




Die sehr heterogene
Gruppe der Lipide wird umgangssprachlich
auch als Fette bezeichnet, obwohl unter diesen Begriff eine Vielzahl von
Verbindungen gestellt wird. Mit den Lipiden wird jedoch eine übergeordnete
Stoffklasse bezeichnet und die Fette sind nur eine Unterklasse der Lipide.
Als Gemeinsamkeit weisen alle Lipide eine schlechte Löslichkeit in
Wasser auf. Dagegen lassen sie sich leicht mit unpolaren organischen Lösungsmitteln
wie Aceton, Methanol, Ether oder Chloroform aus biologischem Material herauslösen.
| Nach ihrem chemischen Aufbau lassen sich die Lipide in unterschiedliche Gruppen unterteilen: | |
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Fettsäuren, |
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Fette, |
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Triglyceride oder Triacylglyceride, genannt Wachse, |
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Phospholipide: auch Phosphatide, Phosphoglyceride oder Glycerinphosphatide genannt, |
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Sterole und pflanzliche Steroide, |
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Eicosanoide, |
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Glykolipide: Cerebroside, Ganglioside. |
Fette
Fette sind Bestandteil unserer Nahrung
und haben für uns besonders als Energiespeicher eine Bedeutung. Sie
besitzen den höchsten physiologischen "Brennwert". Er ist
etwa doppelt so hoch wie der von Proteinen oder Zuckern.
Bei der Verbrennung von 1 g Fett (Triglyceride) werden 39,6 kJ (9,5 kcal)
gewonnen, wogegen die Oxidation von 1 g Protein bzw. 1 g Kohlenhydraten
nur 18,6 kJ (4,4 kcal) liefert.
Die gewonnene Energie kann in Form von ATP zwischengespeichert werden.
Im Körper dienen Fette außer als Energiespeicher als Isoliermaterial
gegen Kälte (Unterhautfettgewebe) und als Schutzpolster (z. B. Bauch,
Gesäß).
Fette sind Gemische aus verschiedenen Stoffen, die durch Veresterung
von Glycerol (Glycerin) mit verschiedenen
geradzahligen Fettsäuren (meist Ketten mit 12-20 C-Atomen und Buttersäure)
entstehen.
Die Bindung zwischen Fettsäureresten und dem Glycerinmolekülrest
ist jeweils eine Esterbindung. Die
Reaktion erfolgt zwischen einer Carboxy- und einer Hydroxy-Gruppe unter
Abspaltung von Wasser. An das Glycerinmolekül können maximal
drei Fettsäuren gebunden werden (Triglyceride). Dabei können
die gebundenen Fettsäuren unterschiedlich sein.
Mono- oder Diester des Glycerins werden entsprechend als Mono- oder Diglyceride
bezeichnet. In der Regel sind die beiden äußeren Fettsäuren
Palmitinsäure oder Stearinsäure, die mittlere ist häufig
eine ungesättigte Fettsäure. Jedoch sind Kombinationen aus allen
Fettsäuren denkbar.
Einige werden als Designer-Lipide
oder künstliche Fette produziert. Dies sind enzymatisch gewonnene
Triglyceride und chemisch hergestellte Produkte. Sie werden z. T. als
kalorienreduzierte Fette in Knabbererzeugnissen und Diät-Produkten
eingesetzt.
Bei den veresterten gesättigten Fettsäuren
sind die Kohlenstoffatome in der Kette mit der maximalen Zahl an Wasserstoffatomen
verbunden, sie enthalten keine Mehrfachbindungen. Bei den veresterten
ungesättigten Fettsäuren
sind eine oder mehrere Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen in
den Molekülen möglich. Je mehr Doppelbindungen in den Fettsäureresten
der Estermoleküle vorkommen, desto niedriger liegt der Schmelzpunkt
der Fette. Während tierische Fette
(z. B. Speck, Talg, Schmalz oder Butter) gewöhnlich einen hohen Anteil
gesättigter Fettsäurereste enthalten und bei Zimmertemperatur
fest sind, kommen in den flüssigen Pflanzenfetten
(z. B. Sonnenblumen-, Oliven-, Raps-, Lein- und Nussöl) viele ungesättigte
Fettsäurereste vor. Als besonders wertvoll gelten ungesättigte
Fettsäuren mit einer Doppelbindung am drittletzten C-Atom (Omega-3-Fettsäuren,
z. B. Linolensäure)
Ungesättigte Fettsäuren kann der menschliche Körper nicht
selber herstellen. Diese lebenswichtigen (= essenziellen) Stoffe müssen
mit der Nahrung aufgenommen werden.
Wachse
Wachse sind die Ester langkettiger
Fettsäuren mit 16 bis 36 C-Atomen. Sie unterscheiden sich von den
Fetten außerdem dadurch, dass anstelle des Glycerins höhere
einwertige Alkohole treten (z. B. Myricylalkohol). Wachse sind ebenso
wie Fette neutrale Verbindungen, die unpolare langkettige Kohlenwasserstoffreste
enthalten. Daher sind sie nicht in Wasser löslich.
