



Klassifikation des Schlafs
1968 wurde von amerikanischen Schlafforschern eine immer noch gültige
Klassifikation der verschiedenen
Schlafstadien vorgeschlagen. Die zentralnervösen Erregungsprozesse
des Gehirns schlagen sich in rhythmischer Aktivität im EEG nieder.
Anhand der Auswertung dieser Erregungsprozesse erfolgte die Einteilung
des Schlafs in die zwei Phasen Non-REM-Schlaf
(Tiefschlaf) und REM-Schlaf (Dämmerschlaf).
| Der Non-REM-Schlaf (NREM-Schlaf) ist in 4 Stadien gegliedert: | |
| Stadium 1: | Übergang zwischen Wachen und Schlafen
(Augen rollen langsam, langsame statische Traumbilder) |
| Stadium 2: | Einschlafzeitpunkt (keine Augenbewegungen, kognitive Inhalte beim Wecken abrufbar) |
| Stadium 3 und 4: | Tiefschlaf (slow wave sleep) (keine Augenbewegungen, keine Inhalte abrufbar) |
| REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movements) (schnelle Augenbewegungen, Traumsequenzen mit halluzinatorischem Charakter, Muskelzuckungen, erhöhte Herz- und Atemfrequenz, Peniserektionen, erhöhte Vaginaldurchblutung) |
|
Die Verteilung und Länge der Schlafphasen variiert sowohl innerhalb
unterschiedlicher Altersgruppen einer Art (Die Schlafdauer und somit die
Länge und der Zeitpunkt des Schlafs nimmt mit zunehmendem Alter
ab.) als auch unter den verschiedenen Spezies. Beispielsweise tritt bei
Vögeln der REM-Schlaf nur im Kükenalter auf. Beutel- und Plazentatiere
zeigen das für den Menschen typische Schlafmuster von abwechselnden
REM- und Non-REM-Schlafphasen.
Neurologie des Schlafs
Durch die moderne Technik der Implantation feinster Mikroelektroden (Drähte
mit einem Durchmesser von etwa 32 Mikrometer) in einzelne Nervenzellen
in beliebigen Regionen des Gehirns kann heute die Gehirnaktivität
im Schlafen und Wachen genauer als über das EEG untersucht werden.
So unterscheidet sich das Aktivitätsmuster des Gehirns im REM- und
NREM-Schlaf völlig, Körperhaltung und Registrierung von Umweltreizen
sind in beiden Phasen jedoch in gleicher Weise eingeschränkt.
Während des Tiefschlafs (Non-REM-Schlaf) sind die Neurone des Hirnstamms nicht mehr oder nur sehr wenig aktiv. In der Großhirnrinde sinkt die Aktivität der Neurone nur leicht. An der Basis des Großhirns wurden "Schlafneurone" entdeckt, die im Tiefschlaf eine hohe Aktivität aufweisen.
Während des REM-Schlafs ähnelt die Aktivität der Neurone der Großhirnrinde und des Hirnstamms dem Wachzustand. Offensichtlich sind bestimmte Zellen im Hirnstamm, die "REM-Schlafneurone", durch ihre Aktivität für diesen Zustand verantwortlich.
Im REM-Schlaf ist der Gesamtenergieverbrauch
des Körpers sehr hoch. Dieser Umstand ist u.a. auf die dort stattfindenden
schnellen Augenbewegungen zurückzuführen.
Warum bewegen sich die Augen, aber nicht die anderen Muskeln?
Transmittersubstanzen, die Muskelbewegungen auslösen (z. B. Acetylcholin),
werden im Schlaf gehemmt. Es kommt lediglich zu kurzen Zuckungen der Muskulatur.
Die Augenmuskulatur ist davon nicht betroffen.
Im REM-Schlaf schwanken Pulsrate und Atemfrequenz ähnlich wie im
Wachzustand, die Regulation der Körpertemperatur ist eingeschränkt.
Funktion des Schlafs
Warum hat Schlafentzug gesundheitsschädigende Folgen?
Bei Ratten führte experimentell herbeigeführter Schlafentzug
zu einer erhöhten Pulsfrequenz, zu erhöhtem Energieverbrauch,
zu Wärmeverlust und trotz normaler Futteraufnahme schließlich
zum Tod.
Beim Menschen sind bei Schlafentzug eine ständig wachsende Müdigkeit,
Abnahme der Konzentration, Symptome von Stressreaktionen, Mikroschlafphasen
und schließlich ungehemmter Schlaf zu beobachten.
Bekannt ist, dass durch erhöhten Stoffwechsel freie
Radikale (hochreaktive Molekülbruchstücke) entstehen, die
Zellen schädigen oder vernichten können. Im Gegensatz zu anderen
Geweben produziert das Gehirn fast keine neuen Zellen nach der Geburt.
