Bei Tieren und dem Menschen findet die Kopplung des Nerven- und endokrinen Systems auf drei Ebenen statt. Es gibt strukturelle, chemische und funktionelle Beziehungen. Beide Systeme sind Koordinationssysteme, die die Leistungen und das Verhalten des Organismus beeinflussen. Während vom Nervensystem schnelle, lokal meist stark begrenzte, nur kurz anhaltende (solange der Nervenimpuls anhält) Wirkungen ausgehen, beeinflusst das endokrine System langsamer, lokal weniger begrenzt und länger anhaltend.
Strukturelle Beziehungen zwischen Nerven- und endokrinem System bestehen durch die anatomisch enge Verbindung. Außerdem
bestehen viele Hormondrüsen aus Nervengewebe (Teile des Hypothalamus
und der Neurohypophyse (Hypophysenhinterlappen)
und Teile des Insektengehirns) oder haben sich in der Evolution aus Nervengewebe
entwickelt (z. B. Nebennierenmark).
Chemische Beziehungen sind daran zu erkennen, dass Hormone auch als Signalmoleküle
im Nervensystem verwendet werden (z. B. Adrenalin). Funktionelle Beziehungen
werden in dem Zusammenwirken neuronaler und hormoneller Kontrollmechanismen
in vielen physiologischen Prozessen, z. B. bei der Kontrolle der Schilddrüsenfunktion
und bei der Beeinflussung des Verhaltens deutlich. Dabei kommt der Verbindung
zwischen Nervensystem und Adenohypophyse
(Hypophysenvorderlappen) und der Bildung von effektorischen Hormonen und
glandotropen Hormonen durch die Adenohypophyse eine entscheidende Bedeutung
zu.
Während die effektorischen Hormone (wie z. B. Prolactin) direkt auf
die Erfolgsorgane wirken, die Reaktion also selbst auslösen, steuern
die glandotropen Hormone (z. B. Thyreotropin) die Hormonproduktion der
peripheren Körperdrüsen.
Wichtige endokrine Drüsen der
Wirbeltiere sind Adeno-
hypophyse, Neurohypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Pankreas,
Nebennierenmark, Nebennierenrinde, Hoden, Ovarien (Eierstöcke), Zirbeldrüse
und Thymus.
Die Funktion der Adenohypophyse wird über Releasing- (stimulierende)
Hormone oder Inhibiting- (hemmende) Hormone reguliert.
Diese Hormone werden im Hypothalamus
gebildet und über ein Pfortadersystem zur Adenohypophyse transportiert.
Eine anatomische und funktionelle Verbindung von Nerven- und Hormonsystem
besteht auch bei Wirbellosen.
Hormone der Adenohypophyse sind Prolactin (PRL), Wachstumshormon (GH),
Follikelstimulierendes Hormon (FSH), Luteinisierendes Hormon, Thyreotropin
(TSH) und Adrenocorticotropes Hormon (ACTH).