

Lösungsmittel sind Flüssigkeiten, die gasförmige, flüssige und feste Substanzen in feinster Verteilung aufnehmen, d. h. lösen können (Bild 1). Stoffe können in unterschiedlichen Konzentrationen in einer Lösung vorliegen. Dementsprechend unterscheidet man zwischen konzentrierten, verdünnten, ungesättigten, gesättigten und übersättigten Lösungen. Dabei liegt stets eine Gleichgewichtsreaktion zwischen der zu lösenden Verbindung und dem Lösungsmittel auf der einen Seite und der Lösung auf der anderen Seite vor. Bei gesättigten Lösungen liegt ein Gleichgewicht zwischen denen in Lösung gehenden und ausfallenden Teilchen vor. (Löslichkeitsprodukt).
Das Lösungsmittel ist stets im Überschuss vorhanden und sollte weder sich noch den gelösten Stoff chemisch verändern. Die entstehenden Lösungen sind homogene Mischungen von zwei oder mehr Stoffen, die in Abhängigkeit von der Teilchengröße der gelösten Stoffe in echte und kolloide Lösungen eingeteilt werden. In beiden Fällen sind die aufgelösten Teilchen weder mit bloßem Auge erkennbar noch durch einen Papierfilter abfangbar.
Lösungsmittel können neben Wasser auch organische oder anorganische Stoffe sein, die flüssig sind. Grundsätzlich gilt die Regel, dass unpolare Lösungsmittel unpolare Stoffe und polare Lösungsmittel polare Stoffe und Ionen lösen. Der Vorgang des Lösens besteht in der Überwindung der Gitterenergie. Äußere Moleküle oder Ionen im Kristall eines Stoffs, die durch geringere Energie gebunden sind, werden aus dem Verband herausgelöst und von Lösungsmittelmolekülen durch elektrostatische Wechselwirkungen solvatisiert und stabilisiert.
Wirkung
Zudem müssen auch die Kräfte zwischen den Lösungsmittelmolekülen
überwunden werden. Die dafür benötigte Energie wird aus
der Anziehung zwischen dem Lösungsmittel und der gelösten Verbindung
erhalten. Im Fall der Beteiligung von Wasser (wässrige Systeme) spricht
man von einer Hydratisierung,
bei allen anderen Lösungsmitteln (nichtwässrige Systeme) von
einer Solvatisierung.
Zur Optimierung des Reaktionsverlaufs, aber auch aus wirtschaftlichen
Gründen, werden häufig Lösungsmittelgemische eingesetzt.
Die Hydratisierung beim Lösungsmittel Wasser spielt besonders beim Lösen von Salzen eine Rolle. Aufgrund des Dipolcharakters der Wassermoleküle können sowohl mit positiv als auch mit negativ geladenen Ionen entsprechende Dipol-Ionen-Wechselwirkungen auftreten und Hydrate gebildet werden. Dadurch werden die ionischen Ladungen weitgehend abgeschirmt und partiell neutralisiert. Auch polare Moleküle bzw. Molekülteile wie -OH-Gruppen, -NH2-Gruppen und andere werden von Hydrathüllen umgeben.
Das Lösungsmittel geht eine Säure-Base-Reaktion ein. Zerfällt ein Lösungsmittel selbst in Protonen und ein Restion, so nennt man diese Protolyse eine Autoprotolyse. Wasser und Ammoniak sind Beispiele für die Autoprotolyse:
Autoprotolyse des Wassers
Autoprotolyse des Ammoniaks
Allerdings liegt hierbei das Gleichgewicht stark auf der Eduktseite.
Andere Lösungsmittel tauschen entweder analog Protonen oder andere Ionen aus. Unabhängig von der Art des Lösungsmittels steigt die Löslichkeit von festen und flüssigen Verbindungen häufig, aber bei Weitem nicht immer bei einem Temperaturanstieg; die von Gasen sinkt.
Wasser
Wasser ist ein gutes Lösungsmittel sowohl für Salze als auch für viele
andere polare Stoffe. Das ist sehr wichtig für das Leben auf der Erde.
Beispielsweise liegen die Nährsalze im Boden in Ionen, also in gelöster
Form vor. Nur in dieser Form können die Pflanzen die Stoffe über die Wurzel
aus dem Boden aufnehmen. Da sich viele Stoffe in ihm lösen, ist es
auch als Transportmittel innerhalb des Körpers gut geeignet. Auch
in Flüssen und Bächen werden viele Stoffe transportiert.
