
Experimenteller
Nachweis der Genexpression bei Hefepilzen
Experiment 1
Versuchsziel: Halbquantitativer Nachweis
der Vergärbarkeit verschiedener Kohlenhydrate durch Saccharomyces
cerevisiae (Bäckerhefe)
Vorbemerkung: Hefepilze vergären nur diejenigen Kohlenhydrate, die in die Zellen permeieren und dort enzymatisch zerlegt werden können. Bevorzugt sind dies Glucose, Fructose und Saccharose. (Deshalb muss beim Backen von Hefeteig immer eine Prise Zucker dazugegeben werden.) Disacchararide werden im Allgemeinen erst nach vorangegangener Hydrolyse vergoren.
Geräte und Chemikalien:
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Bäckerhefe |
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10 %ige Lösungen von Saccharose,
Maltose, Glucose, Fructose, Galactose, Mannose, Xylose, Arabinose |
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Gärröhrchen nach EINHORN |
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Wärmeschrank |
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Messzylinder |
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Messpipetten (1 ml) |
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Reagenzgläser |
Durchführung: Proben von jeweils 2 g Hefe werden mit 20 ml der zu testenden Zuckerlösung so lange geschüttelt, bis sich eine homogene Suspension bildet. Diese Aufschlämmungen werden in Gärröhrchen nach EINHORN – oder pneumatisches Auffangen als Ersatzlösung – umgefüllt, die 30-60 Minuten im Wärmeschrank bei 35-40 °C inkubiert werden.
Beobachtung: Ablesen der jeweils gebildeten CO2-Menge.
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Kohlenhydrate |
in ml |
| Saccharose Maltose Glucose Fructose Galactose Mannose Xylose Arabinose |
4,5 0 5,5 5,0 0 0 0 0 |
Auswertung: Entsprechend der Vorbemerkung
existiert hinsichtlich der zu erwartenden Experimentalergebnisse eine
Erwartungshaltung. Zu beobachten ist die unterschiedliche Intensität
der Gasentwicklung bei
den einzelnen Mono- bzw. Disaccharidlösungen. Wenn keine Gärröhrchen
nach EINHORN zur Verfügung stehen, können die Hefesuspensionen
auch im 50 ml-Erlenmeyerkolben angesetzt und das Kohlenstoffdioxid kann über
ein Gasableitungsrohr im graduierten Halbmikroreagenzglas pneumatisch
aufgefangen werden.
Eine klare Bevorzugung von Glucose, Fructose und Saccharose ist nachgewiesen
worden. Es werden also die Zucker vergoren, die auch unter natürlichen
Bedingungen als Substrat in Erscheinung treten. Andere Kohlenhydrate würden
unter Umständen nach einer Adaptationszeit durch Aktivierung ruhender
Gene permeiert bzw. enzymatisch zerlegt werden können.
Experiment 2
Versuchsziel: Qualitativer Nachweis
der Induktion der Enzymsynthese am Beispiel der Galactosidase von Saccharomyces
cerevisiae (Bäckerhefe)
Vorbemerkung: Das Experiment
schließt sich inhaltlich nahtlos an das Vorexperiment an. Bis dato
ruhende Gene der Hefepilze sollen aktiviert werden, das heißt die
Zellen stellen ihren Energiestoffwechsel auf ein neues Gärungssubstrat
(hier Galactose) um. Mit diesem sind sie vorher nicht konfrontiert worden,
haben jedoch die "enzymatische Technologie" genetisch abgespeichert.
Durch die Referenz der "nichttrainierten" Hefe wird die Induktion
des GAL-Operons eindrucksvoll nachgewiesen.
Ein Arabinose-Operon wurde bisher nur bei Escherichia
coli nachgewiesen. Die Hefepilze verfügen nicht über
die entsprechenden Synthesewege, um dieses Monosaccharid für den
katabolen Stoffwechsel nutzen zu können, sodass das Ergebnis mit
Nährlösung II dem der Referenzkultur entspricht.
Allgemein werden die Enzyme für den Abbau anderer Kohlenhydrate nur
dann bereitgestellt, wenn extrem niedrige Glucose-Konzentrationen vorliegen
bzw. – wie im Experiment – Glucose völlig fehlt.
Geräte und Chemikalien:
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Bäckerhefe |
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Galactoselösung (10 %ig) |
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Nährlösung I (50 g Galactose, 250 mg Ammoniumphosphat, 250 mg Ammoniumsulfat, in 500 ml Aqua dest.) |
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Nährlösung II (50 g Arabinose, 250 mg Ammoniumphosphat, 250 mg Ammoniumsulfat, in 500 ml Aqua dest.) |
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250 ml Erlenmeyerkolben |
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Belüftungseinrichtung (z. B. Aquarienpumpe mit Schlauch, durchbohrtem Stopfen und Ausströmerstein) |
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temperiertes Wasserbad |
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Wasserstrahlpumpe mit Saugflasche und Filternutsche oder Fritte |
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Gärröhrchen nach EINHORN |
Durchführung:
Beobachtung: Ablesen der jeweils gebildeten

Probe 1: Etwa 3,5 ml
wurden in einer Stunde gebildet.
Probe 2: Es ist keine Gasentwicklung zu beobachten.
Probe 3: Es ist keine Gasentwicklung zu beobachten.
Auswertung:
Interpretation der unterschiedlichen Gärungsaktivität.
Die experimentell nachgewiesene unterschiedliche Gärungsaktivität
der drei Ansätze kann nur damit erklärt werden, dass die 72-stündige Kultivierung in Nährlösung I zu einer Induktion
der Enzymsynthese geführt hat. Die unbehandelte Hefe in Gärröhrchen III kann dagegen das dargebotene Substrat Galactose nicht verwerten. Gärröhrchen II zeigt, dass die Enzyme für einen Arabinoseabbau von Saccharomyces
cerevisiae nicht synthetisiert werden können.
Analyse anhand des OPERON- Modells
nach F. JACOB und J. MONOD
Warum kann die qualitative Bestimmung der Gärungsaktivität beider
Hefesuspensionen auch über den pH-Wert vorgenommen werden?
Da das bei der Gärung frei werdende
teilweise in der wässrigen Lösung des Gärröhrchens
reagiert,

kann die gestiegene Hydronium-Ionen-Konzentration mittels Indikator
(z. B. Bromthymolblau) nachgewiesen und als Indiz für die Gärungsaktivität
der Hefepilze gewertet werden.