

Wenn man Chloroplasten mithilfe des Elektronenmikroskops betrachtet, bekommt
man Einsichten in die Feinstruktur dieser Zellorganellen.
Chloroplasten sind von einer
Doppelmembran umgeben, die sie vom umgebenden Cytoplasma der Zelle
abgrenzt. Zwischen den beiden Membranen befindet sich ein schmaler Intermembranraum.
Die innere der Membranen ist an einigen Stellen in das Chloroplasteninnere
eingestülpt und bildet dadurch die sogenannten Matrixthylakoide.
Chloroplasten sind mit einer Grundsubstanz (Stroma)
ausgefüllt, die Enzyme, ringförmige DNA, Ribosomen und Assimilationsstärke
enthält. Außerdem finden im pigmentlosen Stroma die lichtunabhängigen
Reaktionen des CALVIN-Zyklus statt. Dazu sind im Stroma zur Oberflächenvergrößerung
weitere Membransysteme angeordnet, die im elektronenmikroskopischen Bild
als dunkle Linien sichtbar sind. Dabei schließen immer zwei Membranen
einen scheibenförmigen Hohlraum ein, den man als Thylakoid
bezeichnet. Geldrollenartige Stapelungen der Thylakoide werden als Grana-
("Körner"; Singular Granum), einfache Lamellen
im Bereich des Stromas als Stromathylakoide
bezeichnet. Zusammen bilden sie ein lamellenartiges System innerhalb des
Chloroplasten. Die einzelnen Thylakoide eines Granums stehen mit anderen
Grana über Fortsätze im Stroma in Verbindung. Auch dieses Membransystem
sind Einstülpungen der inneren Chloroplastenmembran, jedoch wurden
sie im Laufe des Wachstums abgetrennt und erscheinen somit losgelöst.
Die molekulare Struktur der Thylakoidmembranen konnte durch Gefrierbruch
und Gefrierätzung aufgeklärt werden.
Durch die Gefrierätztechnik
können mithilfe des Elektronenmikroskops plastische Bilder hergestellt
werden. Dabei wird das Objekt bzw. die Zelle bei -196 °C tiefgefroren.
Durch das sehr schnelle Abkühlen (20 °C pro Millisekunde) wird
die Bildung von Eiskristallen, welche die Feinstruktur zerstören
können, verhindert. Mit einem abgekühlten Messer wird anschließend
die Zelle aufgebrochen (Gefrierbruch),
sodass sich eine Bruchkante an der Membranoberfläche, beispielsweise
an Chloroplasten oder am Zellkern bildet. Danach lässt man das Eis
sublimieren, d. h. unmittelbar vom festen in den gasförmigen Aggregatzustand
übergehen, ohne die Stufe des flüssigen Aggregatzustands zu
durchlaufen, um die Strukturen sichtbar zu machen (Gefrierätzung).
Im Anschluss erfolgt ein Aufdampfen des Objekts mit Platin-Kohledampf.
Diese Metallschicht wird dann isoliert, indem die organischen Substanzen
mit Säuren aufgelöst werden. Unter dem Elektronenmikroskop werden
dann die Oberflächen biologischer Strukturen betrachtet.
Der so erforschte Feinbau der Thylakoidmembran entspricht abgesehen von den Strukturbesonderheiten im Wesentlichen dem der Biomembran. Auf der Lipiddoppelschicht sind Proteine auf- und eingelagert. Die Proteine bilden Komplexe mit Pigmenten (Chlorophylle, Carotinoide), die für den Ablauf der lichtabhängigen Reaktionen verantwortlich sind. Bei den eingelagerten Komplexen handelt es sich um Fotosystem I und II sowie Cytochromkomplexe, als Enzyme sind NADP+-Reduktase und ATP-Synthase in der Membran lokalisiert. Des Weiteren sind Moleküle wie Plastochinon und Plastocyanin, die für den Elektronentransport von Bedeutung sind, angelagert.
Zwischen Stroma- und Granathylakoiden gibt es Unterschiede. So enthalten
Stromathylakoide vor allem das Fotosystem I und die ATP-Synthase, das
Enzym, das für die Bildung von ATP zuständig ist. Im Gegensatz
dazu befindet sich an der Innenseite der Granathylakoide nur das Fotosystem
II. Die Fotosysteme absorbieren durch den Antennenkomplex Lichtenergie,
die die Anregung von Chlorophyllmolekülen in einem Reaktionszentrum
bewirkt. Beide Fotosysteme
sind durch eine Elektronentransportkette miteinander verbunden.