












Der Begriff "Drogenabhängigkeit" wurde 1964 von der Weltgesundheitsorganisation
für alle Arten von Drogensucht und -gewöhnung vorgeschlagen.
Als Drogen wirken können unterschiedliche Stoffe, z. B. Arzneimittel,
sogenannte Genussmittel (z. B. Alkohol, Nikotin, Koffein), Stimulantien (Psychotonika,
z. B. Amphetamine), Rauschgifte (z. B. Opiate, Halluzinogene, Kokain und
die gerauchte Zubereitung Crack) und "Schnüffelstoffe"
(z. B. Lösungsmittel von Farben und Klebstoffen, Ether und Aceton).
Zu den illegalen Drogen gehören aus dieser Aufzählung Stimulanzien
und Rauschgifte.
Rauschdrogen wirken über definierte Rezeptoren bzw. Überträgersubstanzen (Neurotransmitter) im Gehirn. Die Bewusstseinsveränderung kann sich z. B. als körperliches Wohlbefinden (Euphorie) oder als Veränderungen der sensorischen und kognitiven Wahrnehmung, der Wachheit oder des Erinnerungsvermögens äußern. Ebenso werden physiologische Reaktionen beeinflusst (z. B. Appetitsteigerung durch Haschisch). Halluzinogene führen in spezifischer Weise zu tiefgreifenden Veränderungen von Bewusstsein und Wahrnehmung (Halluzination, Sinnestäuschungen) bis hin zu Angst- und Panikattacken, Bedrohungserlebnissen, möglicherweise mit nachfolgender Suizidgefährdung ("Horrortrip" nach Genuss von LSD). Einige Drogen, wie z. B. Kokain, erzeugen ein übersteigertes Ich-Wertgefühl und das Gefühl einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Ähnliche Leistungs- oder Psychostimulanswirkungen (Psychotonika) sind von den Dopingmitteln (Doping, Weckamine) bekannt.
| Illegale Rauschgifte bzw. Rauschdrogen mit einem hohen Potenzial für Sucht oder Abhängigkeit lassen sich z. B. einteilen in: | |
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1.
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"klassische" Drogen natürlicher Herkunft (z. B. Kokain, Koffein, Haschisch, Opium) und |
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2.
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halb- bzw. vollsynthetische Drogen (z. B. Amphetamine, Barbiturate, Crack, Ecstasy, Heroin, Lysergsäurediethylamid [Abk. LSD], Phencyclidin). |
Andere Klassifizierungen
unterscheiden auch nach physikalischen oder chemischen Eigenschaften.
Nach ihrer Wirkung unterscheidet man Euphorika,
die unbegründete Euphoriegefühle (Glücks- und Begeisterungsgefühle)
auslösen, und Halluzinogene, die
Halluzinationen (Wahrnehmungsstörungen, Trugbilder) hervorrufen.
Zu den Euphorika gehören die Opiate (z. B. Opium, Morphium,
Heroin) und Kokain.
Die Einnahme von Drogen hat sehr lange Tradition sowohl bei den Naturvölkern
als auch in den Industriegesellschaften.
Beispiele hierfür sollen bei der Besprechung der einzelnen illegalen
Drogen aufgeführt werden.
Opiate
Während Opium (griech. opion = Mohnsaft)
seit über 6 000 Jahren aus dem Saft der Schlafmohnkapseln gewonnen
wurde, ist Morphium die in modernen Laboratorien extrahierte und angereicherte
Variante. Die hoch konzentrierte Form des Morphiums ist Heroin. Opiate
wurden und werden als "Mohnmilch" getrunken, als Pillen geschluckt,
geraucht und/oder gespritzt. Die körpereigenen (endogenen) Opiate
werden als Opiatpeptide oder Endorphine bezeichnet.

Opiate wirken auf spezifische Rezeptoren der Synapsenmembran und können
so die Bildung eines Opiat-Rezeptor-Akzeptor-Komplexes auslösen.
Sie wirken bereits in sehr geringen Konzentrationen und unterdrücken
den diffusen, dumpfen, mehr chronischen und nicht lokalisierbaren Schmerz.
Daneben reduzieren sie die geistige Aktivität, beseitigen Konflikt-
und Angstgefühle, erhöhen die Stimmungslage, hemmen das Atem-
und Hustenzentrum und führen bei wiederholter Anwendung zu Toleranzentwicklung.
