



Mais gehört wie Zuckerrohr, verschiedene Hirsearten, einige Fuchsschwanz-
und Gänsefußgewächse zu den sogenannten C4-Pflanzen
und Weizen zur Gruppe der C3-Pflanzen.
Die Begriffe werden vom ersten stabilen Produkt nach der Kohlenstoffdioxidfixierung
abgeleitet. Bei den C3-Pflanzen, wozu der größte Anteil der
Pflanzen gehört, wird Kohlenstoffdioxid im CALVIN-Zyklus an den Akzeptor
Ribulose-1,5-diphosphat gebunden. Die dabei entstehende instabile Zwischenverbindung
zerfällt sofort in das erste stabile Produkt Glycerinsäure-3-phosphat,
ein Molekül mit 3 Kohlenstoffatomen. Im Gegensatz zu den C3-Pflanzen
wird bei den C4-Pflanzen Kohlenstoffdioxid zunächst an den Akzeptor
Phosphoenolpyruvat (PEP) gebunden und es entsteht als erste Verbindung
Oxalessigsäure, eine Dicarbonsäure mit 4 Kohlenstoffatomen im
Molekül.
C4-Pflanzen besitzen zwischen oberer und unterer Epidermis Mesophyllzellen, bei denen die typische Differenzierung in Schwamm- und Palisadengewebe nicht erkennbar ist. Weiterhin sind die Leitbündel von einer zusätzlichen Leitbündelscheide umgeben. Die Chloroplasten von Mesophyllzellen und Zellen der Leitbündelscheide unterscheiden sich in ihrem Aufbau (Chloroplastendimorphismus). Chloroplasten der Leitbündelscheidezellen enthalten große Stärkekörner und im Vergleich viel Stromathylakoide gegenüber einem geringen (z. T. sogar fehlenden) Anteil an Granathylakoiden. In diesen Thylakoiden ist das Fotosystem II nur durch eine geringe Aktivität gekennzeichnet. Die Chloroplasten der Mesophyllzellen entsprechen dagegen dem normalen Aufbau.
C4-Pflanzen wachsen im Vergleich
zu den C3-Pflanzen bei sonnigen und trockenen Umweltbedingungen u. a.
deswegen besser, weil das Kohlenstoffdioxid besonders wirksam gebunden
wird. Das Enzym Phosphoenolpyruvat-Carboxylase, das die Kohlenstoffdioxidfixierung
an den Akzeptor (hier Phosphoenolpyruvat, PEP, anstatt Ribulose-1,5-diphosphat)
katalysiert, arbeitet auch bei außerordentlich niedrigen Kohlenstoffdioxidkonzentrationen
effektiv (0,0001 Vol.-% im Vergleich zu C3-Pflanzen 0,005 Vol.-%) und somit
ist für die Fotosyntheseleistung der Kohlenstoffdioxid-Anteil der
Luft kein begrenzender Faktor mehr.
Die chemischen Vorgänge laufen bei den meisten C4-Pflanzen nach folgendem
Schema ab:
Kohlenstoffdioxid kann so bei günstigen Umweltbedingungen in Form
der organischen Verbindungen in den Leitbündelscheidenzellen angereichert
werden. Bei ungünstigen Umweltfaktoren (z. B. hohe Temperaturen)
entsteht aus diesen organischen Stoffen wieder Kohlenstoffdioxid und so
kann der CALVIN-Zyklus ablaufen. Der Nachteil ist der Energieverbrauch
(ATP-Verbrauch) bei der Wiederherstellung des Akzeptors PEP. C4-Pflanzen
verwerten insgesamt die organischen Stoffe (Assimilate) und das Transpirationswasser
besser. So verbrauchen C4-Pflanzen je Gramm gebildeter Trockenmasse 300 g
Wasser und C3-Pflanzen 610 g Wasser.
Neben den C4-Pflanzen gehören CAM-Pflanzen
ebenfalls zu den Fotosynthesespezialisten.