Neben tierischen Wachsen (z. B. Bienenwachs, Walrat) sind auch Pflanzenwachse
bekannt, z. B. das Carnauba-Wachs, das für Autopolituren Verwendung
findet. Walrat ist eine helle, wachsähnliche Substanz, die im Kopf
von Pottwalen enthalten ist und früher sowohl als Schmiermittel für
Präzisionsgeräte als auch als Rohstoff für Kosmetika und
Arzneimittel verwendet wurde.
Phospholipide
Im Gegensatz zu den Wachsen enthalten die Phospholipide
und Glykolipide je eine hydrophile und eine lipophile Gruppe, was sie
befähigt, in wässrigen Lösungen geordnete Strukturen zu
bilden.
Phospholipide enthalten eine Phosphatgruppe und sind charakteristische
Bestandteile zellulärer Membranen. In diesen Substanzen ist Glycerin
mit zwei Fettsäuren und Phosphorsäure verestert. Der Phosphorsäurerest
besitzt eine negative elektrische Ladung und ist mit einem Alkoholrest
(z. B. Ethanolamin, Cholin, Colamin, Serin, Inosit oder Glycerin) verbunden.
Aufgrund ihrer besonderen Struktur bilden Phospholipide in wässrigen
Lösungen Micellen oder Lamellen aus. Sie entstehen dadurch, dass
die Phospholipidmoleküle sich mit ihrem hydrophilen Kopf zu den Wassermolekülen
orientieren und mit ihrem lipophilen (oder hydrophoben) Schwanz zum Inneren
einer kugelförmigen Micelle ausrichten.
Lamellen, auch als Phospholipid-Doppelschichten bezeichnet, bilden die
Oberflächen der Zellen und sind nicht mit Zellwänden zu verwechseln.
Die hydrophilen Köpfe treten in Kontakt mit Wassermolekülen
im Inneren und Äußeren der Zellen, während die hydrophoben
Schwänze auf beiden Schichten vom Wasser weg weisen.
Sphingolipide
Sphingolipide sind komplex
aufgebaute Phospholipide, die gehäuft im Gehirn und im Nervengewebe
anzutreffen sind. Im wichtigsten Vertreter, dem Sphingomyelin, ist anstelle
des Glycerinrests der Aminoalkohol Sphingosin enthalten. An seine Amino-Gruppe
ist durch Amidbindung ein Fettsäurerest gebunden, die Hydroxy-Gruppe
des Aminoalkohols ist mit Phosphorsäure und die wiederum mit dem
Alkohol Cholin verestert. Sphingomyeline wurden nach ihrem Vorkommen in
den Myelinscheiden der Nerven benannt.
Die Gruppe der Glykolipide leitet sich ebenfalls vom Sphingosin ab. Allerdings ist hier statt des Phosphorylcholins ein Mono- oder Oligosaccharidrest verknüpft. Bekanntester Vertreter ist das Lecithin, das gemeinhin als Nervenstärkungsmittel gilt. Das im Eigelb enthaltene Lecithin ist ein Phospholipid.
Sterole und pflanzliche Steroide sind gekennzeichnet durch ein Gerüst aus vier Kohlenstoffringen, an das verschiedene funktionelle Gruppen angelagert sind. Sie werden auch zur Gruppe der Terpene gestellt. Das Cholesterin (Cholesterol) ist das Sterol der Wirbeltiere. Es befindet sich in Membranen inmitten von Phospholipiden und erlaubt einerseits eine gewisse Beweglichkeit der Membran, andererseits verhindert es, dass es bei niedrigen Temperaturen zu einer ungewollten Verfestigung der Membranen kommen kann. Dieser Umstand wird im "Flüssig-Mosaik-Modell" näher erläutert. Cholesterin ist die Vorstufe für eine ganze Reihe von Verbindungen. Beispielsweise kann durch Belichtung von Cholesterin in der Haut auf fotochemischem Wege die Struktur aufgebrochen werden, welche dann in weiteren enzymatischen Schritten zu Vitamin D umgewandelt wird. Auch für die Produktion von Sexualhormonen (Östrogene, Androgene und Gestagene) wird Cholesterin umgewandelt.
Typische pflanzliche Steroide sind die Carotinoide, von denen man bereits
mehrere Hundert identifiziert hat. Sie werden auch zur Gruppe der Terpene
gestellt. Ihre Farbigkeit beruht auf ihren vielen konjugierten Doppelbindungen.
Sie sind aufgrund ihrer langen Kohlenwasserstoffketten nicht in Wasser
löslich. Zu den Carotinoiden gehören unter anderem Lycopin,
Carotin und Xanthophylle. Das Xanthophyll Astaxanthin gibt dem gekochten
Hummer die rote Farbe.
Lycopin ist der rote Farbstoff der Tomate, der Paprika und anderer Früchte.