Der Nachweis spezieller Opiat-Rezeptoren im menschlichen Gehirn gelang
1973 mithilfe radiomarkierter Opiate: Die Rezeptoren haben 2 Konformationen,
die Agonisten- (z. B. Morphin und Heroin) mit suchterzeugender Wirkung
und die Antagonistengestalt (z. B. Nalorphin und Naloxon, ebenfalls
Inhibitoren der Adenylat-Cyclase, jedoch ohne die Eigenschaft, eine Neusynthese
dieser Enzymmoleküle anzuregen) ohne suchterzeugende Wirkung.
Beide stehen miteinander im Gleichgewicht. Antagonisten wirken schmerzstillend,
aber nicht suchterzeugend, rufen jedoch Angstzustände (Angst), Aggressionen
und Halluzinationen hervor.
An diesem Beispiel der Opiatwirkung auf die Synapsentätigkeit soll nun ein allgemeines Modell der Veränderung des Transmitterstoffwechsels und der daraus resultierenden psychischen und physischen Veränderungen vorgestellt werden.
Opiat-Antagonisten sind Nalorphin und Naloxon. Sie hemmen die Wirkung
von Opiat-Agonisten an den Opiatrezeptoren im Gehirn und im Rückenmark.
Über die gebildeten Opiat-Rezeptor-Akzeptor-Komplexe wird im ZNS
die Aktivität des Enzyms Adenylat-Cyclase gehemmt und dadurch weniger
cyclisches Adenosin-Monophosphat (cAMP) gebildet. Bei längerer Opiateinwirkung
kompensiert die Zelle diesen Mangel durch die eigene Aktivierung der Adenylat-Cyclase.
Damit ist die Zelle gegenüber Opiaten tolerant geworden. Für
die Beibehaltung der Ausgangseffekte ist dann eine Dosiserhöhung
erforderlich.
Bei Opiatentzug entfällt die Hemmung des Enzyms durch die Opiate,
seine Aktivierung bleibt aber noch bestehen. Als typisches Entzugsmerkmal
tritt eine überschießende Bildung von cAMP auf.
Durch Opiate wird auch die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber
Neurotransmittern beeinflusst. So hemmt Morphin
die Serotoninwirkung auf die Zellen. Auch in dem Fall gleicht der Organismus
den Mangel bzw. Verlust durch Erhöhung der Serotonin-Bindungsstellen
und verstärkte Serotoninbildung aus.
Bei Entzug fällt wiederum die Hemmung der Serotoninwirkung weg, die
zellphysiologischen Veränderungen bleiben aber bestehen und führen
zu typischen Entzugsbeschwerden, z. B. verstärkter Muskelkontraktion
und Krämpfen. Diese werden durch die verstärkte und überdosierte
Abgabe von Serotonin an die Muskelzellen bewirkt. (Serotonin hat vielfältige
Wirkungen. In Lunge und Niere verengt es beispielsweise die Arteriolen,
während sie in der Skelettmuskulatur geweitet werden. Des Weiteren
steuert es beim Menschen den Gemütszustand, Schlafrhythmus, Sexualtrieb
und die Temperatur im Körper.)
Warum besitzen manche Zellen Opiatrezeptoren?
Diese Frage wurde 1975 erfolgreich beantwortet, als die Isolierung opiatartiger
Substanzen aus Schweinegehirnen gelang. Opiatrezeptoren sind beim Menschen
besonders in Bereichen lokalisiert, in denen Schmerz oder Gefühlsregungen
wahrgenommen werden. Deshalb findet man sie vor allem im limbischen System,
Thalamus, Hypothalamus und Corpus striatum sowie in der Formatio reticularis
und der Substantia gelatinosa des Rückenmarks.
Körpereigene Opiate (Endorphine)
werden in Extremsituationen vom Organismus hergestellt und reagieren mit
den Opiatrezeptoren in den Schmerzzentren. Unter extremen Belastungen
des Körpers und damit verstärkter Bildung von Endorphinen werden
euphorische Empfindungen ausgelöst. Die körpereigenen Opiate
(Endorphine) vermindern so das Schmerzempfinden und verschaffen den Betroffenen
Entlastung bei entsprechenden Verletzungen oder Krankheiten.
