




Feuerökologie (fire ecology) ist die Wissenschaft von der Funktion und den Auswirkungen des Feuers auf Ökosysteme und die Umwelt. Sie tangiert Wissensgebiete wie Ökologie, Forstwissenschaften, Botanik, Zoologie, Bodenkunde und Geologie, Klimatologie und Meteorologie. Da der Mensch bei der Verursachung von Bränden und Feuern eine große Rolle spielt, sind auch die Sozialwissenschaften einschließlich der Anthropologie betroffen.
Natürliche Vegetationsbrände beeinflussen die Vegetation und damit die Entwicklung der Biosphäre und der Atmosphäre der Erde seit langer Zeit, vermutlich seit der Ausbildung der ersten terrestrischen Ökosysteme im ausgehenden Silur und Devon (vor 400 Millionen Jahren). Einen besonders großen Einfluss dürften dabei Meteoriteneinschläge mit anschließenden großen Bränden gehabt haben. Bis heute haben Brände eine nachhaltige Wirkung auf verschiedenste Ökosysteme und einzelne Pflanzen- und Tierarten. Sie ereignen sich in allen Ökosystemen mit Ausnahme der Trocken- und Polarwüsten. Wie andere abiotische Faktoren, z. B. Windwurf, Schneebruch, Erdbeben, Hangabnutzungen, Überflutungen und Steinschlag haben sie einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der terrestrischen Ökosysteme. Bei Bränden werden große Mengen Kohlenstoffdioxid freigesetzt, doch bei der anschließenden Regeneration der verbrannten Phytomasse kommt es meistens zu einem besonders intensiven Wachstum und so wird der Verlust an emittiertem biosphärischem Kohlenstoff relativ rasch wieder ausgeglichen.
Lange Zeit wurden Brände nur als große Gefahr für Ökosysteme
gesehen und intensiv bekämpft. Diese über Jahrzehnte verfolgte
Feuerausschlusspolitik führte z. B. im nordamerikanischen Yellow Stone
Park dazu, dass es im Spätsommer 1988 zu einer Brandkatastrophe
kam, bei der mehr als 570 Tausend Hektar Wald - vorwiegend von Drehkiefern
bestanden - zerstört wurden. Drehkiefern sind Pyrophyten, d.h.
Pflanzen die in ihrem Lebenszyklus auf periodische Feuer angewiesen sind.
Die Zapfen dieser Kiefernart öffnen sich nur bei großer Hitze,
wie sie bei Waldbränden entsteht. So kann eine Naturverjüngung
nur nach einem Waldbrand stattfinden. Wenn Waldbrände gezielt verhindert
werden, führt dies zu einer Überalterung der Bestände und
zu einer Anhäufung von brennfähigen Material, dies löste
1988 die Brandkatastrophe aus.
Brandrodung spielt bis heute
in tropischen und subtropischen Gebieten eine große Rolle. Man vermutet,
dass diese Umwandlung naturnaher Wälder in Kulturflächen heute
eine Zunahme des Kohlenstoffgehaltes der Atmosphäre um 1 bis 2 Gt
(Giga-Tonnen) pro Jahr ausmacht. Demgegenüber bewirkt die Verbrennung
fossiler Energieträger derzeit jährlich etwa eine Zunahme von
5 bis 6 Gt Kohlenstoff in der Atmosphäre. Eine Zunahme der globalen
Verbrennung von Phytomasse ist mit einer Verdrängung holziger zu
Gunsten krautiger Pflanzen verbunden. Dies kann sich nachhaltig auf den
Wasserhaushalt eines Gebietes sowie auf die Gefährdung durch Bodenerosion
und den Verlust von Nährmineralien auswirken.
In tropischen Regenwäldern der äquatorialen Zonen sind Brände
unter natürlichen Bedingungen ausgesprochen selten. Nach anthropogener
Nutzung und Holzeinschlag kann es aber zu einem langanhaltenden Nettofluss
an Kohlenstoff in die Atmosphäre in solchen Gebieten kommen. In den
Tropen und Subtropen sind vor allem Kiefernwälder typische, vermutlich
anthropogen bedingte, Feuerklimaxgesellschaften. Auch in borealen Nadelwäldern
spielen regelmäßige "Brandkatastrophen" eine wichtige
Rolle für die Vegetationsentwicklung. Durch großflächige
Brände werden solche Waldökosysteme
in ein früheres Sukkzessionsstadium mit oft anderen Arten und geringerer
Biomassedichte zurück versetzt. Das mittlere Feuerintervall in borealen
Wäldern beträgt 100 bis über 300 Jahre.
Auch das mediterrane Zönobiom, mit feuchten Wintern und trockenen
Sommern, das heute weiträumig von immergrünen Buschwald eingenommen
wird, kann als eine Feuerklimaxgesellschaft angesehen werden. Inwieweit
sie anthropogen bedingt ist, lässt sich nicht in jedem Falle sicher
sagen. Viele Gebiete der mediterranen Macchien und Gariguen sowie viele
Kiefernwälder der montanen und submontanen Steilhanglagen in den
Tropen und Subtropen sind sicherlich vom Menschen verursacht. Auch die
Offenwälder und Savannen
Australiens verdanken vermutlich ihren heutigen Aspekt den seit der
Besiedelung durch Menschen (vor ca. 50 000 Jahren) regelmäßig
angelegten Bränden.
In den von Gräsern dominierten Prärien Nordamerikas hat das
jahrzehntelange Ausbleiben der ursprünglich von Menschen ausgelösten
Brände zu einem Rückgang der Artenvielfalt geführt. Hier
wird das Anlegen von Bränden heute als Naturschutzmaßnahme,
zur Erhaltung der Artenvielfalt, eingesetzt.
Pflanzen, die an eine häufige Feuereinwirkung angepasst sind, nennt
man Pyrophyten. Viele dieser Pflanzenarten
können sich nach einem Brand aus unterirdischen Organen regenerieren
oder aus geschützten Knospen wieder austreiben (z. B. Eukalyptus,
Korkeiche, Kiefernarten). Für einige Arten ist Feuer zur Freisetzung
der Samen aus den Zapfen oder holzigen Früchten unerlässlich.
Solche durch regelmäßige Brände begünstigte Pflanzen
finden sich bei den Liliengewächsen, den Süßgräsern,
den Amaryllisgewächsen, den Kieferngewächsen und vor allem bei
den südhemisphärischen Proteaceen. Die Mammutbäume (Sequoiodendron
giganteum) der Sierra Nevada Kaliforniens verdanken ihr hohes Alter
der Widerstandfähigkeit ihres Holzes gegen Pilze, aber auch ihrer
Feuerresistenz. Dafür ist ihre dicke, faserige Borke verantwortlich,
in der Feuer wie in einem Papierstapel erstickt. Im Mittelmeerraum sind
verschiedene Zistrosenarten (Cistus monspeliensis
und Cistus salviaefolius) sowie eine Seidelbastart
(Daphne cnidum) Pionierarten, die nach Bränden
besonders gut regenerieren.