
Wissenschaftliche
Leistungen
LOUIS-ANTOINE RANVIER war französischer Arzt und Pathologe, der im
19. Jahrhundert gearbeitet hat. Sein Hauptforschungsgebiet war das Nervensystem
und die Erregungsleitung. Obwohl er einige Merkmale des Nervensystems beschrieb,
ist er durch die Entdeckung des Myelins und der nach ihm benannten ranvier´schen
Schnürringe berühmt geworden.
Myelin und ranvier´scher Schnürring
Das wichtigste Merkmal des Myelins ist seine hohe elektrische Isolation.
Dadurch wird der Durchtritt geladener Ionen durch die Membran verhindert.
Ionische Wanderungen sind daher nur begrenzt auf den freiliegenden Abschnitt
eines Axons, an dem zwei Schwann-Zellen
zusammentreffen. Diese Stelle wird als ranvierscher
Schnürring bezeichnet. Genau an dieser Stelle ist nämlich
die Myelinscheide unterbrochen.
Ranviersche Schnürringe findet man entlang des myelinisierten Axons
in einem Abstand von ca. 1-1,5 mm. Den Abschnitt zwischen zwei Ringen
bezeichnet man als Internodium (auch internodales Segment).
Wichtig sind die ranvierschen Schnürringe bei der saltatorischen
Erregungsleitung.
Die Isolation der Nervenfaser durch die Myelinscheide, verhindert, dass das Aktionspotential kontinuierlich entlang der Nervenfaser verlaufen kann - es springt von Schnürring zu Schnürring. An diesen Stellen ist die Isolation aufgehoben, die Zellmembran hat in diesem Bereich eine hohe Dichte an spannungsgesteuerten Natriumkanälen, sodass bei der Depolarisation ein starker Einstrom positiver Natriumionen erzeugt werden kann.
Multiple Sklerose
Bei der multiplen Sklerose,
der "Krankheit mit den 1 000 Gesichtern",
handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen
Nervensystems. Dabei wird die Myelinschicht zerstört. Das kann in
unterschiedlicher Größe willkürlich, über das gesamte
zentrale Nervensystem verteilt, passieren. Besonders häufig findet
man solche Zerstörungen am Sehnerven, im Hirnstamm, im Kleinhirn
und an den Hintersträngen des Rückenmarks.
An den beschädigten Bereichen der Markscheiden
ist die Weiterleitung der Erregung gestört und die elektrischen Impulse
können sich zwischen den verschiedenen Nerven- und Körperzellen
(z. B. Muskelzellen) nicht mehr ungehindert ausbreiten. Das hat die bekannten
Symptome dieser Krankheit zur Folge: Störungen der Körperbewegungen
(Motorik) und Körperempfindungen (Sensorik).