








Zu den Kriechtieren, die auch als Reptilien bezeichnet werden, gehören u.a. Echsen, Schlangen, Schildkröten und Krokodile. Sie kommen vor allem in warmen Gebieten vor, sind aber zum Teil auch bei uns heimisch.
Weltweit gibt es etwa 6550 Kriechtierarten, davon kommen nur ganze 13 Arten in Deutschland vor. Davon sind über 60 % bestandsgefährdet, darunter die Sumpfschildkröte und die Würfelnatter.
Echsen
Zu der Gruppe der Echsen gehören unsere heimischen Eidechsen
und Schleichen.
Echsen haben einen lang gestreckten Körper mit Schwanz und meistens
vier kurze Gliedmaßen. Sie können ihre Augen durch Lider verschließen.
Bei den Schleichen sind die Gliedmaßen zurückgebildet. Echsen
zeigen ein eigenes Beutefangverhalten. Die Beutetiere, z. B. Insekten,
Würmer, Nacktschnecken, werden zunächst mit den Augen wahrgenommen.
Dann beginnen die Echsen zu "züngeln". Die Zunge gleitet
schnell im Maul aus und ein. Dabei werden Geruchsstoffe des Beutetieres
aufgenommen und an ein Riechorgan in der Mundhöhle übertragen.
Im Sprung wird die Beute mit dem Gebiss gepackt und als Ganzes vom Maul
aufgenommen. Sie wird durch Kieferbewegungen zerquetscht und anschließend
verschlungen.
Blindschleiche (bis 45
cm)
Schlangenähnlich, keine Gliedmaßen, lebt an nicht zu trockenen
Plätzen, z. B. an Waldrändern, auf Feldern und Wiesen; bräunlich
gefärbt; nachts und bei großer Hitze verbirgt sie sich unter
Steinen oder in der Erde; gefährdet
Schlangen
Allen Schlangen gemeinsam ist ihr "starrer" Blick. Dieser kommt
dadurch zustande, dass beide Augenlider zu einer durchsichtigen Haut verwachsen
sind. Die Augen können also nicht geschlossen werden.
Schlangen haben einen sehr langen, runden Körper und keine Gliedmaßen.
Bei uns kommen u.a. vor: Ringelnatter,
Kreuzotter und Schlingnatter.Die
meisten Schlangen sind Räuber und jagen lebende Tiere, z. B. Mäuse,
Eidechsen, Fische, Frösche und Vögel.
Die Beute wird durch die Augen und durch den Geruch mit der "züngelnden"
Zunge wahrgenommen. Sie wird entweder lebend gefressen (z. B. Ringelnatter)
oder vor dem Verschlucken durch Umschlingen erdrosselt (z. B. Schlingnatter).
Giftschlangen (z. B. Kreuzotter)
vergiften ihre Beute beim Zupacken, lassen sie dann wieder laufen, finden
das tote Tier durch "Züngeln" und verschlingen es.
Kreuzotter (bis 75 cm)
Besiedelt sonnige und feuchte Plätze wie Heidemoore, Wälder,
Wiesen; x- oder kreuzförmige Zeichnung am hinteren Kopf; dunkles
Zickzackband über dem graubraunen Rücken; rötliche Augen
mit senkrechter Pupille; Giftschlange); stark gefährdet
Schildkröten
Schildkröten haben einen gedrungenen Körper, der von einem schützenden
Knochenpanzer (Rücken- und Bauchschild) umgeben ist. Dieser Panzer
ist im Rückenschild mit der Wirbelsäule verwachsen. Kopf, Gliedmaßen
und Schwanz können durch Öffnungen im Panzer ausgestreckt und
wieder zurückgezogen werden. Die Landschildkröten leben auf
dem Lande. Der Lebensraum der Seeschildkröten ist das Wasser. Die
Sumpfschildkröten
können im Wasser und auf dem Lande leben.
Griechische
Landschildkröte (bis 25 cm)
Bewohnt u.a. Waldränder, Graslandschaften; Rückenpanzer hoch
gewölbt, bräunlich mit dunklen Streifen; Beine "klumpfußartig"
verwachsen, besitzen dicke Schuppen; Nahrung überwiegend pflanzlich
Europäische Sumpfschildkröte
(bis 30 cm)
Scheues Tier; bewohnt dicht bewachsene Gewässer im Tiefland; Rückenpanzer
flach gewölbt, dunkel mit gelben Flecken, Bauchseite weißlich
und dunkel gefleckt.
