Der pH-Wert
Säuren und Basen
kommen in unserem Leben sehr häufig vor und haben eine große
Bedeutung. Ob es sich um Lebensmittelzusätze handelt oder Getränke
mit Kohlensäure versetzt sind, ob wir Essig als Würzmittel verwenden
oder viele Säuren als technische Säuren von großem Nutzen
sind, Säuren begegnen uns täglich. Auch Basen und ihre Lösungen
nutzt man häufiger, als man denkt. So enthalten viele Sanitärreiniger
Basen, auch beim Bauen geht es nicht ohne ein bestimmtes Metallhydroxid
(Calciumhydroxid = Löschkalk).
Eines der häufigsten Schlagwörter, das in der Werbung in diesem
Zusammenhang gebraucht wird, ist der pH-Wert.
Sogar bei Seifen und Waschmitteln spielt er eine Rolle. Man spricht von
pH-neutralen Reinigungsmitteln bzw. hautneutralem Shampoo.
Woher die Abkürzung pH kommt, ist nicht mehr eindeutig nachvollziehbar. Es gibt zwei unterschiedliche Herkunftsmöglichkeiten. Die erste Variante sagt, dass die Abkürzung von dem französischen Ausdruck pouvoir hydrogène stammt, der so viel wie "Wasserstoffkraft" bedeutet. Die andere Möglichkeit meint, dass die Abkürzung für den lateinischen Ausdruck potentia hydrogenii steht. Die Bedeutung ist aber ähnlich, denn übersetzt heißt dieser Ausdruck Stärke des Wasserstoffs bzw. Wasserstoff-Stärke.
Am pH-Wert kann man ablesen, ob eine Lösung neutral,
sauer oder basisch ist. Saure Lösungen enthalten einen Überschuss
an Wasserstoff-Ionen
(Hydronium-Ionen
bzw. Oxonium-Ionen) und basische Lösungen sind durch einen
Überschuss an Hydroxid-Ionen gekennzeichnet.
Wie die Übersetzung des ursprünglichen Begriffs schon zeigt,
besteht ein Zusammenhang zwischen den in der Lösung enthaltenen Oxonium-Ionen
und dem pH-Wert. Der Einfachheit halber kann man den pH-Wert als Maßzahl
der in der Lösung enthaltenen Oxonium-Ionen beschreiben.
Für die Berechnung benötigt man jedoch die exakte Definition.
Der pH-Wert ist als der negative dekadische Logarithmus der Oxonium-Ionen-Konzentration
definiert.

Je saurer eine Lösung ist, also je größer die Konzentration der Oxonium-Ionen ist, desto kleiner ist der pH-Wert.
Genauso wie es ein Maß für den sauren Charakter
einer Lösung gibt, gibt es ein Maß für den basischen Charakter.
Dieser basische Charakter wird durch die Konzentration der Hydroxid-Ionen
angegeben. Genau wie beim pH-Wert logarithmiert man auch diesen Wert und
erhält den sogenannten pOH-Wert.
Auch hier gilt: Je basischer eine Lösung ist, desto kleiner ist der
pOH-Wert.
Obwohl dieser Wert existiert, wird er zumindest im
Alltag nicht verwendet. Der pH-Wert reicht aus, um den Charakter der Lösungen
sowohl im sauren als auch im basischen Bereich zu beschreiben, obwohl
der nur ein Maß für die Konzentration der enthaltenen Oxonium-Ionen
ist. Das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein, denn man
könnte ja annehmen, dass bei einem pH-Wert größer als
7 keine derartigen Ionen mehr vorhanden sind. Das ist aber nicht so. Nicht
umsonst spricht man bei sauren Lösungen von einem Überschuss
von Oxonium-Ionen bzw. bei basischen Lösungen von einem Überschuss
an Hydroxid-Ionen.
Das hat u. a. mit der Autoprotolyse
(Eigendissoziation, auch Dissoziationsgleichgewicht
des Wassers genannt) des Wassers zu tun.
Die Autoprotolyse
des Wassers
Destilliertes Wasser leitet den elektrischen Strom, wenn auch nur sehr
schwach. Das kann man mit hochempfindlichen Geräten feststellen.
Dieses Phänomen war lange Zeit für die Physiker und Chemiker
ein großes Problem, denn elektrischer Strom wird nur von Stoffen
geleitet, die frei bewegliche Ladungsträger, also Elektronen oder
Ionen, besitzen. Wasser besteht aber aus neutralen Wassermolekülen
(H2O).
Im Wasser müssen Ladungsträger vorliegen, dabei muss es sich
um Ionen handeln. Nach der Säure-Base-Theorie von BRÖNSTED lässt sich eine Erklärung finden. Danach sind Säuren Stoffe,
die Protonen abgeben können, und Basen Stoffe, die Protonen aufnehmen
können. Einige Stoffe können sowohl als Base als auch als Säure
wirken. Diese bezeichnet man als Ampholyt. Dazu gehört auch Wasser. Für die beiden Funktionen lassen sich
folgende (Teil-)Gleichungen aufstellen:

