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Eismumien entstehen durch Gefriertrocknung. Der Verwesungsvorgang wird durch die Kälte stark verlangsamt und das Gewebe trocknet aus, bevor die Zersetzung des Körpers abgeschlossen ist. Ein bekanntes Beispiel ist der Fund einer männlichen Mumie aus dem Ötztal, "Ötzi" genannt. Auch die Mitglieder der Franklin-Expedition auf der Suche nach der Nordwest-Passage (1845-1848) zählen dazu. Ein weiteres Beispiel sind die im Permafrostboden Sibiriens konservierten Mammuts. |
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Moorleichen kommen in Hochmooren vor. Hier halten der Sauerstoffabschluss sowie natürlich vorkommende Gerbstoffe und Huminsäuren den Verfall auf. |
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Trockenmumien entstehen bei geringer Luftfeuchtigkeit und hoher Temperatur durch rasche Austrocknung. |
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Salzmumien entstehen durch die konservierende Wirkung des Salzes. |
Im Sommer 1848 endete die dritte Expedition von SIR JOHN FRANKLIN (1786-1847) zur Entdeckung der Nordwest-Passage auf tragische Weise. Erst 138 Jahre später konnten die bestatteten Überreste einiger Seeleute entdeckt und untersucht werden. Unter gleich bleibenden Bedingungen haben die Körper im Permafrostboden der Arktis überdauert, wobei das Körpergewebe fast vollständig erhalten blieb.
Berichte über Moorleichenfunde
aus nordeuropäischen Hochmooren liegen schon seit einigen Jahrhunderten
vor. Die gefundenen Mumien sind gelegentlich aufgrund eines mit einer
Tötung verbundenen Rechtsakts entstanden. Besonders schwerwiegende
Verbrechen ahndeten germanische Stämme mit dem Versenken im Moor.
Die Mumifizierung der Körper vollzog sich unter anaeroben Bedingungen
im feuchten Milieu und unter Einwirkung von Huminsäuren und Gerbstoffen.
Die Kalkarmut des Bodens sowie der sehr niedrige pH-Wert förderten
den Abbau der Knochensubstanz, sodass bei zahlreichen Funden nur noch
Haare, Haut und Reste der flach zusammengedrückten inneren Organe
erhalten geblieben sind.
Wüsten mit heißem und trockenem Klima begünstigen die
Entstehung von Trockenmumien.
Im Jahr 1892 entdeckte man auf dem Westufer des Nils, nordwestlich der
Ortschaft Negade unter dem Sand der libyschen Wüste ein weitläufiges
Grabfeld mit mehr als 3 000 Gräbern. Die Bestattungen erfolgten in
den Kulturepochen Negade I (4 000-3 500 v. Chr.) und Negade II (3 500 bis ca.
3 100 v. Chr.). Die Verstorbenen wurden entweder in Felle, Leintücher
oder Leder eingewickelt und mit angezogenen Beinen in flache, mit Sand
verfüllte Gruben gelegt.
In Nordchile wurden im Jahr 1899 bei Chuqincamata zwei menschliche Mumien
in einem Kupferbergwerk entdeckt. Das Umfeld dieses Funds bietet Einblick
in indianische Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zeit um 400 bis 600
nach Christi Geburt. Die natürliche Konservierung beruht in diesem
Fall auf einer kombinierten Wirkung bakteriozider Kupfersalze und extrem
geringer Luftfeuchtigkeit.
Künstliche Mumien
Die Vorstellungen der Menschen über ein Leben nach dem Tod führten
in allen Völkern und Kulturen der Welt zu einem differenzierten und
hoch entwickelten Bestattungswesen. In einigen Religionen
geht man von einem körperlichen Weiterleben der Verstorbenen im Jenseits
aus. Besondere Bemühungen galten deshalb dem Erhalt der körperlichen
Hülle für ein Fortleben der Seele. Ein bekanntes Beispiel bieten
die Bestattungssitten Ägyptens.
Die Ägypter beherrschten die Kunst der Mumifizierung perfekt. Nach
ihrer religiösen Überzeugung musste der Körper für
ein Leben nach dem Tod unversehrt sein. Daher versuchten sie durch verschiedene
Maßnahmen die Leichen für die Ewigkeit zu konservieren. Im
Alten Reich wurden unter Anleitung eines Balsamierungspriesters dem Verstorbenen
die inneren Organe entnommen. Der Körper wurde 70 Tage lang in Natriumsalzen
entwässert und anschließend mit Ölen und Harzen bestrichen.