Heroin
Heroin entsteht durch Acetylierung
aus Morphin. Es wird von Süchtigen meist gespritzt. Aufgrund seiner
guten Fettlöslichkeit kann es leicht die Blut-Hirn-Schranke passieren
und reichert sich dann im Gehirn an. Im Körper wird Heroin wieder
in Morphin umgewandelt. Der rasante Konzentrationsanstieg führt zu
dem sogenannten "Kick", einem Glücksgefühl, das sehr schnell
zu körperlicher Abhängigkeit (Drogenabhängigkeit) führt
(schon 1-2 Spritzen reichen aus, um einen Menschen süchtig zu machen).
Abstinenz führt zu starken Entzugserscheinungen wie Schwindel, Durchfall,
Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit und Schmerzen.
Die Folgen des Heroinmissbrauchs sind vielfältige gesundheitliche
Schäden sowie schwere psychische und soziale Probleme, die vielfach
in die Kriminalität führen (zur Beschaffung der Droge) und nicht
selten durch eine Überdosis Heroin tödlich enden. Der Tod tritt
durch Hirnschwellung, Blutstauungen in der Lunge und Atemstillstand ein.

Kokain
Kokain wird aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen.
Er wächst in Peru, Kolumbien, Ecuador und Bolivien, v. a. in den Anden
und am Amazonasbecken. Er wird heute auch in Indien, Sri Lanka und Java
angebaut. Die bis 5 m hohe Pflanze mit rötlicher Rinde, spatelförmigen,
wechselständigen Blättern kann bis 4-mal im Jahr beerntet werden.
Bei einem Gesamtalkaloidgehalt von 0,5 bis 1,0 % beträgt der Anteil
von Kokain in den südamerikanischen Cocablättern 90 %, in den
Cocablättern aus Südostasien dagegen nur etwa 25 %.
Kokain ist ein suchterzeugendes Rausch- und Betäubungsmittel, das Enthemmung, Euphorie und Halluzinationen hervorruft und das außerdem leistungssteigernd, blutgefäßverengend und auf das menschliche Hungerzentrum betäubend wirkt. Es führt zur verstärkten Adrenalinfreisetzung in den Nervenfasern, zur Sympathikusreizung und Anreicherung von Serotonin in den Gehirnzellen. Übererregbarkeit, Erhöhung der Herzschlagfrequenz, Selbstüberschätzung und Hemmungslosigkeit sind die Folge. Mit der Aufnahme höherer Dosen sind eine Steigerung der Pulsfrequenz, ein Blutdruckanstieg, Erhöhung der Körpertemperatur und eine Erweiterung der Pupillen verbunden; sehr hohe Dosen führen zu Krämpfen und Erregungszuständen, die in Lähmungen übergehen. Regelmäßiger Kokainkonsum führt zu Schlaf- und Appetitlosigkeit und kann neben sozialen und gesundheitlichen Folgen das plötzliche Auftreten psychotischer Verhaltensstörungen und einen Verlust der Persönlichkeit verursachen, da langer Kokain-Missbrauch zur irreversiblen Schädigung der Hirnzellen führt.
Die Wirkungen von Kokain sind seit ca. 5 000 Jahren bekannt. Die ursprünglichste Form der Aufnahme durch südamerikanische Bauern ist das Zerkauen der Cocablätter, wobei das Kokain freigesetzt und dadurch Hunger, Durst und Müdigkeit gedämpft wurden. Die derzeit verbreitetste Einnahmeform des häufig gestreckten Kokains ist das Schnupfen, wobei das Kokain hier in der Salzform (dem Kokainhydrochlorid) rasch durch die Schleimhäute absorbiert und in den Blutstrom aufgenommen wird. Dies kann zu Entzündungen, Perforation oder Geschwürbildung an der Nasenscheidewand führen.
Kokain ist ein Alkaloid, dessen Reindarstellung 1855 gelang. Chemisch
genauer betrachtet handelt es sich um ein Tropanalkaloid, einen Benzolsäureester
des Methyl-Ecgonins. Bei der Herstellung
von Kokain wird durch Extraktion zunächst ein Rohalkaloidgemisch
gewonnen, das durch Hydrolyse auf Ecgonin aufgearbeitet wird. Die Veresterung
mit Methanol und anschließende Benzoylierung liefert Kokain. Bei
Drogentests wird das Kokain-Metabolit Benzoyl-Ecgonin im Urin nachgewiesen.
