
Nur homologe
Merkmalsausprägungen können als Argumente für die
Verwandtschaft herangezogen werden. Es ist deshalb wichtig, zu erkennen,
ob es sich um eine homologe oder analoge Merkmalsausprägung handelt.
Analoge Organe sind Organe mit verschiedenem
Grundbauplan, die in Anpassung an gleiche Funktionen Ähnlichkeiten
aufweisen. Die stammesgeschichtliche Entwicklung ähnlicher Formen in
Anpassung an gleiche Funktionen wird als Konvergenz
bezeichnet.
So ähneln sich z. B. die Grabbeine von Maulwurf und Maulwurfsgrille, die Flügel von Insekten und Vögeln, die Strukturen von Sprossdorn, Blattdorn und Stachel, obwohl ihnen verschiedene Baupläne zugrunde liegen. Das Grabbein des Maulwurfs hat z. B. ein knöchernes Innenskelett, das der Maulwurfsgrille ein Außenskelett aus Chitin. Auch die Körperformen von wasserlebenden Wirbeltieren sind konvergente Entwicklungen.
Homologe Organe sind Organe mit gleichem Grundbauplan und gleichem phylogenetischen Ursprung. Sie können in Anpassung an unterschiedliche Funktionen spezifische Veränderungen aufweisen.
Der gleiche Grundaufbau lässt auf eine gemeinsame Abstammung
schließen und wird auf das gleiche, für die verschiedenen Formen
jedoch leicht abgewandelte genetische Programm zurückgeführt.
Die Vordergliedmaßen verschiedener Wirbeltiere, z. B. der Arm des
Menschen, der Vogelflügel, das Grabbein des Maulwurfs und die Flosse
eines Wals mögen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich aussehen.
Ihr anatomischer Grundaufbau ist aber vom Oberarmknochen bis zu den Fingerknochen
gleich.
Da viele Organe im Verlauf der Evolution einen Funktionswechsel durchlaufen haben, können sie sehr unterschiedlich gestaltet sein. Zum Nachweis von Homologien und damit von Abstammungsverhältnissen hat der Zoologe ADOLF REMANE (1898-1976) drei Homologiekriterien vorgeschlagen.
| Die Homologiekriterien sind: | |
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das Kriterium der Lage, |
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das Kriterium der spezifischen Qualität, |
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das Kriterium der Verknüpfung durch Zwischenformen oder der Stetigkeit. |
Das Kriterium der Lage
Zwei Organe sind homolog, wenn sie gleiche Stellen im Gefügesystem
verschiedener Organismen einnehmen.
Demnach sind die Brustflossen der Wale, die Vorderextremitäten der
Wirbeltiere und der Vogelflügel homolog. Ein weiteres Beispiel sind
die Mundwerkzeuge der Insekten.
Das Kriterium der spezifischen Qualität
Komplex gebaute Organe, die während der Phylogenie
die Lage im Gefügesystem verändert haben, können auch dann
homologe Organe sein, wenn sie in zahlreichen Einzelheiten ihres Baus
übereinstimmen.
Je komplexer und ähnlicher zwei vergleichbare Strukturen sind, desto
unwahrscheinlicher ist es, dass sie sich unabhängig voneinander entwickelt
haben.
Nach diesem Kriterium werden beispielsweise die Hautschuppen des Hais
mit den Schneidezähnen der Säugetiere homologisiert.
Das Kriterium der Verknüpfung
durch Zwischenformen oder der Stetigkeit
Einander unähnliche und verschieden gelagerte Organe sind dann homolog,
wenn sie sich durch eine Reihe von Zwischenformen
miteinander verbinden lassen.
Demnach ist der Blutkreislauf zwischen den verschiedenen Wirbeltierklassen
homolog. Zwar ähnelt der Blutkreislauf der Fische dem der Säuger
nur geringfügig, aber deutlich dem der Amphibien, dieser dem der
Reptilien und dieser dem der Säuger. Über diese Zwischenformen
ähneln sich also die Blutkreisläufe der Fische und der Säuger
und alle untereinander.
Teile des primären Kiefergelenks der Knochenfische haben bei den
Säugetieren einen Funktionswechsel erfahren und wurden zu den Gehörknöchelchen.