Fasst man nun diese beiden Teilgleichungen zu einer zusammen, erhält man folgende Gesamtreaktion:

Der Doppelpfeil macht deutlich, dass es sich um eine
Gleichgewichtsreaktion
handelt. Wassermoleküle, Oxonium-Ionen und Hydroxid-Ionen liegen
gleichzeitig vor, wobei aber die Bildung der Wassermoleküle bei Standardbedingungen
stark begünstigt, die Zahl der Ionen also relativ klein ist.
Außerdem drückt diese Gleichung aus, dass Wassermoleküle
miteinander reagieren, wobei Oxonium- und Hydroxid-Ionen entstehen. Diese
Ionen sind für die elektrische Leitfähigkeit des Wassers verantwortlich.
Aus der Konzentration der Wassermoleküle und
der entsprechenden Ionen im Gleichgewicht (destilliertes Wasser) lässt
sich der pH-Wert von Wasser = 7 berechnen.
Die Zugabe von Lösungen, die ebenfalls Oxonium-Ionen bzw. Hydroxid-Ionen
enthalten, beeinflusst das Gleichgewicht und ändert die jeweiligen
Konzentrationen. Dadurch ändert sich natürlich auch der pH-Wert
der Lösung.
Besonderheiten
des pH-Werts
Der pH-Wert in der Natur liegt immer zwischen 0 und
14. Allerdings sind theoretisch auch größere bzw. kleinere
pH-Werte möglich. Solche "unnatürlichen" pH-Werte
konnten im Labor auch schon erzeugt werden.
Weiterhin sollte Beachtung finden, dass die Abnahme des pH-Werts um eine
Einheit einer Erhöhung der Konzentration der Oxonium-Ionen um das
10-Fache bedeutet. Die Tatsache, dass der pH-Wert schwedischer Seen statt
bei 7 bei 3 liegt, bedeutet also nicht, dass sie 4-mal mehr Wasserstoff-Ionen
(Hydronium-Ionen) enthalten, sondern dass sie 10 000-mal mehr Protonen enthalten
als neutrales Wasser bei pH 7.
Zum Schluss soll hier einer der großen Irrtümer aufgeklärt
werden. Der pH-Wert ist nicht direkt gleichbedeutend mit der Stärke
einer Säure oder Base. Er ist zwar von der Stärke einer Säure
bzw. Base abhängig, aber zusätzlich noch von der Konzentration
der Säure bzw. Base.
Nimmt man eine schwache Säure und stellt mit ihr eine stark konzentrierte
Lösung her, so erhält man einen pH-Wert der niedriger ist als
der einer starken Säure in einer stark verdünnten Lösung.
Die Stärke einer Säure wird davon bestimmt, wie gut sie Protonen
abgeben kann, also ob sie vollständig oder nur teilweise mit Wasser
reagiert und Ionen bildet. Der pH-Wert gibt lediglich dann eine Auskunft
über die Stärke von Säuren, wenn man zwei gleichkonzentrierte
Lösungen verwendet.