoleninhalts aus. Dieser bestimmt im Wesentlichen
die Intensität und Richtung des Wasserstroms in die oder aus der Zelle.
Ribosomen sind die Orte der
Proteinbiosynthese in der Zelle. Sie stellen Organellen ohne Membranhülle
dar. Zwei Ribosomen-Grundtypen werden unterschieden: die 80 S-Ribosomen
im Cytoplasma der Eucyte und die vom 70 S-Typ der Plastiden, Mitochondrien
und der Procyte. Gemeinsam ist beiden Typen, dass das komplette Ribosom
aus zwei Untereinheiten aufgebaut ist. 70 S-Ribosomen setzen sich aus
30 S- und 50 S-Untereinheiten zusammen, 80 S-Ribosomen aus 40 S- und 60 S-Untereinheiten. Ribosomen
und ihre Untereinheiten werden entsprechend ihrem Sedimentationskoeffizienten
bei der Ultrazentrifugation bzw. Dichtegradientenzentrifugation nach SVEDBERG-Einheiten (S) benannt.
Der Wert
einer größeren Einheit (80 S) ergibt sich nicht aus der Summe
der Werte von Untereinheiten. (Aufgrund der unterschiedlichen Formen lassen sich keine nummerischen Summen aus den Untereinheiten zum Gesamtribosom bilden – 30 S- und 50 S-Untereinheiten ergeben also nicht 80 S, sondern der Koeffizient des ganzen Ribosoms liegt bei 70 S; ebenso ergibt sich bei 40 S- und 60 S-Untereinheiten nicht die Summe 100 S, sondern der Sedimentationskoeffizient des eukaryotischen Gesamtribosoms liegt bei 80 S.)
Während der Proteinbiosynthese (Translation) reihen
sich 5 bis 40 Monosomen an der mRNA zu einer Polysomenkette auf.
In Procyten hat man um die 10 000 Ribosomen pro Zelle, in stoffwechselaktiven Säugerzellen ein Vielfaches davon gefunden. Die Lebensdauer der Ribosomen kann relativ kurz sein. Deshalb müssen sie innerhalb eines Ribosomenzyklus ständig neu gebildet werden. Bis zu 100 Ribosomen pro Sekunde können es in einer Wirbeltierzelle sein. Funktionsfähige Ribosomen bestehen aus Proteinen und RNA in einem Mengenverhältnis von 1 : 1. Im Zellkern wird die ribosomale RNA synthetisiert und mit Proteinen beladen. Als Vorstufen der Ribosomen-Untereinheiten passieren sogenannte Präribosomen die Poren der Kernmembran und gelangen so in das Cytoplasma. Dort erhalten sie ihre endgültige Ausprägung.
Das Vorhandensein von zwei Ribosomentypen in der gleichen Zelle gilt als wesentliche Stütze der Endosymbiontentheorie. Ursprünglich eigenständige Vorläufer der Plastiden und Mitochondrien haben die 70 S-Ribosomen ebenso wie eine eigene DNA bei der Cytosymbiose mit eingebracht. Allerdings können die 70 S-Ribosomen heute nur noch einen kleinen Teil der Proteine vollständig selbst herstellen. Die Mehrzahl der für die Organellen erforderlichen Proteine wird an den cytoplasmatischen Ribosomen oder in Kooperation mit ihnen synthetisiert.
Nicht in allen eukaryotischen Zellen kommen Centriolen
vor. Während sie in tierischen Zellen stets paarweise auftreten,
fehlen sie den Eucyten der Bedecktsamer (Angiospermen). Centriolen sind
von tubulärer, geordneter Struktur. Sie gelten allgemein als Organisationszentren
für Mikrotubuli und spielen eine wichtige Rolle bei der Ausbildung
von Basalkörpern der Geißeln und beim Aufbau der Kernteilungsspindel
während der Mitose und Meiose.
Die Zellwand umgibt die pflanzliche Eucyte mit einer festen, Form gebenden Hülle. Während des Lebens einer Zelle durchläuft die Wandbildung verschiedene Phasen. Nach erfolgter Kernteilung entsteht zwischen den beiden Tochterzellen von innen heraus (zentrifugal) eine neue Trennschicht. Protopectin- und Hemicellulose-Moleküle ergeben eine Mittellamelle. Während des folgenden Zellstreckungswachstums lagern sich zunächst ungeordnet beidseitig Mikrofibrillen aus Cellulose ein. Die Primärwand entsteht. Sobald das Streckungswachstum abgeschlossen ist, verstärkt sich die Wand durch schichtweise Auflagerung weiterer Cellulosefibrillen (Sekundärwand). Ein- und Auflagerungen von Wachs, Lignin und Suberin imprägnieren die Wand und verleihen ihr Festigkeit und Widerstandsfähigkeit (Tertiärwand).
Pflanzliche und tierische Zellen können über Plasmabrücken
(Plasmodesmen) in Verbindung stehen. Die Pflanzenzelle unterscheidet sich
von den tierischen Eucyten durch den Besitz von Plastiden, einer großen
Zentralvakuole und einer Zellwand. Im Vergleich zu pflanzlichen Eucyten
bilden tierische Zellen häufig Fortsätze aus. Ein charakteristisches
Merkmal tierischer Zellen ist auch der Besitz von zwei Centriolen.