Der Engländer HEYNE zerbiss im Jahr 1815 am Morgen und am Abend
desselben Tags ein paar Blätter einer Zimmerpflanze namens Brutblatt
(Bryophyllum),
einer Sukkulente. Sukkulente Pflanzen sind Pflanzen,
deren Blätter oder Sprossachsen fleischig verdickt sind, wie beispielsweise
bei vielen Kakteen. Er stellte dabei fest, dass sie morgens sehr sauer,
abends dagegen kaum säuerlich schmeckte.
Bei der Untersuchung des Brutblatts und anderer sukkulenter Arten, die
z. B. zu den Kakteengewächsen (Cactaceae)
und Dickblattgewächsen (Crassulaceae)
gehören, fand man heraus, dass der Gehalt an organischen Säuren
in den chlorophyllhaltigen Teilen sukkulenter Pflanzen zwischen Tag und
Nacht ständig wechselt. Man bezeichnet dies als diurnalen
Säurerhythmus und die Pflanzen mit diesen Stoffwechselwegen
nach den Crassulaceae (Dickblattgewächsen)
als Crassulaceae Acid
Metabolism – CAM-Pflanzen (Crassulaceen-Säurestoffwechsel).
Die Pflanzen besiedeln Lebensräume mit hoher Sonneneinstrahlung,
hohen Tagestemperaturen und wenig Wasser. Um Wasserverlust durch Transpiration
zu vermeiden, sind die Spaltöffnungen dieser Pflanzen tagsüber
geschlossen. Erst nachts öffnen sie ihre Spaltöffnungen und
nehmen Kohlenstoffdioxid auf.
Die chemischen Reaktionen der CAM-Pflanzen sind denen der C4-Pflanzen ähnlich:
reduziert und in der großen Vakuole gespeichert, was für
den sauren Geschmack am Morgen sorgt.
Oxalessigsäure, von der im Folgenden Kohlenstoffdioxid wieder abgespalten
wird. Aus der Oxalessigsäure erfolgt durch weitere chemische Reaktionen
eine Regenerierung des Akzeptors PEP über die Brenztraubensäure
(Pyruvat) unter Energieverbrauch.Die CAM-Pflanzen sind in der Lage, ohne Licht das Kohlenstoffdioxid an
PEP zu binden und in Äpfelsäure umzuwandeln. Diese Säure
sammelt sich im Laufe der Nacht an und wird in großen Vakuolen chloroplastenhaltiger
Zellen gespeichert. Dadurch steigt der Säuregehalt des Zellsafts
an, der pH-Wert sinkt und ist morgens niedriger als am Abend: der
saure Geschmack dieser Pflanzen am Morgen beruht auf dem erhöhten
Säuregehalt der Zellen.
Die CAM-Pflanzen sind durch die Möglichkeit der Kohlenstoffdioxidaufnahme und -speicherung an extrem trockene Standorte angepasst. Sie benötigen aber gelegentliche Niederschläge, um ihren Wasserspeicher aufzufüllen. Die Kohlenstoffdioxidaufnahme erfolgt nachts, wenn durch die relativ hohe Luftfeuchtigkeit die Gefahr der erhöhten Wasserdampfabgabe (Transpiration) sehr gering ist. Zusätzlich wird das durch die Zellatmung freigesetzte Kohlenstoffdioxid sofort wieder gebunden. Wenn Spaltöffnungen am Tag wegen der hohen Transpiration bald geschlossen werden, kann die Fotosynthese, durch das in Form der organischen Säuren gespeicherte Kohlenstoffdioxid, immer noch effektiv ablaufen. CAM-Pflanzen benötigen im Vergleich zu den C4-Pflanzen noch weniger Wasser: für die Bildung von 1 g Trockengewicht verbrauchen sie nur 240 g Wasser.
Der Unterschied zwischen C4-Pflanzen und CAM-Pflanzen besteht darin,
dass die Kohlenstoffdioxidfixierung und die Verarbeitung im CALVIN-Zyklus
bei den C4-Pflanzen räumlich getrennt (zwei verschiedene Zelltypen
- Mesophyllzellen und Leitbündelscheidenzellen) und bei den CAM-Pflanzen
zeitlich getrennt abläuft (Wechsel zwischen Tag und Nacht).