Wegen seiner wachhaltenden Wirkung wurde Kokain z. T. Getränken und
Medikamenten beigemischt. Aufgrund seiner hohen Toxizität und suchterzeugenden
Wirkung ist der Gebrauch von Kokain als Medikament oder Nahrungsmittel
heute nicht mehr üblich, es dient aber als Modellsubstanz bei der
Entwicklung synthetischer Lokalanästhetika (Arzneimittel, die schmerzunempfindlich
machen). Nach Entfernen des Kokains werden die Blattreste als Geschmacksstoff
für Getränke verwendet.

Im 1. Weltkrieg wurde vielen Soldaten dieses Rauschmittel verabreicht, um ihre Angst vor dem Kampf zu nehmen und die Einsatzbereitschaft zu steigern. In den Jahren um 1920 und 1970 war das Schnupfen von Kokain "schick". Es wurde nicht genügend geahndet und hat seit 1980 wieder gefährliche Bedeutung erhalten.
Crack
Crack ist eine basische Variante des Kokains, d. h. durch Anreicherung
des Kokain-Hydrochlorids mit Alkalien (Mixtur aus Backpulver und Wasser)
entsteht diese gefährliche Droge. Crack wird meist mittels spezieller
Pfeifen geraucht und gelangt so in wenigen Sekunden über die Blut-Hirn-Schranke
in das Zentralnervensystem. Der schnelle, heftige Wirkungseintritt kann
zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zum tödlichen
Kollaps führen (weitere Nebenwirkungen vgl. Kokain). Charakteristisch
für Crack ist die schnell einsetzende starke psychische Abhängigkeit,
d. h. diese Droge besitzt ein hohes Suchtpotenzial. Crack
und Kokain galten früher als harmloser als Heroin, da sie angeblich
keinerlei körperliche Abhängigkeit und damit beim Absetzen auch
keine Entzugserscheinungen auslösen sollten. Nach neueren Untersuchungen
kann diese Annahme nicht mehr bestätigt werden.
Halluzinogene
Halluzinogene sind eine Gruppe von Rauschgiften, die in nicht giftigen
Dosen Veränderungen in der Wahrnehmung, im Bewusstsein und in der
Gemütslage hervorrufen. Sie führen zu visuellen Illusionen und
gefährlichen "Horrortrips", bei denen es aufgrund eines
Kontrollverlusts zu Handlungen mit Fremd- oder Eigengefährdung kommen
kann. Auch nach der letzten Einnahme von Halluzinogenen, die längere
Zeit zurückliegen kann und während der keine Wirkung mehr gespürt
wird, kann es wieder zu Rauschzuständen kommen ("flash backs").
Zu den Halluzinogenen (Halluzinationen auslösenden Stoffen) gehören
Meskalin, Psilocybin und Haschisch mit natürlichem Ursprung sowie
das künstlich hergestellte LSD.
Halluzinogene wirken meist als Agonisten an Rezeptoren und Bindungsstellen für Serotonin im Zentralnervensystem (v. a. Großhirnrinde). Eine Veränderung des Glutamat-Transmittersystems wird als Grundlage drogeninduzierter Halluzinationen diskutiert.
Meskalin ist ein Alkaloid, das aus dem Peyote-Kaktus Mexikos gewonnen wird oder aber synthetisch hergestellt werden kann. Es wurde häufig bei rituellen Treffen der Indianer konsumiert, führte zu Halluzinationen und half damit z. B. grausame Anforderungen zu bestehen. Meskalin, dessen Biosynthese aus Tyrosin über Dopamin erfolgt, wirkt als Teilagonist an Serotoninrezeptor-Kanälen. Außerdem wirkt Meskalin als Glutaminsäure-Agonist in der Großhirnrinde. Als Nebenwirkungen des Meskalin-Genusses werden u. a. Erbrechen, Durchfall sowie eine Blutdrucksteigerung mit erhöhter Herzschlagfrequenz, Muskelverspannungen, Pupillenerweiterung und erhöhte Körpertemperatur beobachtet. In Deutschland wurde Meskalin durch LSD verdrängt.

Psilocybin wird aus den mexikanischen
Pilzen der Gattung Psilocybe gewonnen. Ein weiterer Inhaltsstoff ist Psilocin.
Die Pilze dienten den Indianervölkern als Halluzinogen für Heilerinnen
und wurden bei religiösen Zeremonien konsumiert. Ihre Wirkungen beruhen
auf dem Prinzip einer Pilzvergiftung und gleichen den halluzinogenen Folgen
bei der Einnahme von LSD, sie weisen jedoch eine geringere Intensität
auf. Unter Beachtung einer kurzen Wirkungsdauer und präziser Dosierungskontrolle
findet es Anwendung in der Psychotherapie zur Behandlung von Neurosen.
