



MORGAN arbeitete mit Drosophila melanogaster, die sich in mehrfacher Hinsicht als geeignetes Forschungsobjekt herausstellte:
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Die Fliegen sind leicht zu züchten. |
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Ihre Generationsdauer beträgt nur etwa 10 Tage. |
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Ein Fliegenpaar hat bis zu 400 Nachkommen, sodass eine gute Auswertbarkeit gesichert ist. |
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Drosophila hat nur 4 Chromosomenpaare, die in den Speicheldrüsen besonders groß als Riesenchromosomen ausgebildet sind. Genetische Forschungen werden durch diese Übersichtlichkeit wesentlich vereinfacht. |
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Viele Mutationen des Erbguts lassen sich sehr gut phänotypisch beobachten (z. B. Augenfarbe, Körperfarbe, Flügelgröße) und sind daher Experimenten gut zugänglich. |
Drosophila melanogaster (griech.: drosos = Tau, phile = Freundin, melas = schwarz, gaster = Magen, Bauch) heißt
so viel wie "Kleine Taufliege", "Kleine Obstfliege" (oft auch "Kleine Fruchtfliege") oder "Kleine Essigfliege" und ist eine bis ca. 2 mm große, braun bis gelb gefärbte Fliege,
die häufig an gärendem Obst zu finden ist, in das sie ihre Eier
legt. Drosophila melanogaster wird "Taufliege"
genannt, weil die Imagines mit Vorliebe in den frühen Morgenstunden
schlüpfen. Dieses Verhalten ist arterhaltend, weil die noch nicht
gehärtete Cuticula in den heißen Mittagsstunden zum Tod durch
Austrocknen führen würde. Werden Drosophila-Populationen
unter konstanten äußeren Bedingungen gehalten, schlüpfen
die Individuen aus ihren Puppenhüllen in synchronen Schüben
etwa alle 24 h.
MORGAN bemerkte bald, dass gelegentlich für gekoppelte Merkmale
eine Neuverteilung auftrat. Nach seinen Vorstellungen geschah das durch
Crossing-over oder Rekombination.
Erfolgt Crossing-over (Chromosomenstückaustausch zwischen Schwesterchromatiden bzw. zwischen homologen Chromosoenpaaren) zwischen zwei Merkmalen, so können diese in
der Nachkommenschaft voneinander getrennt werden. Weitere Untersuchungen
ergaben, dass die Crossing-over-Wahrscheinlichkeiten proportional zum
Abstand zweier Merkmale auf dem Chromosom zunehmen. MORGANs Schüler
ALFRED HARRY STURTEVANT (1891-1970) erkannte, dass es dadurch möglich
wird, genetische Chromosomenkarten zu erstellen und Gene zu kartieren.
Für die relativen Abstände der Gene zueinander führte JOHN
BURDON SANDERSON HALDANE (1892-1964) als Maß die Morgan-Einheit
ein. Eine Morgan-Einheit (cM, Centi Morgan) ist der willkürlich festgelegte
Wert von 1 % Rekombination. Findet man beispielsweise 18,5 % Austausch zwischen
zwei Markergenen, z. B. dackelbeinig und schwarzer Körper, so haben
sie einen genetischen Abstand von 18,5 cM.
Drosophila hat ihre Bedeutung als Forschungsobjekt
in der Genetik bis heute nicht verloren. Sie ist ein sehr geeignetes Objekt
zur Erforschung der Embryonalentwicklung. So konnte nachge
wiesen werden,
dass Bicoid und Nanos wichtige Signalmoleküle
sind, die den Fliegenembryo in verschiedene Bereiche einteilen. Eine hohe
Konzentration Bicoid am vorderen Pol des Fliegeneies (violett) bewirkt,
dass dort Gene aktiviert werden, die zur Bildung des Kopfs und des Thorax
führen. Nanos (grün) aktiviert am hinteren Pol die Gene des
Hinterleibs.
Ein weiterer Forschungsbereich an Drosophila
ist die Erforschung der Augenentwicklung. Das an Drosophila
gefundene Gen pax6 ist in allen Tierstämmen,
bei Wirbeltieren wie dem Menschen, bei Insekten, bei Schnecken, Kraken
und Würmern – obwohl die Augen bei allen sehr verschieden gebaut sind –,
entscheidend an der Augenentwicklung beteiligt.
Man hat lange angenommen, dass sich die Komplexaugen von Insekten, die
Becheraugen von Schnecken und die Kameraaugen der Wirbeltiere während
der Evolution unabhängig voneinander entwickelt haben. Die Tatsache,
dass man das pax6-Gen einer Maus einer Fruchtfliege
einschleust und dieses Gen bei der Fliege völlig normale Augen ausbildet,
deutet darauf hin, dass alle Augenformen einen gemeinsamen Ursprung haben.
Die genetische Entschlüsselung
der Fruchtfliege wurde im März 2000 veröffentlicht. Seither
ist bekannt, dass sich 60 % ihrer Erbsubstanz beim Menschen wiederfinden.
Von 289 Genen, die Krankheiten beim Menschen verursachen können,
gibt es 177 entsprechende Varianten bei der Fliege. Bestimmte Krankheiten
oder embryonale Fehlentwicklungen lassen sich daher gut an der Fliege
studieren.