
Beim
Hungern greift der Körper auf Energiereserven zurück
Oft wird Hunger mit einem leeren Magen gleichgesetzt. Hunger ist jedoch
viel mehr. Er läuft im Körper als außerordentlich komplexes
System von biochemischen Prozessen, physiologischen Erscheinungen, psychischen
Empfindungen und Regelkreisen ab.
Wird einige Zeit nichts gegessen, dann bombardiert das Appetitszentrum im
Hypothalamus (Gehirnteil) ständig das Bewusstsein mit Impulsen, endlich
Nahrung aufzunehmen. Dies resultiert aus der Wahrnehmung und Impulsleitung
von Rezeptoren: Mechanorezeptoren stellen
die Leerkontraktionen des Magens fest und innere Wärmerezeptoren
den Rückgang der Wärmeproduktion. Im Blut sinkt der Glucosegehalt.
Glucoserezeptoren melden den Glucoseabfall
ebenfalls dem Gehirn.
Nun beginnen biochemische Prozesse, den Blutzuckerspiegel
aufrecht zu erhalten, indem Glykogen, ein körpereigenes Kohlenhydrat,
zu Glucose-6-phosphat und Glucose abgebaut wird.
Hat sich der abbaufähige Kohlenhydratanteil in der Leber erschöpft,
stellt der Körper auf Gluconeogenese um. Der lebensnotwendige Glucosespiegel
im Blut wird gehalten, indem Glucose zuerst aus Reservefetten und später
auch aus Eiweißen gewonnen wird. Bei längerem Hungern werden
Depotfette zu Glycerin und Fettsäuren abgebaut, dabei wird das Glycerin
in die Glycolyse und die Fettsäuren über Acetyl-CoA in den Citratzyklus
geschleust. Die Bestandteile der Fette werden über das Oxalat und
Phosphoenolpyruvat in Glucose umgewandelt. Eine lebenserhaltende Maßnahme,
weil damit der Blutzuckerspiegel aufrechterhalten werden kann. Dem Blut
entnehmen alle Organe die Glucose zur Energiegewinnung. Sinkt der Gehalt,
wird vor allem das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt, der Hungernde
wird müde.
Auch über den Citratzyklus können Glycerin und Fettsäuren
in die Atmungskette der Zelle gelangen und direkt der Energiegewinnung
dienen. Beim andauernden Hungern können auch Proteine, vor allem
das Muskeleiweiß, abgebaut werden.
Pyruvat, Acetyl-CoA oder Oxalat sind auch Zwischenprodukte des Eiweißabbaues.
Sie können letztlich über das Phosphoenolpyruvat in Glucose
für das Blut umgebaut werden. Die Abfallstoffe Ammoniak und Kohlenstoffdioxid
gelangen in den Harnstoffzyklus und werden als Harnstoff ausgeschieden.
Durch die Gluconeogenese
sichert sich der Organismus in Notzeiten die Herstellung von Glucose aus
Eiweißen, Fetten oder Glykogen.
Während der Glykolyse und im Citronensäurezyklus werden die
energiereichen Verbindungen ATP und GTP (Adenosin- und Guanosintriphosphat)
gebildet, die für Energie verbrauchende Prozesse bereit gestellt
werden. Aus Fetten und Proteinen entstehen
(Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid) und
(Flavin-Adenin-Dinucleotid), zwei Moleküle, die Protonen gebunden
haben.
Diese Protonen werden in die Atmungskette geschleust und unter Verbrauch
von Sauerstoff durch die innere Membran der Mitochondrien gepumpt. Beim
Zurückströmen entsteht das ATP als Energiequelle für energieverbrauchende
Prozesse.
Die Gluconeogenese verläuft weitgehend als Umkehr der einzelnen Reaktionsschritte
der Glykolyse. Nur einige Schritte sind nicht direkt umkehrbar, sondern
erfordern einige Zwischenschritte als Umwegreaktionen (z. B. erfolgt die
Bildung von Phosphoenolpyruvat anstatt durch direkte Phosphorylierung
über Oxalacetat).