Bei der Igelwurmart Bonellia viridis, die bekannt ist für einen extremen Geschlechtsdimorphismus, wird das Geschlecht modifikativ determiniert. Bonellia kommt vor allem an den Küsten des Mittelmeers, aber auch an denen der Nordsee und des Atlantiks vor. Dort leben sie in Felsspalten.
Die Weibchen besitzen einen etwa 5-10 cm langen Körper und einen kontraktilen, sehr beweglichen, bis zu 1 m lang werdenden Rüssel, der in zwei Lappen endet. Mit dem Rüssel weiden sie in der Umgebung ihrer Wohnhöhlen die Algenflora ab. Die Nahrung wird über eine Wimpernrinne auf der Unterseite des Rüssels in die Mundöffnung transportiert. Die weiblichen Tiere sind durch ein grünes Pigment, das Bonellin, intensiv gefärbt. Es entsteht vermutlich durch den Abbau des Chlorophylls der gefressenen Algen. Das Bonellin kann, durch mechanische oder Lichtreize ausgelöst, nach außen abgegeben werden. Es wirkt auf viele wirbellose Tiere toxisch.
Die Männchen werden dagegen nur
2-3 mm groß und parasitieren in großer Anzahl, bis 80 sind
möglich, in einer blasenförmigen Vergrößerung des
Eileiters im Weibchen.
Zur Fortpflanzung geben
die weiblichen Eierstöcke ihre Eier in die Leibeshöhle des Weibchens
ab. Durch einen Trichter nimmt die Gebärmutter die Eier auf, die
nun durch geschlechtsreife, hier lebende Männchen besamt werden.
Im hinteren, z. T. aufgeblähten Teil des Uterus entwickeln sich die
Eier zu vorgeschlechtlichen Larven. Die Geschlechtsdifferenzierung hängt
nun wesentlich von den Außenfaktoren ab: Treffen die sexuell undifferenzierten
Larven auf ein erwachsenes Weibchen, so setzen sie sich an dessen Rüssel
fest, entwickeln sich dort aufgrund stofflicher Einflüsse des Weibchens
innerhalb weniger Tage zu geschlechtsreifen Männchen und wandern
nach und nach in die Eileiter ein, wo sie die weiter austretenden Eier
besamen. Umgekehrt werden etwa 70 % aller Larven, die nicht auf ein Weibchen
treffen, selbst zu Weibchen.
Das Geschlecht von Bonellia viridis wird durch
äußere Faktoren bestimmt, es entsteht durch Modifikation.
Die Modifikation wird durch den Kontakt oder Nichtkontakt mit dem weiblichen
Körper eines Wurms ausgelöst. Vermutlich ist hier der
der Umgebung von Bedeutung. Ein geringer
im freien Wasser löst die weibliche Differenzierung und ein
höherer auf dem Weibchen löst die männliche Differenzierung
aus. Etwa 70 % der Larven entwickeln sich erfolgreich zu Weibchen oder
Männchen. Die anderen, häufig indifferent bleibenden Larven,
sterben meist früh ab. Die relativ hohe "Fehlerquote" lässt
die Vermutung offen, dass vielleicht doch genetische Aspekte bei der Geschlechtsdifferenzierung
eine Rolle spielen könnten (möglicherweise multifaktorielle
Geschlechtsvererbung).