



Bei der Trisomie 21 liegt
das Chromosom 21 dreimal in der Zelle vor. Man unterscheidet hierbei noch,
ob es frei im Zellkern vorkommt (freie Trisomie, sie stellt den Großteil
der Fälle) oder ob es an ein anderes Chromosom festgebunden ist
(Translokationstrisomie 21, in ca. 3-4 % der Fälle). Daneben gibt
es noch eine Form der Trisomie 21, bei der Zellen mit intaktem Chromosomensatz
neben solchen mit dem überzähligen Chromosom 21 vorliegen (Mosaikbildung,
in ca. 1 % der Fälle).
Bei 83 % der Kinder mit Trisomie 21 stammt das dritte Chromosom 21 von
der Mutter. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die männlichen
Keimzellen immer neu gebildet werden, während die weiblichen Keimzellen
schon von Geburt an vorhanden sind und im Laufe der Jahre allen möglichen
schädlichen Einflüssen (z. B. Strahlung) ausgesetzt sind. Dadurch
erhöht sich die Fehlerquote mit dem Alter der Mutter. Die Fehlerquote
liegt bei Müttern bis 30 Jahren unter einem Promille und steigt erst
ab 35 Jahren merklich an. Mit 42 Jahren liegt sie bereits bei ca. 2 %,
mit 46 Jahren bei ca. 4 %, mit 48 Jahren bei 6 % und mit 49 Jahren bei
10 %.
Die Auswirkungen des Down-Syndroms
Das zusätzliche Vorhandensein eines 3. Chromosoms 21 führt zu gravierenden vor- und nachgeburtlichen Entwicklungsstörungen
und zum vorzeitigen Altern der Betroffenen.
Das klinische Bild ist recht unterschiedlich, da sich immer nur ein Teil
der bekannten Merkmale der Krankheit bei dem einzelnen Betroffenen zeigen.
Auch die Ausprägung der Merkmale schwankt und ist im einzelnen Fall
nicht vorhersagbar. An körperlichen Merkmalen sind zu nennen:
|
-
|
das Schrägstehen der Lidachsen (mongoloide Lidachsstellung), |
|
-
|
eine sichelförmige, innen verlängerte Oberlidfalte (Epikanthus), |
|
-
|
Fehlsichtigkeit, |
|
-
|
ein kurzer, runder Kopf (Brachyzephalie), |
|
-
|
ein kurzer Hals, |
|
-
|
offen stehender Mund mit heraustretender Zunge, |
|
-
|
Unterentwicklung von Kiefer und Zähnen, |
|
-
|
kurze Finger (Brachydaktylie), |
|
-
|
verkürzte und einwärts gekrümmte kleine Finger (Klinodaktylie), |
|
-
|
kurze Zehen mit einer "Sandalenlücke" zwischen dem ersten (großen) und dem zweiten Zeh, |
|
-
|
eine unterentwickelte Schilddrüse, |
|
-
|
Herzfehler, |
|
-
|
Muskelschwachheit und Bindegewebsschwäche, |
|
-
|
Verengung des Verdauungstrakts, |
|
-
|
angeborene Dickdarmlähmung, |
|
-
|
verminderte Leistung des Immunsystems. |
Die geistige Entwicklung ist individuell ganz verschieden beeinträchtigt
und meistens liegt eine geistige Behinderung
vor. Vor allem betroffen sind das abstrakte Denken und die Sprachentwicklung.
Durch heilpädagogische Übungen kann hier vieles verbessert werden,
vor allem im Bereich des reproduktiven Lernens. Hervorzuheben ist, dass die
Patienten mit Down-Syndrom lernfähig, sozial integrierbar, sehr anhänglich
und zärtlich sind. Unter Umständen ist sogar der Besuch von Regelschulen
möglich.
Ab dem vierzigsten Lebensjahr der Patienten setzt meistens ein vorzeitiger
Alterungsprozess ein, der häufig mit Veränderungen des Gehirns
einhergeht, die denen der Alzheimerkrankheit ähneln. Das Chromosom 21 ist auch bei der Alzheimerkrankheit am Krankheitsgeschehen beteiligt
und es scheint, dass es sich hier um zwei verschiedene Krankheiten handelt,
die zu fast identischen Symptomen führen.
Die Therapie des Down-Syndroms
Die Krankheit selbst kann nicht behandelt werden, da es sich um einen Defekt im Erbgut handelt, wohl aber einige ihrer
Auswirkungen. Die verminderte Immunität führte vor der Erfindung
der Antibiotika dazu, dass ca. 75 % der Patienten
vor dem Erreichen der Pubertät an Infektionskrankheiten starben.
Heute erreichen ca. 80 % der Patienten das 30. Lebensjahr. Schwerwiegende
Fehlbildungen werden wenn möglich operativ korrigiert und die Muskelschlaffheit
kann durch krankengymnastisches Training von Geburt an gemildert werden.
Die Diagnose des Down-Syndroms
Für die pränatale (vorgeburtliche) Diagnose
kommen hauptsächlich zwei Verfahren in Betracht: die Chorionbiopsie
(auch Chorionzottenbiopsie genannt, Mutterkuchenuntersuchung) und die
Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung). Bei der Chorionbiopsie
wird ein Katheter zur Plazenta (Mutterkuchen) geführt, mit dessen
Hilfe dann Trophoblastenzellen (embryonale Zellen) aus dem Chorion frondosum
(Zottenhaut) der Plazenta entnommen werden. Von der zehnten bis zur elften
Schwangerschaftswoche wird der Katheter durch die Scheide und von der
elften bis zur vierzehnten Schwangerschaftswoche durch die Bauchdecke
unter Ultraschall- oder endoskopischer Kontrolle eingeführt. Die
entnommenen Zellen werden in Zellkultur gezüchtet und nach einer
Woche ist eine Diagnose möglich. Die Vorteile dieser Methode liegen
darin, dass der Eingriff ambulant vorgenommen wird, dass der Befund normalerweise
nach einer Woche vorliegt und dass sie bereits in einem recht frühen
Stadium der Schwangerschaft eine Diagnose liefert.
An Nachteilen sind zu nennen: Die direkte Zellkultur gelingt nicht in jedem Fall, sodass eine Langzeitkultur nötig wird und sich der Befund um zwei bis drei Wochen verzögert. Weiterhin ist das Risiko von Komplikationen zu diesem Schwangerschaftszeitpunkt (ca. 1 %) höher als zu einem späteren Zeitpunkt. Und außerdem ist eine sichere Aussage nicht in jedem Fall möglich, da die entnommene Gewebsprobe nicht immer genug teilungsfähige Zellen enthält und da das Gewebe der Plazenta in einigen Bereichen einen anderen Chromosomensatz aufweisen kann als der Embryo.
Bei der Amniozentese wird
durch die Bauchdecke hindurch Fruchtwasser aus der Amnionhöhle entnommen.
Diese Untersuchung kann erst ab der 15. Schwangerschaftswoche durchgeführt
werden und liefert zwei bis drei Wochen später einen Befund. Von
Vorteil ist hierbei, dass der Eingriff ambulant erfolgt, dass das Eingriffsrisiko
recht gering ist und dass die Diagnose sicher ist. Von Nachteil ist der
späte Zeitpunkt der Diagnose.
Nach der Geburt kann die Krankheit durch eine Chromosomenuntersuchung
des Neugeborenen sicher nachgewiesen werden. Dazu ist nur eine kleine
Blutprobe nötig.
Rat und Unterstützung bei einem behinderten Kind
liefert u. a. der Arbeitskreis Down-Syndrom e. V., Gaddersbanner Str. 28 in
33602 Bielefeld