Man nimmt heute an, dass sogenannte Reparaturenzyme während des Tiefschlafs
Schäden, die durch freie Radikale an den Neuronen entstehen, beheben.
Außerdem können "alte" Enzyme durch die Synthese
neuer Enzyme ersetzt werden. Schlaf hat also eine Regenerierungsfunktion.
Im REM-Schlaf scheint ein anderer Mechanismus zur Regeneration des Körpers
zu führen. Die Hemmung der Transmitterfreisetzung bzw. -übertragung
in dieser Schlafphase sichert durch die Nichtbeanspruchung
eine Erhöhung der Rezeptormoleküle in den Zellmembranen und
ihre gute Reaktionsfähigkeit in der Wachphase (Hirnreifung).
Untersuchungen an Taufliegen haben bestätigt, dass die regelmäßige
Ruhe zur Wiederherstellung der Transmitterfunktion nicht nur bei Säugetieren
wichtig ist. Zudem wird angenommen, dass der REM-Schlaf beim Erwachsenen
der Verarbeitung von tagsüber aufgenommenen Informationen dient.
Schlafentzug hat v.a. Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung. Besonders
Fertigkeiten, die unmittelbar vor dem Schlaf erlernt wurden, sind davon
betroffen. Es konnte gezeigt werden, dass im Schlaf neuronale Erregungsmuster
wiederholt werden, die kurz zuvor als neue Eindrücke entstanden.
Vermutlich sorgen diese Wiederholungen für eine dauerhaftere Speicherung
der Informationen.
Eine exakte wissenschaftliche Erklärung der Bedeutung des Schlafs konnte jedoch bis
heute nicht gegeben werden.
Schlaf-Wach-Rhythmus
Tiere und Menschen haben bestimmte Schlaf-Wach-Rhythmen, die von vielen
Faktoren wie z. B. Licht-Dunkel-Wechsel, Umweltfaktoren, inneren Faktoren
wie Hormonproduktion und subjektiven Bedingungen abhängig sind. Beispielsweise
gehören Menschen in Deutschland zu den Frühaufstehern, was auch
durch ihre gesellschaftlichen Traditionen bedingt ist.
Im Laufe des Lebens nimmt der Schlafbedarf ab. Der geringere Schlafbedarf
im Alter wird häufig als Schlafstörung
bezeichnet.
Aufregende Erlebnisse kurz vor der gewohnten Einschlafzeit können
den Schlaf beeinträchtigen. Schlaflabore untersuchen mögliche
Ursachen von Schlafstörungen und empfehlen unterschiedliche Therapien.
Mittlerweile ist man zu der Erkenntnis gelangt, dass Schlaftabletten nicht
der richtige Weg sind, Schlafprobleme zu lösen. Sie bekämpfen
nur die Erscheinung des "Nicht-Schlafen-Könnens", nicht
aber deren Ursachen.
Eine Verbesserung von Gedächtnisleistung und Lernvermögen während
des Schlafs ist immer noch umstritten. Während deutsche Wissenschaftler
das befürworten, ist diese Annahme nach amerikanischen Forschungsinstituten
umstritten.
Gibt es Beziehungen zwischen Körpergröße und Schlafdauer?
Untersuchungen an Tieren verschiedener Größe zeigten eine längere
Schlafdauer bei kleineren Tieren (z. B. Nagetiere). Im Vergleich dazu weisen
Elefanten kürzere Schlafzeiten und weniger Tiefschlaf auf. Da kleine
Tiere eine wesentlich höhere Stoffwechselintensität besitzen,
dürften die Vorteile des Schlafs in seiner energiesparenden Funktion
liegen. Der Schlaf und die damit erwirkte Ruhe des Organismus erlaubt
es, Energie zu sparen und zu speichern. Nach einer energieverbrauchenden
Zeitdauer ist eine Ruhe- und Entspannungsphase notwendig, um Energiereserven
zu sparen und aufzuheben. Das regelmäßige Auftreten von REM-Phasen
könnte ein zu tiefes Absinken der Stoffwechselaktivität verhindern,
indem der Körper immer wieder in einen aktiveren Zustand versetzt
wird.
Eine weitere Vermutung orientiert sich an der angeblichen Reparaturleistung
an Nervenzellen während des Schlafs: Es wird angenommen, dass die höhere
Stoffwechselintensität kleinerer Tiere und die damit verbundene stärkere
Schädigung der Zellen durch freie Radikale die Notwendigkeit längerer
Reparaturleistungen und damit eine längere Schlafdauer zur Folge hat.