Wasser zeichnet sich durch seine Fähigkeit zur Ausbildung dreidimensionaler
Wasserstoffbrückenbindungen aus,
weil Wechselwirkungen zwischen dem elektronegativen Sauerstoffatom mit
seinen freien Elektronenpaaren und den Protonen vorliegen (Bild 2). Damit
ein Stoff in Wasser gelöst
werden kann, müssen Wasserstoffbrücken aufbrechen und die elektrostatischen
Kräfte im zu lösenden Stoff überwunden werden. In Wasser
lassen sich deshalb Salze, Säuren, Basen und organische Verbindungen
mit Wasser liebenden (hydrophilen) Gruppen (z. B. -OH, -CO2H, -SO3H, -NH2 und NH4+)
gut lösen.

Anorganische und organische Lösungsmittel
Sowohl bei anorganischen als auch bei organischen
Lösungsmitteln wird zwischen protischen,
polar aprotischen und unpolar aprotischen
Lösungsmitteln unterschieden. Protische Lösungsmittel können
wie Wasser Protonen zur Verfügung stellen, während aprotische
Lösungsmittel keine positiv polarisierbaren Protonen besitzen. Polar
aprotische Lösungsmittel haben ebenso wie protische eine hohe Dielektrizitätskonstante,
weil sich stark elektronegative Atome oder funktionelle Gruppen in ihren
Molekülen befinden und die Ladungen nicht gleichmäßig
verteilt sind.
Anorganische
Lösungsmittel sind beispielsweise Wasser, flüssiger Ammoniak
, Schwefeldioxid
flüssiger
Fluorwasserstoff (HF), Thionyl-
und Sulfonylchlorid
Salzsäure (HCl) und Schwefelsäure 
Zu den typischen organischen Lösungsmitteln zählen Alkohole (z. B. Methanol), Carbonsäureester (z. B. Ethylacetat), Ether (z. B.
Diethylether), Ketone (z. B. Aceton), Alkane (z. B. n-Hexan), aromatische
Kohlenwasserstoffe (z. B. Toluol), halogenierte aliphatische Kohlenwasserstoffe
(z. B. Tetrachlorkohlenstoff) und Glykolether (z. B. Ethylenglykolmonoethylether).
| Protische Lösungsmittel | ||
|
Klasse
|
Beispiele
|
Formel
|
| Wasser | ![]() |
|
| Alkohole | Methanol, Ethanol | ![]() |
| Carbonsäuren | Ameisensäure | ![]() |
| Aprotische Lösungsmittel | ||
|
Klasse
|
Beispiele
|
Formel
|
| unpolar | ||
| Alkane | n-Pentan | ![]() |
| Aromatische KW | Toluol | ![]() |
| Halogenalkane | Tetrachlorkohlenstoff | ![]() |
| Ether | Diethylether | ![]() |
| polar | ||
| Ketone | Aceton | ![]() |
| Nitrile | Acetonitril | ![]() |
und Dimethylformamid
Wie groß der Einfluss eines Lösungsmittels sein kann, erkennt
man bei der nucleophilen Substitution. Ein Nucleophil ist ein Reagenz,
das ein Elektronenpaar für die Bildung einer kovalenten Bindung zur Verfügung
stellen kann. Nucleophile
Substitutionen müssen als polare Reaktionen in einem Lösungsmittel
ablaufen, um die Zwischenstufen durch Solvatisierung zu stabilisieren.
Der geschwindigkeitsbestimmende Schritt einer
ist die Bildung eines Carbenium-Ions/Ionenpaars. Stark polar protische
Lösungsmittel wie Carbonsäuren oder auch Ammoniak vermögen
durch ihre freien Elektronenpaare das Kation zu stabilisieren und durch
ihre Protonen das Anion (Abgangsgruppe) aus dem Molekül zu drängen.
Besonders wirksam sind auch Alkohol-Wassergemische, wobei dann aber die
Gefahr besteht, dass nicht nur das entsprechende Nucleophil das Carbenium-Ion
angreift, sondern letzteres mit dem Wasser eine Hydrolyse eingeht. Das
liegt daran, dass dieses Lösungsmittelgemisch in seiner dissoziierten
Form reaktiver sein kann als die in der Lösung vorliegenden Reagenzien.
Damit kann ein Lösungsmittel auch Einfluss auf den Reaktionsmechanismus,
den zeitlichen Ablauf und/oder auf die Ausbeute nehmen.
Im Fall einer
eignen sich dagegen polar aprotische Lösungsmittel wie Dimethylformamid,
Aceton oder Ether, die keine positiv polarisierten Wasserstoffatome besitzen.
Bedeutend ist hier, dass während der Bildung des aktivierten Komplexes,
in dem das Nucleophil angreift und die Abgangsgruppe austritt, keine ausgeprägte
Solvathülle die Vorgänge behindert.
In Abhängigkeit von der Struktur der Abgangsgruppe und der Stärke
bzw. der Schwäche des Nucleophils kann durch den Einsatz verschiedener
Lösungsmittel oder Lösungsmittelgemische sogar eine Steuerung
zu einer
erfolgen.