



Befruchtungsvorgänge außerhalb des Organismus, gentechnisch
veränderte Mikroorganismen und Antibiotika, die Krankheitserreger
nicht mehr in ihrer Vermehrung zu stoppen vermögen, lassen viele
Menschen aufhorchen. Im Gegensatz zu früher nimmt die Öffentlichkeit
heute verstärkt Anteil an der Entwicklung der Zellbiologie.
Was die Wissenschaft heute vom Bau der Zelle weiß, wie sie diese
in technischen Prozessen nutzen, physiologisch beeinflussen und in ihrem
Erbgut verändern kann, das ist das Ergebnis eines langen Erkenntniswegs,
der 1665 mit einer fundamentalen Beobachtung von ROBERT HOOKE –
der Entdeckung von Zellen aus Flaschenkork - begann.
1839 wiesen MATTHIAS SCHLEIDEN (1804-1881) für Pflanzen und THEODOR SCHWANN (1810-1882) für Tiere nach, dass grundsätzlich alle Organismen aus Zellen aufgebaut sind. Sie belegten auch, dass das Protoplasma der Träger des Lebens ist. Bis heute gelten fundamentale Aussagen der Zellenlehre des 19. Jahrhunderts:
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Alle Lebewesen bestehen aus Zellen. |
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Zellen gehen stets aus Zellen hervor. |
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Zellen haben einen prinzipiell gleichartigen Aufbau. |
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Die Leistungen eines Organismus basieren auf seinen Zell-Leistungen. |
Die Zelle ist vieles zugleich:
Sie ist der Grundbaustein der Lebewesen, der Einzeller ebenso wie der
Vielzeller. Sie stellt ein offenes System dar, was bedeutet, dass die
Einzelzelle auf ständigen Stoff- und Energieaustausch mit der Umwelt
und/oder den angrenzenden Zellen angewiesen ist. Man könnte die Zelle
mit einer Art chemischen Fabrik vergleichen, die mit Ausgangsstoffen versorgt
werden muss, die sie zu Produkten verarbeitet, und Abfallstoffe bildet, die entsorgt werden müssen.
Die Urformen und die heute in beachtlicher Vielfalt vorhandenen Zelltypen
haben eines gemeinsam: Sie alle besitzen die Kennzeichen des Lebens. Was
für Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen charakteristisch ist,
trifft auch auf den einzelnen Baustein, die Zelle, zu.
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Jahr
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Zellforscher
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Daten zur Entdeckungsgeschichte der Zelle
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| 1665 | Robert Hooke | Hooke entdeckt die zelluläre Struktur des Flaschenkorks und führt den Begriff "Cellula" (Zelle) ein. |
| um 1680 | Antoni van Leeuwenhoek |
Leeuwenhoek entdeckt Einzeller, Bakterien, Blutkörperchen und Säugerspermien. |
| 1838/39 | Theodor Schwann Matthias Schleiden |
Schwann und Schleiden sind die Begründer der Zelltheorie, die besagt, dass alle Lebewesen aus Zellen aufgebaut sind. |
| 1855 | Rudolf Virchow | Virchow formuliert den noch heute gültigen Satz: "Omnis cellula e cellula": Jede Zelle entstammt einer Zelle. |
Zellen treten uns in großer Vielfalt
entgegen. Man kann zunächst grundsätzlich den Procyten als Grundbaustein
der Prokaryoten und den Eucyten, den zellulären Baustein der Eukaryoten,
unterscheiden. Zellen variieren aber auch in Form, Größe, Leistungsfähigkeit
und Lebensdauer. Zellen sind häufig kugelförmig, kubisch, zylindrisch
oder polyedrisch. Die Procyten messen oft weniger als 1 mm, können
aber auch 100 mm groß oder etwas darüber sein. Die durchschnittliche
Größe eukaryotischer Zellen liegt zwischen 10 und 100 mm. Blutzellen
sind kleiner, manche Zelltypen, wie Tracheen der Pflanzen oder Nervenzellen,
können um ein Vielfaches größer sein. Im Einzelfall können
Zelllängen im Zentimeterbereich erlangt werden.
Leistungsfähigkeit und Spezialisierung sind zwei eng miteinander verbundene Phänomene. Während bei einzelligen Organismen die Zelle noch alle Funktionen und Leistungen erbringen kann, treten bei kompliziert gebauten Vielzellern tief greifende Spezialisierungen ein. Der menschliche Körper zum Beispiel besteht aus etwa 200 verschiedenen Zelltypen. Was eine Knochenzelle zu leisten vermag, können Blutzellen nicht erbringen und umgekehrt. Einzeller sind normalerweise potenziell unsterblich. Sie gehen bei der Teilung in den Nachfolgezellen auf. Die Körperzellen der Vielzeller haben aber eine begrenzte, allerdings sehr unterschiedliche Lebensdauer.
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Zelltypen des Menschen
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Lebensdauer von Zellen
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| Nervenzellen | Lebensdauer des Organismus |
| Skelettmuskelzellen | Lebensdauer des Organismus |
| Erythrocyten | 3 bis 4 Monate |
| Dünndarmepithelzellen | 3 bis 4 Monate |