


Entwicklung
des Begriffs
Der Wissenschaftler JUNGIUS soll im 19. Jahrhundert die ersten Überlegungen
zur Isomerie angestellt haben. Der Begriff bedeutet soviel wie "gleiche
Teile".
JUSTUS VON LIEBIG (1803-1873) beschäftigte sich mit der Elementaranalyse von organischen Stoffen und schaffte es, dass sie zur Routineuntersuchung wurde. Dabei stellte er 1823 fest, dass einige Stoffe gleiche Summenformeln aufweisen. So z. B. die Cyansäure (HOCN) und die Knallsäure (HCNO). Diese beiden Verbindungen haben aber trotz gleicher Summenformel unterschiedliche chemische Eigenschaften. LIEBIG formulierte zur Veranschaulichung, dass aus gleichen Buchstaben ebenfalls unterschiedliche Worte gebildet werden können: "Dome – Mode – Odem".
FRIEDRICH WÖHLER (1800-1882) stellte 1828 aus Ammoniumcyanat Harnstoff her und synthetisierte damit eine organische Verbindung aus einer anorganischen. Dass Harnstoff und Ammoniumcyanat die gleiche Summenformel besitzen, also isomer sind, stellte er erst später fest.

Die Begriffe Isomerie und Isomere wurde 1830 von JÖNS
JACOB BERZELIUS (1779-1848) in die Chemie eingeführt. Nach
BERZELIUS sind isomere Stoffe die, "die gleiche Elementaratome,
aber in ungleicher Weise zusammengelegt" enthalten.
Der Begriff Isomerie
Isomere Verbindungen sind Verbindungen mit gleicher Summenformel, also
gleicher atomarer Zusammensetzung, aber unterschiedlicher Struktur. Dadurch
ergeben sich unterschiedliche Eigenschaften der Verbindungen (z. B.
Geruch, Siede- und Schmelztemperatur, chemische Reaktionsfähigkeit).
In der organischen Chemie haben Isomere
die gleiche Summenformel (Bruttoformel), aber unterschiedliche Strukturformeln.
Auch die Benennung der Stoffe ist unterschiedlich.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Isomerien.

Konstitutionsisomere
Konstitutionsisomere
sind Verbindungen mit gleicher Summenformel, aber einer unterschiedlichen
Verknüpfung von Atomgruppen oder Atomen im Molekül.
Die einfachste Form der Bildung von Isomeren ist durch Verzweigung der
Kohlenstoffketten. Die Zahl der möglichen Isomere mit einer Summenformel
wächst mit der Zahl der Atome rasch an. Am Beispiel der Alkane wird
dies deutlich. Methan, Ethan und Propan besitzen keine Isomere, Butan
zwei.
Pentan (
) besitzt drei Isomere, Hexan (
) hat nicht vier, sondern fünf, Heptan (
) besitzt schon neun verschiedene Konstitutionsisomere, und die Anzahl
der möglichen isomeren Verbindungen wächst rasch an, z. B. bei
dem Alkan
Grundsätzlich gilt, dass verzweigte Verbindungen niedrigere Schmelz- und Siedetemperaturen aufweisen als unverzweigte. Das hängt vor allem mit der kleineren Oberfläche und den daraus resultierenden geringeren van-der-Waals-Kräften zusammen.
Eine andere Form der Konstitutionsisomerie besteht darin, dass beispielsweise
funktionelle Gruppen
im Molekül anders angeordnet sind.
Beispiel:
Propan-1-ol: Schmelztemperatur -126,2 °C, Siedetemperatur 97,2 °C
Propan-2-ol: Schmelztemperatur -88,5 °C, Siedetemperatur 82,3 °C

Strukturformel von n-Butan
Auch die Isomeren bei mehrfach substituierten Aromaten sind Konstitutionsisomere. Sie werden aber häufig als Stellungsisomere bezeichnet.

Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, dass sich Mehrfachbindungen
an unterschiedlichen Stellen im Molekül befinden.
Beispiel:

Stereoisomere
Stereoisomere sind Moleküle
mit gleicher Konstitution, aber einer unterschiedlichen räumlichen
Anordnung der Atome.
Es gibt unterschiedliche Formen der Stereoisomerie. Ein Beispiel ist die
optische Isomerie. Zwei Moleküle sind einander spiegelbildlich, die
räumliche Lage der Atome ist bei gleicher Verknüpfung also verschieden.
Beispiel: Milchsäure

Milchsäure kann in einer L-Form (diese dreht polarisiertes Licht
nach links) und in einer spiegelbildlich gleichen D-Form (diese dreht
polarisiertes Licht nach rechts) vorkommen.
Verblüffend ist die unterschiedliche pharmakologische, toxische oder
stoffwechselaktive Wirkung, die besonders bei den spiegelbildlichen Isomeren
(Stereoisomeren) zu beobachten ist.
Alle auf der Erde lebenden Lebewesen bestehen nur aus L-Aminosäuren
und können auch nur L-Formen von organischen Verbindungen verstoffwechseln.
Diese seltsame Eigenschaft ist bis heute unerklärlich. Auch bei Arzneistoffen
sind oft nur bestimmte Isomere wirksam.
Konfigurationsisomerie
Befindet sich in einem Molekül ein Kohlenstoffatom mit vier unter-schiedlichen
Substituenten (asymmetrisches Kohlenstoffatom), können Bild und Spiegelbild
nicht zur Deckung gebracht werden. Solche Verbindungen, die zwei Spiegelbildisomere
bzw. Enantiomere besitzen, nennt man chirale Verbindungen.
Die cis-, trans-Isomerie ist eine Form der Konfigurationsisomerie, die auftritt, wenn an beiden Enden der C=C-Doppelbindung je zwei verschiedene Substituenten gebunden sind. Die größeren Substituenten können entgegengesetzt, trans-, oder auf einer Seite der Doppelbindung, cis-, angeordnet sein.

D-, L-Nomenklatur, FISCHER-Projektion
Die FISCHER-Projektion
ist die Darstellung der räumlichen Struktur tetraedrisch koordinierter
Kohlenstoffatome in der Ebene. Chirale Verbindungen können so eindeutig
als D- oder L-Enantiomer identifiziert
werden. Folgende Regeln wurden von EMIL FISCHER am Glycerinaldehyd
als Stammverbindung für die FISCHER-Projektion aufgestellt:
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Die längste Kohlenstoffkette steht vertikal, das am höchsten oxidierte Kohlenstoffatom steht oben und trägt die Nummer 1. |
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Die beiden horizontalen Bindungen am betrachteten Kohlenstoffatom zeigen aus der Papierebene auf den Betrachter zu, die beiden vertikalen in die Papierebene. |
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Steht die OH-Gruppe am chiralen Kohlenstoffatom rechts, gehört das Molekül in die D-Reihe – steht sie links, gehört es in die L-Reihe. |
Konformationsisomere
Konformationsisomere
sind Isomere, die durch Rotationen um die C-C-Einfachbindung entstehen.
Sie sind normalerweise nicht zu unterscheiden, da diese Rotation ständig
und mit hoher Geschwindigkeit stattfindet. Betrachtet wird die Stellung
von je einem Substituenten an zwei benachbarten C-Atomen. Sind
die Substituenten sehr groß, wird die Rotation behindert, sodass
einzelne Zustände experimentell nachweisbar sind.
Zu den Konformationsisomeren zählt man aber auch die einzelnen Zustände des Cyclohexanrings, die durch das sogenannte Durchschwingen entstehen (Sessel – Wanne – Sessel). Zu beachten ist dabei, dass bei diesem "Durchschwingen" äquatoriale (e) und axiale (a) Substituenten die Plätze tauschen.

Konformationsisomere lassen sich auch anschaulich in der Sägebockschreibweise darstellen:
![]() gestaffelt, anti |
![]() verdeckt (eclipsed) |