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Bei der Verarbeitung oder Lagerung entstehen Farbveränderungen oder Farbverluste. Durch nicht färbende Inhaltsstoffe kann das Lebensmittel beispielsweise schwächer gefärbt sein als es der Konsument erwartet. So ist Milchspeiseeis mit Fruchtgeschmack durch die Milch bzw. Sahne von sich aus sehr hell. Um Blaubeereis richtig blau und Himbeereis richtig rot aussehen zu lassen, werden Farbstoffe zugegeben. |
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Eine pH-Verschiebung bei der Herstellung oder der Lagerung kann eine Farbveränderung verursachen, die das Lebensmittel unansehnlich werden läßt (z. B. Fruchtjoghurt). |
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Bei Lebensmitteln, die an sich farblos oder nur sehr schwach gefärbt sind, wird durch die Färbung der typische Geschmack unterstrichen (z. B. Cola oder Vollkornbrot). |
Farbstoffe, die zur Färbung von Lebensmitteln verwendet werden,
müssen für diesen Zweck zugelassen sein und sind in der Lebensmittelzusatzstoffverordnung
(E-Nummern-Liste,
Bild 3) aufgeführt.
Die eingesetzten Farbstoffe kann man in natürliche, naturidentische
und künstliche Farbstoffe unterteilen.
1. Natürliche Farbstoffe:
Natürliche Farbstoffe
werden aus natürlichen Rohstoffen (tierischem oder pflanzlichem Material)
isoliert.
Isoprenoidderivate:
Isoprenoidfarbstoffe bestehen aus einzelnen Isopren-Einheiten.
Sie sind durch eine lange Kette konjugierter Doppelbindungen gekennzeichnet.
Zu den wichtigsten Isoprenoiden gehören die Carotinoide.
Carotinoide sind im Tier- und Pflanzenreich weitverbreitet. Sie sind
unter anderem in Möhren, Paprika, Tomaten und Orangen, aber auch
in Lachs und Hummerschalen (Lutein) für
die Färbung verantwortlich. Großtechnisch werden sie durch
Extraktion aus Mohrrüben gewonnen.
Der bekannteste Vertreter ist das beta-Carotin
(β-Carotin, Bild 4),
auch Provitamin A genannt. Es wird im Körper zu Vitamin A (Retinol)
umgewandelt, welches am Sehvorgang beteiligt ist.
Tetrapyrrolderivate:
Die Tetrapyrrolderivate, die für die Lebensmittelfärbung von
Bedeutung sind, besitzen ein Porphyrin-Grundgerüst.
Zu den Porphyrinen gehören neben den Chlorophyllen, die in allen
Pflanzen (Fotosynthese) aber auch in Bakterien vorkommen, die Hämfarbstoffe
(Hämoglobin = Farbstoff des Bluts).
Gemeinsam ist allen Porphyrinfarbstoffen ein Metall-Ion als Zentralatom,
Eisen bei den Hämfarbstoffen und Magnesium bei den Chlorophyllen
(Bild 5).
Der grüne Blattfarbstoff Chlorophyll a ist in allen grünen Gemüsen, v. a. in Salat, in
Spinat und Kohl, aber auch in Kartoffeln enthalten. Bei der Lagerung der
Lebensmittel wird das Magnesium-Ion durch Wasserstoff ersetzt, wodurch
eine oliv-bräunliche Farbe entsteht, die das Gemüse unansehnlich
macht. Außerdem ist Chlorophyll a wegen des langkettigen Phytolrests
im Ester nicht wasserlöslich. Daher verwendet man zur Färbung
von Lebensmitteln modifizierte Chlorophylle. Einerseits wird das Magnesium
durch Kupfer ersetzt, das stabilisiert den Komplex und erhält damit
die Farbe der Verbindung. Andererseits verseift man den Ester und spaltet
den Phytolrest ab, sodass die Verbindungen wasserlöslich werden.
Chlorophyll wird aus Luzernen oder Brennnesseln extrahiert und u. a.
zur Färbung von Cremespeisen, Likören, Süßwaren und
Getränken verwendet.
Anthocyane:
Anthocyane sind als Blüten-
und Fruchtfarbstoffe in der Pflanzenwelt weitverbreitet (Bild 6). Ihr
Farbspektrum reicht von Rot über Violett bis Blau. Die große
Variationsbreite der Blütenfärbungen beruht auf der Mischung
verschiedener Anthocyane, der Anwesenheit von unlöslichen Pigmenten
und gelbem Flavon. Zusätzlich spielt der pH-Wert der Zellflüssigkeit
eine Rolle.
Anthocyane bestehen aus einem Benzopyran-Grundkörper, an den eine
Phenylgruppe und mehrere Hydroxy-Gruppen substituiert sind. An einer Hydroxy-Gruppe
ist ein Zucker glycosidisch gebunden. Für die Farbigkeit spielt die
Anwesenheit des Zuckers keine Rolle. Als Farbstoff werden die Aglyca (Moleküle,
bei denen der Zucker fehlt) eingesetzt. Diese Aglyca werden als Anthocyanidine
bezeichnet und gehören zu den Polymethinfarbstoffen. Anthocyane werden
aus blauen Trauben, Kirschen oder Preiselbeeren gewonnen und zur Färbung
von Süßwaren und Getränken eingesetzt.
