


Nervenzellen (Neuronen) sind für die Prozesse der Informationsübertragung und Informationsverarbeitung spezialisierte Zellen. Während Stoffwechselvorgänge im Zellkörper (Soma) speziell in den Mitochondrien ablaufen, dienen die Fortsätze der Erregungsleitung. Über Dendrite werden Erregungen zugeführt, Neurite (Axone) sichern die Erregungsweiterleitung.
Neurite, die die Erregung von den Sinnesorganen zum Rückenmark und
Gehirn leiten, sind sensible oder afferente
Neurite. Solche Neurite, die die Erregung vom Gehirn und Rückenmark
an die Muskeln leiten, sind motorische oder efferente
Neurite. Die seitlichen Verzweigungen des Neuriten werden als Kollaterale
bezeichnet.
Verbindungen zwischen den Nervenzellen untereinander und zu anderen Zellen
(z. B. Muskelzellen) werden über Synapsen,
bläschenförmige Erweiterungen an den Enden der Neuriten und
Dendriten, hergestellt. In den Synapsen findet die Erregungsübertragung
zwischen zwei Zellen statt.
Viele Neurite sind von einer Markscheide
(lipid- und eiweißreiche Myelinhülle), umgeben, die aus den
schwannschen Zellen gebildet wird.
Die Markscheide wirkt wie die Isolation eines Kabels und wird in Abständen
von etwa 1 bis 2 mm durch die ranvierschen
Schnürringe unterbrochen. Sie spielen bei der Erregungsleitung
eine wesentliche Rolle.
LOUIS ANTE RANVIER (1835-1922) war als Histologe in Paris an der
Entdeckung der kontinuierlich auftretenden Einschnürungen der Markscheide
beteiligt, daher die Bezeichnung ranvierscher Schnürring. THEODOR
SCHWANN (1810-1882) untersuchte tierische Zellen. Er entdeckte u.a.
Zellen, die die Markscheide ausbilden (schwannsche Zellen).
In den Muskelzellen werden die Erregungen der Neuronen in Bewegung umgesetzt.
Man unterscheidet glatte Muskelzellen, quer gestreifte Muskelzellen und
die Herzmuskelzellen.
Glatte Muskelzellen sind lang gestreckte spindelförmige Zellen mit einer durchschnittlichen Länge von 0,05 bis 0,2 mm. Sie haben einen Zellkern und wenig strukturiertes Cytoplasma, das bei Muskelzellen als Sarkoplasma bezeichnet wird. Im Sarkoplasma befinden sich kontraktionsfähige parallel verlaufende fädige Strukturen, die Myofibrillen. Glatte Muskelzellen bilden die Muskulatur der inneren Organe von Wirbeltieren und die "Haltemuskulatur" bei einigen Wirbellosen (z. B. Schalenschließmuskel der Muschel). Sie entwickeln einen guten Muskeltonus (Daueranspannung) ohne größeren Energieverbrauch.
Quer gestreifte
Muskelzellen bilden bei Wirbeltieren und Arthropoden die Skelettmuskulatur
und kommen auch im Schirmrand von Quallen und im Schlundkopf der Gliederwürmer
vor. Sie enthalten mehrere Zellkerne. Im Zellplasma (Sarkoplasma) befinden
sich als kontraktile Elemente einige 100 Myofibrillen. Die kleinste Einheit
einer Myofibrille ist ein ca. 2 mm langer Sarkomer,
der beidseitig von der Z-Membran begrenzt ist. Im Lichtmikroskop kann
man helle und dunkle Bänder unterscheiden, die durch die parallele
Lage der Myofibrillen zustande kommen.
Die gesamte Muskelfaser ist
von einem weitverzweigten Röhrensystem, dem sarkoplasmatischen
Retikulum und dem T-System (transversales
System, Einstülpungen der Zellmembran) durchzogen. Es ist für
die Erregungsübertragung und die
-Speicherung
und
-Freisetzung
wichtig. Quer gestreifte Muskeln kontrahieren schnell, sie werden vom
ZNS über die motorischen Endplatten innerviert.