Finger und Zehen sind durch Schwimmhäute verbunden; ernährt
sich vor allem von Lurchen, Schnecken und Kleinfischen; vom Aussterben
bedroht
Krokodile
Krokodile besitzen einen lang gestreckten Körper mit vier kurzen
Gliedmaßen. Bei den Krokodilen ist der Schwanz als Ruderschwanz
seitlich abgeplattet.
Ihr Lebensraum sind die Flüsse und Seen der Tropen und Subtropen.
Sie gehören zu den größten Kriechtieren, die es gegenwärtig
gibt.
Echte Krokodile, Alligatoren
und Kaimane gehören zur Gruppe
der Krokodile. Sie alle sind Fleischfresser. Sie ernähren sich von
verschiedenen Wirbeltieren, z. B. Wasservögeln, Antilopen und Rindern.
Beim Lauern auf Beute liegen sie reglos am Ufer bzw. im Wasser, nur die
Augen und Nasenlöcher und Ohren schauen aus dem Schlamm bzw. dem
Wasser heraus. Kommt ein Beutetier in die Nähe, wird es mit den Zähnen
gepackt und rückwärtstauchend unter Wasser gezogen. Dabei werden
große Bissen aus dem Tier herausgerissen und verschlungen.
Nilkrokodil (bis 6 m)
Lebt in Flüssen, Seen und Sümpfen Afrikas
Körperbedeckung (Kriechtierhaut)
Der Körper der Echsen und Schlangen ist mit Hornschuppen
bedeckt. Krokodile und Schildkröten besitzen eine Haut aus Hornplatten.
Diese Hornschicht wird von der Oberhaut gebildet. Sie wird fest und hart.
Die Hornschicht schützt den Tierkörper vor Verletzungen und
auch vor Wasserabgabe durch die Haut. Die Tiere können nicht austrocknen.
Selbst der Körper von manchen Kriechtieren, die im sonnendurchglühten
Wüstensand leben (z. B. Wüstengecko), kann so nicht austrocknen.
Kriechtiere sind Trockenlufttiere.
Wenn die Kriechtiere größer werden, kann die feste Hornhaut
nicht mitwachsen. Sie zerreißt. Die alte Hornhaut wird mehrmals
im Jahr in kleinen bis größeren Fetzen, z. B. bei der Eidechse,
oder im Ganzen, z. B. bei den Schlangen, abgestreift. Die neue Haut wurde
unter der alten bereits von der Oberhaut gebildet. Diesen Vorgang des
Abstreifens der alten Hornhaut nennt man Häutung.
Kriechtiere ernähren sich
Ebenso mannigfaltig wie die Gestalt und Lebensweise der Kriechtiere ist
auch ihre Nahrung. Vorwiegend ernähren sie sich von anderen Tieren.
Während sich die Eidechsen von Kleintieren wie Insekten, Spinnen
und Würmern ernähren, machen die Schlangen, z. B. die Ringelnatter,
Jagd auf größere Tiere. Sie hält sich in Wassernähe
auf und erbeutet Frösche und kleine Fische.
Im Gegensatz zur Ringelnatter, die ihre Beute lebend hinunterwürgt,
betäubt die Kreuzotter zunächst ihre Beutetiere, z. B. Mäuse,
Eidechsen, Frösche, durch einen Biss mit ihren Giftzähnen, um
sie dann zu verschlingen.
Schlangen können ihre Beute im Ganzen verschlingen. Sie können ihr Maul vergrößern. Die beiden Hälften ihres Unterkiefers sind durch ein elastisches Band miteinander verbunden. Dadurch können sie auseinanderweichen. Der Unterkiefer ist nicht direkt, sondern durch die Quadratbeine am Schädel befestigt. Diese können sie nach unten klappen und so das Maul weit öffnen. Das Gift von Schlangen wird zur Herstellung von Medikamenten verwendet. In Schlangenfarmen werden Schlangen gehalten. Dort wird ihnen regelmäßig das Gift abgenommen.
Die Sumpf- und Meeresschildkröten ernähren sich vorwiegend von tierischer Nahrung wie Fischen, Schnecken, Fröschen, Krebsen, die Landschildkröten von pflanzlicher Kost. Die Krokodile sind Fleischfresser. Sie schnappen sich Fische, Wasservögel und größere Wirbeltiere, die in ihre Nähe kommen.
Kriechtiere pflanzen sich fort und
entwickeln sich
Die Fortpflanzung und Entwicklung der Kriechtiere erfolgt auf dem Lande.