Betalaine:
Die Betalaine haben alle die
gleiche Grundstruktur. Je nach der Verlängerung des mesomeren Systems
durch die Reste R1 und R2 variieren die Farben von Gelb bis Rot. Der Hauptbestandteil
des Rote-Beete-Farbstoffs ist das Betanin.
Es wird als Extrakt aus den Wurzeln der Roten Beete gewonnen.
Curcuminoide:
Curcuminoide werden aus der
Wurzel von Curcuma longa und
Curcuma xanthorhiza (Gelbwurzel) gewonnen. Das Curcumin
aus dieser Gruppe bildet die gelbe Farbe des Curry, wird aber auch einzeln
als Gewürz verwendet.
Cochenille:
Cochenille ist der einzige
Lebensmittelfarbstoff, der aus tierischem Material gewonnen wird. Er wird
aus Schildläusen extrahiert, stammt aber eigentlich aus dem Saft
des Feigenkaktus, der von den Läusen gesaugt wird. Cochenille gehört
zu den Anthrachinonfarbstoffen und ist wegen der vielen Hydroxy-Gruppen
und dem glycosidisch gebundenen Zucker wasserlöslich. Die Substanz
gibt z. B. dem Campari® seine typische Farbe.
2. Naturidentische Farbstoffe:
Als naturidentische
Farbstoffe bezeichnet man Substanzen, die natürlicherweise in
pflanzlichem oder tierischem Material vorkommen, die aber in der Regel
aus wirtschaftlichen Gründen synthetisch hergestellt werden.
Ein Beispiel für diese Gruppe ist Riboflavin,
ein gelber Farbstoff, der auch als Vitamin B2 bekannt ist. Hefe, Leber,
Milch und Eier sind besonders reich an Riboflavin (Bild 7). Aus Milch
wurde es erstmals isoliert und erhielt den Namen Lactoflavin. Heutzutage
wird Riboflavin synthetisch hergestellt. Als Farbstoff wird es z. B. in
Vanillepudding und Gebäck eingesetzt.
3. Synthetische Farbstoffe:
Die meisten Farbstoffe in der Lebensmittelindustrie sind künstlich
hergestellt und werden daher synthetische
Farbstoffe genannt.
Azofarbstoffe:
Die Azofarbstoffe bilden
die größte Gruppe der synthetischen Farbstoffe. Ihr hauptsächliches
Einsatzgebiet ist die Textilfärbung. Gegen Anfang des 20. Jahrhunderts wurden
sie immer häufiger zur Färbung von Lebensmitteln verwendet.
Denn sie haben gute Färbeeigenschaften und lassen sich gut miteinander
mischen, sodass beinahe jeder Farbton möglich wird. Bereits in den
30er-Jahren stellte man allerdings fest, dass eine große Zahl dieser
Verbindungen gesundheitsschädlich und krebserregend ist. Daher wurde
z. B. der bis dahin zur Färbung von Margarine verwendete Farbstoff
Buttergelb bereits 1938 verboten. Im Lebensmittelbereich werden Azofarbstoffe
daher heute nur noch zurückhaltend eingesetzt. Tartrazin, Gelborange
S sind zugelassene Azofarbstoffe, weil sie wasserlöslich sind und
schnell aus dem Körper ausgeschieden werden.
Triarylmethanfarbstoffe:
Das blaue Patentblau V und das grüne Brillantsäuregrün
AS gehören in die Gruppe der Triarylmethanfarbstoffe.
Sie werden in Süßwaren und Getränken eingesetzt (Bild
8). Da sie vom Körper nicht aufgenommen werden, sondern unverändert
ausgeschieden werden, gelten sie als unproblematisch.
Indigofarbstoffe:
Da Indigo selbst nicht wasserlöslich ist, ist es für die Lebensmittelfärbung
wenig geeignet. Durch die Einführung von Sulfonsäure-Gruppen
erhält man Indigotin,
einen wasserlöslichen blauen Farbstoff (Bild 9). Das Glycosid des
Indigotins kommt auch natürlicherweise in der Indigopflanze vor und
wird schon seit Jahrhunderten zur Färbung von Stoffen benutzt.
Färbende Lebensmittel:
Ein neuer Trend in der Lebensmitteltechnologie ist es, anstelle von Farbstoffen
modifizierte, färbende
Lebensmittel einzusetzen. Dies hat für die Herstellerfirmen den
Vorteil, dass sie nicht unter die Lebensmittelzusatzstoffverordnung fallen
und daher auf der Deklaration nicht als Farbstoff erscheinen müssen.
Auf der Grundlage von Johannisbeeren, Holunder, Hibiskus, Rotkohl, Curcuma,
Brennnessel u. v. a. werden mithilfe moderner biochemischer und enzymatischer
Verfahren stabile Farbkonzentrate mit guten technologischen Eigenschaften
hergestellt.