Weltweit sind etwa 140 Psilocybe-Arten bekannt, davon haben ca. 80 Arten
eine halluzinogene Wirkung. Wichtigster Vertreter ist der "Mexikanische
Zauberpilz" (Psilocybe mexicana). Dieser
wächst in einer Höhe von 1 350-1 700 m. Auch in Europa sind etwa
10 halluzinogene Arten bekannt, z. B. Psilocybe cyanescens,
Psilocybe semilanceata, Psilocybe fimetaria und
Psilocybe pelliculosa.

Cannabis
Cannabisgewächse gehören nach der neueren Systematik zur Familie
der Brennnesselartigen, die die Gattungen Humulus (Hopfen) und Cannabis
(Hanf) umfasst. Cannabis stammt
ursprünglich aus Zentralasien und ist heute über alle gemäßigten
und subtropischen Zonen verbreitet. Die einzige noch lebende Art ist der
Gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa). Eine
als Indischer Hanf (Cannabis sativa ssp. indica)
bezeichnete Unterart dient in erster Linie zur Gewinnung der Rauschdrogen
Haschisch (Hanfharz) und Marihuana (getrocknete Blüten- und Blätterteile),
die geraucht, gegessen oder getrunken werden. Sie erzeugen je nach Zustand
und Persönlichkeit des Konsumenten Apathie, Euphorie, Halluzinationen
oder Erregungszustände. Chronischer Haschischkonsum kann zu psychischer
Abhängigkeit und Persönlichkeitsveränderungen auf der Basis
hirnorganischer Schäden führen. Über das bestehende Verbot
von Haschisch und Marihuana gibt es sehr kontroverse Meinungen. Neuere
Forschungen und Neuauswertungen von 15 Studien mit insgesamt 1188 Teilnehmern
zeigten beispielsweise, dass Marihuana nur marginale Auswirkungen auf
Gedächtnis und Lernvermögen hat.
Der halluzinogen wirksame Inhaltsstoff ist das zu den Cannabinoiden gehörende
Tetrahydrocannabinol
(THC). Der THC-Gehalt ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Außerdem
enthalten die Pflanzen für den charakteristischen Geruch verantwortliche
etherische Öle (Cannabiole) und Alkaloide. Die Cannabinoide wirken
wie Opium über Cannabinoidrezeptoren, die sich besonders in den Basalganglien
(Zentrum für Bewegungsabläufe), im Kleinhirn (Zentrum für
Motorik), in der vorderen Großhirnrinde (Ort von Gedächtnis
und Bewusstsein) und im Hippocampus (Teil des Gefühlszentrums) befinden.
Sie sind über ein inhibitorisches G-Protein an die Adenylat-Cyclase
gekoppelt. Das Vorhandensein der Rezeptoren in diesen Gehirnregionen ist
auf die Anwesenheit körpereigener THC-Substanzen zurückzuführen.
Das körpereigene THC heißt Anandamid, ein Derivat der Arachidonsäure,
einer in den Zellmembranen vorhandenen Fettsäure. Im Tierversuch
lösen Anandamide das gesamte Wirkungsspektrum aus, das auch vom THC
bekannt ist: Anandamide beeinflussen Bewegungskoordination, Emotionen
und Gedächtnisfunktionen. Sie sind also beispielsweise für Gefühle
wie Wohlsein und Zufriedenheit verantwortlich.
Normalerweise können körperfremde Substanzen die Blut-Hirn-Schranke
nicht überwinden, bestimmte Substanzen, die wie THC jedoch fettlöslich
sind, können ohne Weiteres durch die Membranen der Gehirnzellen gelangen.

