


Herzzyklus
Das Herz hat ein Gewicht von 260 g bei Frauen und 310 g bei Männern
und ist etwa faustgroß. Es arbeitet mit großer Präzision
und schlägt im Verlaufe eines Tages bei normaler Belastung etwa 100000 mal (60 bis 80 Herzschläge in der Minute). Bei jedem Schlag pumpt
das Herz etwa 70 ml Blut aus jeder Herzkammer in die ableitenden Blutgefäße,
d.h. täglich fließen ca. 14 000 Liter Blut durch unser Herz.
Im Verlaufe eines 70- bzw. 75-jährigen Lebens pumpt das Herz ungefähr
200 bis 250 Millionen Liter Blut in den Körper. Diese Dauerleistung
wird durch die Ruhepausen, die das Herz nach jedem Arbeitstakt einlegt,
ermöglicht: insgesamt arbeitet es nur 8 Stunden am Tag. Trotz dieser
lebenslangen Dauerleistung sind dem Herzen in seinem Leistungsvermögen
auch Grenzen gesetzt. Die immer höher werdende Zahl der Herz- Kreislauferkrankungen
bestätigen dies, da diese nach wie vor die Todesursache Nummer eins
sind.
Die Anzahl der Schläge je Minute, also die Herzfrequenz ist sowohl von der körperlichen und geistigen Belastung sowie vom Lebensalter und der Körpertemperatur des Menschen abhängig. Dabei können gleichwohl innere und äußere Faktoren Ursachen für eine Veränderung der Herzfrequenz sein. Auslöser für eine Erhöhung der Herzschlagzahl sind beispielsweise Bewegung, Angst oder Freude.
| Lebensalter | Anzahl der Schläge je Minute in Ruhe |
| Embryo, 5 Monate | 150 - 160 |
| Säugling, 1 - 2 Monate | 130 |
| Kind, 4 Jahre | 100 |
| Jugendlicher, 14 Jahre | 85 |
| Erwachsener | 70 - 80 |
| Greis | 80 - 85 |
Auch im Tierreich ist die Anzahl
der Herzschläge je Minute sehr unterschiedlich, wobei kleine Tiere
eine sehr hohe und große Tiere eine niedrigere Herzfrequenz besitzen.
Bei gleichwarmen Tieren (Vögel, Säuger) ist sie wiederum größer
als bei wechselwarmen Tieren (Fische, Lurche, Reptilien).
| Tierart | Herzschläge je Minute |
| Aal | 10 - 15 |
| Frosch im Sommer | 30 - 50 |
| Zauneidechse im Sommer | 60 - 70 |
|
Ringelnatter im Sommer |
23 - 40 |
| Stieglitz | 500 |
| Spitzmaus | 1000 - 1300 |
| Ente | 210 - 230 |
| Hausmaus | 320 - 800 |
| Hund | 100 - 130 |
| Pferd | 20 - 70 |
| Elefant | 30 - 35 |
Linke und rechte Hälfte des Herzens funktionieren eigentlich als
2 Herzen, die durch die Herzscheidewand getrennt sind. Das rechte Herz
pumpt sauerstoffarmes Blut in die Lunge. Das kräftige linke Herz
sauerstoffreiches Blut in den Körper. Damit das Blut beim Durchlaufen
des gesamten Organs nicht zurückfließen kann, sind die einzelnen
Bereiche durch Ventile gesichert.
Diese schließen sich mit dem ersten Herzton, sobald das Blut den
Raum verlassen hat. Zwischen Vorhof und Kammer sorgen häutige Segelklappen
dafür, dass in der Systole kein Blut in den Vorhof zurückfließt.
Die sternförmigen Taschenklappen am Kammerausgang verhindern, dass
in der Diastole Blut ins Herz zurückfließt. Ihr Schließen
bildet den 2. Herzton.
Bei der Füllung der Vorhöfe (0,4 sec) fließt das Blut aus den großen Venen (Körperhohlvene, Lungenvene) in die Herzvorhöfe. Die Kammern befinden sich in Kontraktion, die Segelklappen sind geschlossen, die Vorhöfe sind erschlafft. Dadurch kann sich ihr Volumen ausdehnen und das Blut wird regelrecht aus den Venen gezogen. Dieser Vorgang wird auch durch den im Brustraum herrschenden Unterdruck unterstützt.
Eine kurze Anspannungsphase (0,1 sec) treibt das Blut mit einer Vorhofsystole
(Kontraktion der Vorhöfe) in die Herzkammern. Diese Kammerkontraktion
(Systole) führt durch den Druckanstieg zum Verschluss der Segelklappen,
später zum Öffnen der Taschenklappen in den Gefäßen.
Die Herzkammersystole pumpt in 0,3 Sekunden das Blut in die großen
Arterien. Jetzt sind die Segelklappen geschlossen und die Taschenklappen
geöffnet. Dabei wird lediglich die Hälfte des Kammerinhalts
von 130 ml Blut in die Aorta gepresst; es bleibt ein Restvolumen von etwa
70 ml in der Herzkammer.
Das Ende der Systole kennzeichnet der Verschluss der Taschenklappen. Er erfolgt aufgrund der Trägheit des fließenden Blutes kurz nach dem Druckausgleich in Aorta und Herzkammer. Mit der Entspannung der Kammermuskulatur wird die Diastole eingeleitet.
Funktionell ist das Herz also eine Druck- und Saugpumpe, die durch das
Erregungsbildungssystem gesteuert wird. Bereits 1628 entdeckte der englische
Arzt WILLIAM HARVEY (1578-1657), dass das Herz eine Pumpe ist, die den
Blutkreislauf in Gang hält. Schrittmacher (Erregungszentrum) des
Herzens ist der Sinusknoten,
welcher im rechten Vorhof an der Einmündungsstelle der großen
Venen liegt. Er besteht aus Ganglienzellen (Nervenzellen) und modifizierten
Herzmuskelzellen und ist in der Lage, elektrische Impulse zu erzeugen
und auszusenden. Sie führen zur Kontraktion des Herzmuskels und bestimmen
den Herzzyklus. Der Verlauf der Erregung führt über die benachbarte
Muskulatur, mit einer gewissen Verzögerung über den ganzen Vorhof,
erreicht den Atrioventrikularknoten und läuft von hier aus über
besondere, als Leitungsbahnen dienende Muskelfasern, die hisschen Bündel,
zur Herzspitze und schließlich weiter über die Purkinje-Fasern.