PEDANIOS
DIOSKURIDES
Der griechische Arzt und Heilpflanzenkundige PEDANIOS DIOSKURIDES wurde
etwa um 40 n. Chr. in Anazarba (heutiges Anawarza bei Ceyhan) in Kilikien
geboren. Seine Ausbildung erhielt er an der berühmten Universität
von Alexandria. Als Militärarzt
nahm er an den Kriegszügen der römischen Kaiser CLAUDIUS und NERO
teil. Um 60 nach Christus schrieb er sein berühmtes Werk "peri
hýles iatrikés" (lat. De materia medica), welches
fünf Bücher umfasst und eine Beschreibung aller damals bekannten
Arzneimittel liefert. Eine prächtig erhaltene und illustrierte Handschrift
dieses Werkes, die 512 für eine reiche Römerin geschrieben wurde,
ist erhalten und wird heute in der Wiener Hofbibliothek aufbewahrt. Im ersten
Band des Werkes werden Spezereien und Salben sowie Bäume, ihre Milchsäfte,
Harze und Früchte behandelt. Im zweiten Band werden Tiere, Honig, Milch,
Fett, Getreide, Gemüse und Gewürze beschrieben. Im dritten und
vierten Band sind die Heilkräuter dargestellt und der letzte Band befasst
sich mit Weinen, Essigen und Metallen. Insgesamt werden in dem Werk etwa
580 Pflanzenarten sorgfältig beschrieben, die daraus herstellbaren
Drogen und ihre Heilwirkung werden erläutert und die lateinischen,
griechischen, ägyptischen, syrischen und weiteren damals verwendeten
Namen werden genannt.
Das Werk des DIOSKURIDES galt bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts als unumstößliche
Grundlage der Pharmakologie
und der Botanik. Die von ihm verwendeten Pflanzennamen und auch botanische
Bezeichnungen sind später vielfach übernommen worden. Auch das
Wort Botanik (botaniké) geht auf DIOSKURIDES zurück.
LINNÉ hat die Gattung Schmerwurz als "Dioscorea"
nach DIOSKURIDES benannt.
Die Arbeitsweise DIOSKURIDES kann man teilweise bereits als naturwissenschaftlich bezeichnen. Seinen Erkenntnissen lagen auch eigene Beobachtungen und logische Schlussfolgerungen zugrunde. Viele der damaligen Heilmethoden unterzog er einer kritischen Prüfung, vieles stellte er in Frage.