Die chemische Struktur von THC (Delta-9-Tetrahydrocannabiol) wurde 1964 in Israel entdeckt und kann seit 1967 synthetisch hergestellt werden. THC gehört zu den fett- und nicht wasserlöslichen Substanzen, die keinen Stickstoff enthalten. Geringe Mengen an THC beeinflussen vor allem den Serotonin-Stoffwechsel im Gehirn. Serotonin ist der Transmitter vieler Gehirnzellen, vor allem der des limbischen Systems und des reticulären Systems des Hirnstamms. Bei niedrigen THC-Dosen steigt der Serotonin-Spiegel massiv an, zentralnervöse Vorgänge werden verlangsamt. Der Gesichts- und Hörsinn sind beeinträchtigt, die Assoziationsgeschwindigkeit und das Sprechen verlangsamt, die Konzentrationsfähigkeit gestört. Gleichzeitig werden bestimmte Hirnstrukturen im "Limbischen System" wie das Hungerzentrum zu erhöhter Aktivität angeregt, hieraus resultiert der "Heißhunger" vieler Cannabiskonsumenten. Das Serotonin führt auch zu einer Erweiterung der Gefäße der Bindehaut, sie röten sich infolge der erhöhten Blutzufuhr. Bei dauerhaftem Konsum kann daraus eine chronische Entzündung (Konjunktivitis) entstehen.
THC wird aufgrund seiner hohen Fettlöslichkeit
lange gespeichert. Es löst sich neben dem Gehirn noch in vielen Organen
wie Lunge, Leber oder Nieren. Die Cannabinoide trennen sich sehr langsam
von den Körperfetten, weswegen noch nach Wochen Spuren in Form von
Abbauprodukten (Cannabiol) nachgewiesen werden können.
Problematisch sind die Dosierung der Droge und der hohe Anstieg der Drogenbereitstellung
und Verbreitung (in Deutschland werden etwa 100- 600 t Cannabisprodukte
pro Jahr verbraucht). Zu den Langzeitschäden bei regelmäßigem
Cannabiskonsum gibt es derzeit einige Untersuchungen. Diskutiert werden
vor allem Beeinträchtigungen der Denkleistung sowie des Merk- und
Konzentrationsvermögens.
Haschisch und Marihuana sind die zwei Varianten der Rauschdroge Cannabis. Sie werden aus den Blättern und Blüten der weiblichen Hanf-Pflanzen gewonnen. Aus dem Harz der Pflanzen wird Hanföl hergestellt.
Haschisch (von arab. hai = Gras, Kraut, Haschisch) wird aus dem Harz der Blütensprosse der westasiatischen Hanf-Unterart Cannabis sativa ssp. indica (Indischer Hanf) hergestellt. Im Handel taucht es meist in Form gepresster Harzkugeln oder -platten auf. Die Aufnahme von Haschisch (umgangssprachlich u. a. Hasch, Gras, Dope, Pot, Kif, Shit, Peace) erfolgt meist durch Rauchen, dazu wird die Droge mit Tabak vermischt. Jedoch kann die Substanz auch mit Flüssigkeiten oder Nahrungsmitteln vermischt aufgenommen werden.
Haschisch gilt zwar nicht als Suchtgift, ist aber in vielen Fällen Einstiegsdroge für andere Rauschgifte. Häufiger Genuss kann in eine vor allem psychische Abhängigkeit münden (Haschischismus). Chronischer Missbrauch der Droge führt zu Gehirnschäden, die sich in Form von zum Teil schweren Persönlichkeitsveränderungen äußern (Haschischpsychose mit episodischer Verwirrtheit, Dämmerzuständen und Symptomen der chronischen Schizophrenie). Eine Reihe von Medizinern setzt in jüngster Zeit große Hoffnungen auf die Legalisierung des Einsatzes von Cannabinoiden in der Schmerztherapie, insbesondere bei Tumorpatienten, Multipler Sklerose oder Aids.
Marihuana ist die amerikanische
Anwendungsvariante der Rauschdroge Cannabis und besteht aus dem tabakartig
aufgearbeiteten Gemisch aus den getrockneten, fermentierten und zerkleinerten
Blütentrieben. Es wird in Zigarettenform als "joint" geraucht.
Der Marihuana-Rezeptor ist ein G-Protein, dessen Rezeptorteil den Wirkstoff
des Marihuanas, das Tetrahydrocannabinol, bindet.
LSD
Die Grundlage für LSD (Lysergsäurediethylamid), die Lysergsäure,
wird im Mutterkornpilz,
einem Pilz (Caviceps purpurea), der an Getreideähren
schmarotzt, gebildet. Bei Mutterkornvergiftungen treten Krämpfe,
Durchblutungsstörungen und schwere Verhaltensänderungen auf.
LSD ist ein nicht natürlich auftretendes Derivat der Lysergsäure.
Es gilt als das stärkste und spezifischste der halluzinogenen Rauschgifte.
