Werdegang
ERICH VON HOLST wurde am 28. November 1908 im lettischen Riga als Sohn eines
Nervenarztes geboren. Nach seiner Schulzeit in Danzig (heute: Gdansk) studierte
er Biologie in Kiel, Wien und Berlin. Nach seiner Promotion im Jahr 1932
trat VON HOLST diverse Assistentenstellen an, darunter in Frankfurt, an
der Zoologischen Station in Neapel und in Berlin. Seine Habilitation über
Rückenmarksphysiologie schrieb er 1938 in Göttingen. Der erfolgreiche
Dozent verließ 1946 die niedersächsische Stadt und wechselt als
Professor nach Heidelberg. Zwei Jahre später wurde er Abteilungsleiter
in Wilhelmshaven, wo er das Max-Planck-Institut
(MPI) für Meeresbiologie gründete. Den Posten des Direktors übernahm
er 1954. Das MPI wurde umbenannt in Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie.
Zusammen mit KONRAD LORENZ (1903–1989) wurde er im Jahr 1957 der Direktor
des neu gegründeten MPI Seewiesen am Starnberger See bei München.
Dort arbeitete er bis zu seinem Tod. Im Alter von nur 54 Jahren starb ERICH
VON HOLST am 26. Mai 1962.
Wissenschaftliche Leistungen
ERICH VON HOLST gilt als der Entdecker des adäquaten Reizes der Schwererezeptoren.
In seinen zahlreichen Versuchen untersuchte er die spontane Erregungsbildung
und die funktionelle Autonomie des Zentralen
Nervensystems von Wirbeltieren. Nachdem er den sogenannten "Kettenreflex"
bei Regenwürmern beobachtet hatte, führte er weitergehende und
erfolgreiche Versuche an Aalen durch: Obwohl er ihnen die Medulla
oblongata (der Teil des Hirnstamms, der zwischen Rückenmark
und der Brücke (Pons) liegt) ebenso wie sämtliche dorsalen sensiblen
Rückenmarkswurzeln durchtrennte, bewegten sich die Aale wie gehabt
schlängelnd. VON HOLST hatte damit nachgewiesen, dass das Rückenmark
endogene, d .h. reizunabhängige Impulse
aussendet, die bewirken, dass der Aal sich auf seine natürliche Art
fortbewegt. In zahlreichen weiteren Versuchen untermauerte VON HOLST die
endogene, koordinierte Erregungsbildung
im Zentralen Nervensystem.
Gemeinsam mit H. MITTELSTAEDT formulierte VON HOLST das Reafferenzprinzip (1950). Nachdem VON HOLST u. a. das Muskel-Spindel-System (1956) als Folgeregelkreis erkannt hatte und ab 1957 über optische Täuschungen und Konstanzphänomene geforscht hatte, beschäftigte er sich verstärkt mit den Folgen von Hirnreizungen. So nahm er die Versuche von HESS mit Katzen als Grundlage, um bewegliche Silberdrahtelektroden von 0,2 mm Durchmesser in Hühnergehirne zu implantieren. Das ermöglichte, unterschiedliche Punkte im Stammhirn zu reizen, VON HOLST setzte Elektroden mit 0,3 bis 2 Volt ein und machte vier bedeutungsvolle Beobachtungen:
VON HOLST gelang mit diesen Versuchen der Nachweis, dass für jede Instinkthandlung im Zentralen Nervensystem spezielle Erregungen gebildet werden, die durch eine Blockade daran gehindert werden, ununterbrochen abzulaufen. In weiteren Versuchen konnte nachgewiesen werden, dass diese Blockaden durch direkte Hirnreizungen beseitigt werden.
Darüber hinaus arbeitete er über die relative Koordination, schrieb über den Vogelflug und die Statolithenfunktion. Deren Analyse trieb er mithilfe konstruierter Funktionsmodelle (Libellenflug, Flugsaurier) voran.