Herzmuskelzellen ähneln in ihrem
Aufbau den quer gestreiften Muskelzellen. Sie bilden ein Netzwerk, und
nur die Glanzstreifen deuten den zellulären Aufbau an. Die ständig
arbeitenden Herzmuskelzellen haben einen hohen Sarkoplasmaanteil. Herzmuskelzellen
werden über Erregungsbildungszentren des Herzens in ihrer Funktion
koordiniert und durch das vegetative Nervensystem beeinflusst.
Werden diese speziellen, erregbaren Zellen gereizt, so verändert
sich ihr Ruhepotenzial. In den Nerven- und Muskelzellen entsteht das Aktionspotenzial
und in den Rezeptorzellen das Rezeptorpotenzial.
Das Aktionspotenzial
(AP) ist durch eine sehr schnelle Depolarisation der Membran gekennzeichnet,
bei der ein Ladungsüberschuss von +30 mV auf der Membraninnenseite
gemessen werden kann. Im Anschluss kommt es zu einer raschen Repolarisation.
Diese Potenzialänderungen werden durch die spannungsabhängigen
Ionenkanäle (elektrogene Pumpen) möglich. Bei Depolarisation
der Membran über einen bestimmten Wert (Schwellenwert) öffnen
sich die
-Kanäle.
können
die Membran passieren, wodurch die positive Ladung der Membranaußenseite
geringer wird. Das führt zur Öffnung weiterer
-Kanäle
und zur explosionsartigen Veränderung der Spannungsverhältnisse
an der Membran. Die Außenseite ist jetzt negativer als die Innenseite
geladen. Nun schließen sich die
-Kanäle
und die
-Kanäle
öffnen sich.
werden aus der Zelle transportiert, bis das Ruhepotenzial wieder erreicht
ist (Repolarisation). Während der Repolarisationsphase sind die Nerven-
und Muskelzellen nicht wieder erregbar, sie befinden sich in der Refraktärphase.
Die Zeitdauer des Aktionspotenzials variiert in den erregbaren Zellen.
Sie ist an Axonen am kürzesten (1 bis 2 ms) und an Herzmuskelzellen
am längsten (bis 200 ms).
Aktionspotenziale (AP) folgen der Alles- oder Nichtsregel, d. h., ist
das Schwellenpotenzial überschritten, haben sie - unabhängig
von der Reizstärke - dieselbe Größe. Die Information
über die Reizstärke wird durch die Frequenz der aufeinanderfolgenden AP codiert.
Während Nerven und Muskeln durch Depolarisation
benachbarter Zellen und im Experiment durch elektrische Reizung erregt
werden, nehmen Rezeptorzellen die Reize der Umwelt (z. B. optischer Reiz,
akustischer Reiz, mechanischer Reiz, chemischer Reiz) auf, reagieren mit
Potenzialänderungen (Rezeptorpotenzial) und bewirken das Aktionspotenzial
in den anschließenden erregungsleitenden Nervenfasern.
Das Rezeptorpotenzial ist von der Reizstärke abhängig, je stärker
der Reiz, umso höher ist die Amplitude der De- bzw. Hyperpolarisation
in den Rezeptorzellen. Eine Hyperpolarisation liegt vor, wenn eine Verstärkung
des negativen Spannungsbereiches über den Wert des Ruhepotenzials
hinaus geht.
Die meisten Rezeptoren reagieren mit einer Depolarisation, d. h., mit
einer erhöhten
-Permeabilität
der gereizten Membran, die in der gesamten Zelle noch verstärkt wird.
Bei adäquaten Reizen genügt schon eine geringe Reizstärke,
um diese Reaktion auszulösen.
Lichtsinneszellen reagieren
bei Belichtung mit Hyperpolarisation, d. h., die
-Permeabilität
verringert sich bei Reizung. Diese ersten Umwandlungen des Reizes in einen
zelleigenen Prozess (Membranpotenzialänderungen) bezeichnet man als
Transduktion.
Das Rezeptorpotenzial löst an den erregungsleitenden Nervenfasern,
die mit der Rezeptorzelle in Verbindung stehen, ein Aktionspotenzial aus.
Diesen Vorgang bezeichnet man als Transformation
des Rezeptorpotenzials. Die Frequenz der Aktionspotenziale ist von der
Amplitude des Rezeptorpotenzials abhängig.