Die synthetische Herstellung fand vor allem in Hinblick auf die medikamentöse
Behandlung von psychischen Erkrankungen statt, ein erhöhter Missbrauch
war die Folge. 1943 wurde durch Zufall der Einfluss von LSD auf die Veränderung
psychischer Effekte von A. HOFMANN entdeckt. Bereits kleinste Mengen (25-100 mg) reichen aus, um Rauschzustände hervorzurufen, die subjektive
Verzerrungen der Gefühle mit Tendenz zur Offenbarung und Bewusstseinserweiterung
bis zum "horror trip", mit wahnsinnsähnlichen Reaktionen,
auslösen.
Ursache dafür ist die Eigenschaft von LSD,
als Antagonist zum Neurotransmitter Serotonin zu wirken, da es
mit hoher Affinität an Serotoninrezeptor-Kanäle bindet. Dabei
verdrängt LSD Serotonin an den synaptischen Membranen und hebt dessen
Wirkung (Hemmung) auf. Dadurch entstehen übersteigerte Sinneseindrücke.
Bei chronischem Gebrauch von LSD entwickelt sich nach 3-4 Tagen eine Toleranz,
die sich nach Absetzen zurückbildet. Es treten keine physische Drogenabhängigkeit
oder Entzugserscheinungen wie bei vielen anderen Drogen auf. Allerdings
kann es langfristig zu einer Störung psychischer Funktionen (Psychose)
kommen, die einer Schizophrenie ähnlich sind. Außer den nachteiligen
Folgen des Gebrauchs von LSD als Rauschmittel vermutet man auch eine Missbildungen
hervorrufende Wirkung, sodass sich anfängliche Hoffnungen auf therapeutische
Anwendungsmöglichkeiten in der Psychiatrie nicht erfüllt haben.
Ecstasy
In den letzten Jahren wird in Deutschland vor allem von Jugendlichen das
"muntermachende" Mittel Ecstasy
genommen. Ecstasy gehört zu den sogenannten Designerdrogen – Stoffen,
die unter Ableitung von bekannten Rauschmitteln künstlich unter geringem
Kostenaufwand erzeugt werden. Sie haben ähnliche Wirkungen wie die
Ausgangssubstanzen, können jedoch aufgrund der massiven Verunreinigungen
bei der Herstellung lebensgefährlich und in ihren Folgen schwer einzuschätzen
sein.
Ecstasy (umgangssprachlich XTC, Pille, Smiley), 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin,
Abk. MDMA, ist ein Phenylethylaminderivat, das wegen seiner aufputschenden
Wirkung in der Musik-Szene häufig in Gebrauch ist. Es wurde 1914
synthetisiert und dann wegen seiner Nebenwirkungen verboten.
Ecstasy hat pharmakologisch eine große Ähnlichkeit mit z. B.
Amphetamin, Kokain. Es besteht eine chemische Verwandtschaft zum Meskalin.
Ecstasy fördert die Freisetzung von Serotonin (5-HT) und hemmt gleichzeitig
die Rückaufnahme dieser Transmitter aus dem synaptischen Spalt in
die präsynaptischen Strukturen der Nervenzellen. Diese Hemmung erfolgt
wahrscheinlich durch die Zerstörung der verantwortlichen Strukturen,
was indirekt mittels radioaktiver Marker bereits gezeigt werden konnte.
Eine Serotoninfreisetzung versetzt den Körper eigentlich in einen Alarmzustand
und erhöht damit die Leistungsbereitschaft. Müdigkeit, Hunger
und andere Warnsignale sind unterdrückt. Mit der Einnahme von Ecstasy
können die Leistungsgrenzen des Körpers überschritten werden,
natürliche Warnsignale (wie Erschöpfung oder Gliederschmerzen)
werden nicht mehr wahrgenommen. In Folge können im "Tanzrausch"
Flüssigkeitsmangel, Überhitzung und schließlich Herz-Kreislauf-Versagen
auftreten. Die Beeinflussung zentraler Synapsen, besonders im limbischen
System, führt zur zeitlich begrenzten Euphorie und z. T. zu Halluzinationen
und endet schließlich in Depressionen. Um den Depressionen zu entgehen,
wird häufig die Einnahme der Mittel wiederholt. Es entsteht eine
psychische Abhängigkeit und die Gefahr, andere Drogen zusätzlich
zu nehmen oder auf "harte" Drogen umzusteigen.