
Bierhefe
Nachdem die Beteiligung von Hefepilzen bei der Bierherstellung durch LOUIS
PASTEUR erkannt wurde, ging man daran neue, d. h. neuen Geschmack erzeugende,
und stabilere Hefepilze zu züchten. Noch heute werben einige Brauereien
mit ihrem einzigartigen Biergeschmack, der z. T. sicherlich auch
auf die Verwendung bestimmter Hefestämme zurückzuführen
ist. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Hefepilzen,
die zur Bierherstellung verwendet werden.
Die Hefe zur Herstellung von hellerem Bier (z. B. Pilsener) arbeitet
bei Raumtemperatur, fermentiert sehr schnell und erzeugt einen angenehm
frischen bis fruchtigen Geschmack. Dagegen arbeitet die Hefe zur Herstellung
von dunklem Bier wesentlich langsamer und bei Temperaturen zwischen
0-5 °C. Innerhalb dieser zwei Hauptrichtungen gibt es eine Vielzahl
verschiedener Stämme (z. B. auch zur Herstellung von Hefeweizen-Bier).
Der genaue Hefestamm ist das Geheimnis jeder Brauerei.
Eine etwas andere Form der Bierhefe ist die in Apotheken angebotene. Dabei
handelt es sich um inaktive Hefepilze, die keinerlei fermentative Kraft
mehr besitzen. Sie entstehen als eine Art Abfallprodukt bei der Bierherstellung.
Nach 5 bis 10 erfolgreichen Fermentierungen verliert die Hefe infolge
der zunehmenden Verunreinigungen ihre Aktivität und ist daher nicht
länger zur Bierherstellung geeignet.
Die medizinische Wirkung der Hefe benötigt nicht die lebenden Hefepilze,
sondern wird im Wesentlichen auf deren Inhaltsstoffe (Vitamin B-Komplex
(Vitamine);
Mineralstoffe) zurückgeführt.
100 g Hefe haben ca. 1,43 mg Vitamin B1; 2,31 mg Vitamin B2; 17,4 mg Nicotinamid;
3,46 mg Pantothensäure; 0,81 mg Vitamin B6; 33 mg Biotin; 1,02 mg Folsäure.
Hauptanwendung findet die medizinische Hefe bei Hautkrankheiten
(Akne,
Ekzeme),
Anämien und Eiweißmangel.
In der Naturheilkunde werden bei Vitaminmangel sogar Hefekuren empfohlen.
Da es sich bei dem Begriff Bierhefe nicht um einen geschützten Begriff
handelt, kann auch inaktivierte Bäckerhefe unter dieser Bezeichnung
in den Handel gelangen (z. B. in Drogerien erhältlich).
An dieser Stelle muss allerdings auch erwähnt werden, dass einige
Menschen auf den Genuss von Hefe allergisch reagieren. Wenn nach dem Genuss
von Hefegebäck Magen- und Darmbeschwerden folgen, könnte dies
ein erster Hinweis darauf sein.
Back- bzw. Bäckerhefe
Zum erfolgreichen Gelingen eines Hefekuchens kann man Frischbackhefe
oder Trockenhefe einsetzen. Bei Frischbackhefe
handelt es sich um gepresste Hefecreme. Der Feuchtigkeitsgehalt beträgt
ca. 70 %. Die Lebensdauer bei Lagerung im Kühlschrank erstreckt sich
auf ca. 8 Wochen nach dem Pressvorgang. Trockenhefe wird in einem sehr
aufwendigen, mehrstufigen Trockenverfahren aus Frischhefe hergestellt.
Der Feuchtigkeitsgehalt beträgt nur noch ca. 8 %, weshalb sich die
Hefepilze auch in einer Art Ruhezustand befinden. Trockenhefe ist somit
auch über einen sehr viel längeren Zeitraum ohne Verlust der
resultierenden Backaktivität haltbar. Allerdings muss ihr deshalb
auch während der Teigherstellung mehr Zeit gelassen werden, da die
Aktivität der Hefepilze erst wieder vollständig hergestellt
werden muss.
Für einen erfolgreichen Backvorgang ist es wichtig zu wissen, dass
die Hefe unbedingt Zucker für ihren Stoffwechsel benötigt. Auch
zum Brotbacken wird man deshalb dem Teig immer eine Prise Zucker zusetzen,
ohne dass der Teig bzw. das Brot danach süß schmecken. Das
aus dem Zucker gebildete Kohlenstoffdioxid lässt den Teig aufgehen und
der gebildete Alkohol verflüchtigt sich beim Backen. Ist der Zucker
beim Backen bzw. bei der Teigherstellung verbraucht, dann wird die Stärke
(Mehl) verstoffwechselt.
Die Hefeherstellung erfolgt nach den gleichen Regeln wie die Bauernkunst;
sähen, kultivieren und ernten. Die bevorzugte Nahrung der Hefepilze
ist dabei die Melasse, ein Abfallprodukt der Zuckerherstellung.
Weinhefe
Wer schon einmal die Weinherstellung
aus Traubensaft selbst durchgeführt hat weiß, dass zur erfolgreichen
Vergärung Weinhefe zugesetzt werden muss. Auch ohne den Zusatz von
Weinhefe kann es zur Wein- bzw. Ethanolbildung kommen, da durch die ausufernde
Verbreitung der Hefepilze, diese schon während der Ernte auf den
Trauben sind oder sich während der Saftherstellung hinzugesellen.
(Überreife Trauben können auch an der Rebe platzen, da während
der alkoholischen Gärung auch
Kohlenstoffdioxid gebildet wird.) Allerdings wird der Alkoholgehalt wesentlich
geringer ausfallen.
Außerdem kann es auch zur Essigbildung kommen, da Essigsäurebakterien
ebenfalls eine weite Verbreitung besitzen. (Auch ein Luftabschluss mit
einem Gärröhrchen kann dann nicht vor Essigbildung schützen.)
Eine erfolgreiche Weinherstellung startet daher immer mit dem Abkochen
des Traubensafts zur Inaktivierung der vorhandenen Hefepilze und Bakterien.
Anschließend erfolgt dann eine gezielte Impfung mit hoch spezialisierten
Weinhefesorten. Die zu diesem Zweck kultivierten Hefepilze ergeben während
der Wein- und Branntweinherstellung einen hohen Ethanolgehalt bei der
Vergärung des Zuckers.
Die für die Wissenschaft in heutiger Zeit wichtigste Bedeutung des
Hefepilzes Saccharomyces cerevisiae begründet
sich darauf, dass es der ideale eukaryotische Mikroorganismus für
gentechnologische Studien ist. Die "Genetik der Hefepilze" hat
und wird viel zum Verständnis der komplexen Vorgänge bei der
Vererbung beitragen. Das Genom
des Hefepilzes ist schon seit längerer Zeit bekannt und wird deshalb
als Referenz für die genetischen Sequenzen von menschlichen und anderen
eukaryotischen Genen genutzt.