In der Fortpflanzungszeit paaren sich Männchen und Weibchen. Das
Männchen gibt die Samenzellen in den Körper des Weibchens. Sie
gelangen zu den Eiern. Eine Samenzelle verschmilzt im Körper des
Weibchens mit der Eizelle. Diese Form der Befruchtung wird innere
Befruchtung genannt. Nach der Befruchtung bildet sich bei Eidechsen
und Schlangen um die Eier eine pergamentartige Hülle. Bei den Krokodilen
und Schildkröten erhalten die Eier eine Kalkschale.
Die Weibchen, z. B. bei den Eidechsen, Schildkröten, Krokodilen, legen
die befruchteten Eier auf dem Lande ab, oftmals in ausgescharrten Erdlöchern,
oder wie die Ringelnatter in Dung- und Laubhaufen. Die Eier werden zugedeckt
und sich selbst überlassen. Sie werden von der Sonnenwärme ausgebrütet,
bis nach einigen Wochen die Jungen ausschlüpfen. Die jungen Tiere
sind dann zwar noch sehr klein, sehen aber schon wie die erwachsenen Tiere
aus. Sie machen demnach nicht wie die Lurche eine Metamorphose durch.
Die Jungen sind sofort selbstständig.
Einige Kriechtiere bringen lebende Junge zur Welt, sie sind lebend gebärend. Dazu gehört z. B. die Kreuzotter. Bei ihr erfolgt die Entwicklung im Ei schon im weiblichen Körper. Beim Ablegen der Eier oder kurze Zeit später reißt die dünne Eihülle und das voll entwickelte Jungtier schlüpft heraus.
Die Kriechtiere des Erdmittelalters werden Saurier
genannt. Unter den Landsauriern gab es Pflanzen- und Fleischfresser. Außer
den Landsauriern gab es jedoch auch Fischsaurier, die im Wasser lebten.
Sie hatten flossenähnlich ausgebildete Gliedmaßen.
Reptilien in Deutschland
(Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN), Daten zur Natur 1999)
Lurche und Kriechtiere zählen
zu den besonders stark gefährdeten Tiergruppen in Deutschland. Von
14 heimischen Kriechtierarten stehen 11 auf der Roten
Liste. Ungefährdet sind lediglich
die Waldeidechse und die Blindschleiche, über die Kroatische Gebirgseidechse
weiß man nicht genug, um sie einstufen zu können.
Viele der Reptilienarten sind an spezielle Strukturen und Lebensräume gebunden, die in der heutigen Landschaft selten geworden sind. Sie kommen vorwiegend an trockenwarmen Standorten vor, wie z. B. herausgehobene Sonnenplätze an Gehölzrändern oder aber rohbodenreiches Ödland. Einige Kriechtiere dagegen benötigen intakte Feuchtbiotope. Um sich erfolgreich fortpflanzen zu können, benötigen die Kriechtiere naturnahe Kleingewässer oder aber größere strukturreiche Gewässerkomplexe. Ein weiterer entscheidener Gefährdungsgrund sind fehlende geeignete Überwinterungsmöglichkeiten, wie Höhlen, Tierbauten, Hohlräume, Teiche und Bäche. Bei ihren regelmäßigen Wanderungen zwischen Überwinterungsquartier, Fortpflanzungsort und Sommerquartier sind manche Schlangen und die Sumpfschildkröte durch den Straßenverkehr gefährdet. Bild 11 zeigt die Ursachen, die in erster Linie für den Rückgang der heimischen Reptilienarten verantwortlich ist. Der Gefährdungsstatus wird folgendermaßen kategorisiert und beschrieben:
|
0:
|
ausgestorben oder verschollen |
|
1:
|
vom Aussterben bedroht |
|
2:
|
stark gefährdet |
|
3:
|
gefährdet |
|
D:
|
Daten ungenügend |
Zentrale Rückgangsursache ist - wie in den meisten Fällen gefährdeter Arten - die fortschreitende Biotopzerstörung bzw. eine Verschlechterung der Biotopqualität. Die in Bild 11 genannten Gefährdungsfaktoren wirken sich vor allem auf die Arten mit kleinen Beständen und kleinen isolierten Wohngebieten (Habitaten) aus, wie z. B. bei der Aspisviper, die nur im Süden Deutschlands vorkommt. Aber auch Arten mit einem großen Verbreitungsgrad sind durch den schnellen Landschaftswandel massiv betroffen. Hier kann die Zauneidechse als Beispiel angeführt werden.
Die heimischen Kriechtiere stehen unter Naturschutz.
Verstärkte Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig, um vor
allem die vom Aussterben bedrohten Arten zu retten und die Lebensräume
aller Kriechtiere zu erhalten bzw. die Qualität zu wahren.