Oft wurde der Körper auch mit einer Schutzschicht aus Lehm, Gips
oder Wachs überzogen. Danach wurde der in Leinenbinden gewickelte
Leichnam für das Dasein im Jenseits in einen Sarg gebettet. Zu Beginn
des Neuen Reiches wurden die inneren Organe separat mumifiziert, um in
den sogenannten Kanopen getrennt aufbewahrt zu werden.
Die alten Ägypter benutzten
aber auch Bitumen zur Konservierung ihrer Toten. Diesem fossilen Kohlenwasserstoff
schrieb man bis ins 20. Jahrhundert hinein in Nordafrika und Europa Heilkräfte
zu. Aus diesem Grund wurden ägyptische Mumien in vergangenen Jahrhunderten
vielfach zu Wunder-Arzneimitteln verarbeitet. Eine deutsche Arzneifirma
bot noch bis 1924 "Mumia vera Aegyptica" an.
Im Laufe der Zeit wurden Tausende von Mumien gefunden, darunter auch
einige von Herrschern. Die bekanntesten dürften die Mumien von RAMSES
II und von TUT-ENCH-AMUN sein. Vor allem im vorigen Jahrhundert brachten
Antiquitätensammler und Forschungsreisende zahlreiche Mumien nach
Europa mit, wo sie überwiegend in die Sammlungen ägyptischer
Altertümer gelangten. Allerdings wurden im 19. Jahrhundert durch
das Auswickeln von Mumien als ein Party-Ereignis in gehobenen Kreisen
viele Mumien zerstört.
Heilige Tiere, die als lebende Erscheinungsform der Götter gehalten wurden, wurden nach ihrem Tod ebenfalls mumifiziert. Häufig wurden Katzen, Falken, junge Krokodile und Ibisse präpariert und der Nachwelt erhalten.
Medizinische und anthropologische Untersuchungen können uns seit
den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wichtige Erkenntnisse über
Ernährungsgewohnheiten, Krankheiten, Todesursachen und die angewandten
Mumifizierungstechniken
vermitteln und gewähren so Einblicke in die reale Lebenssituation
der damaligen Menschen. Hierfür werden neben zahlreichen Untersuchungstechniken
Computertomografien und biochemische Methoden eingesetzt. Dank dieser
Untersuchungen ist man beispielsweise in der Lage, die kosmetischen Kunstgriffe
der Balsamierer zu dokumentieren. Teilweise wurde den erschlafften Körpern
mit Nilschlamm, Leinentampons und Sägespänen eine lebensechte
Statur verliehen und fehlende Gliedmaßen wurden durch Prothesen aus Harz
und Leinen nachgebildet. Gewebeproben,
die mithilfe von Gas-Chromatografen und Massenspektrometern untersucht
wurden, wiesen Kohlenwasserstoffe wie Isolongifolen, Cuparen, Cadalin
und Longicyclen auf. Diese Bestandteile sind in Ölen enthalten, die
aus Zypressen und Koniferen gewonnen werden (Terpene). Für die Altersbestimmung
einer Mumie werden Gewebestäubchen mittels Massenspektrometer-Analyse
untersucht. Die in der Probe enthaltenen und in einem Magnetfeld aufgefangenen
dienen
bei einer gewissen Ungenauigkeit (± 50 Jahre) der Altersdatierung.
Verschiedene Völker Südamerikas betrieben einen ähnlichen Aufwand mit ihren Toten wie die Ägypter. Im Unterschied zu diesen wurden ihre Mumien nicht liegend in ausgestreckter Haltung, sondern sitzend-kauernd bestattet. In Peru wurden die Verstorbenen nach der Entnahme der inneren Organe mit verschiedenen Harzen bestrichen und anschließend in Tücher gewickelt und in Körbe gesetzt. Sie haben die Haltung eines Fötus, der bereit ist zur Wiedergeburt.
Im asiatischen Raum fand man insbesondere in China, Japan und Vietnam
Mumien. In China hat man Mumien entdeckt, die durch ein abweichendes
Verfahren konserviert wurden. Die unversehrten Körper ruhten
in Särgen auf der Sohle von Grabschächten. Die Särge waren
von einer Schicht Holzkohle und einem dicken Mantel aus weißem Lehm
umgeben. An den Leichnamen konnten Wissenschaftler keine sichtbaren Zeichen
des Verfalls entdecken, Ihre Haut war elastisch, Körper und Gliedmaßen
beweglich, Gehirn und innere Organe kaum geschrumpft. Das Geheimnis dieser
Mumifizierung liegt in einer quecksilberhaltigen Flüssigkeit, mit
der die inneren Särge gefüllt waren. In der westlichen Welt
ist bis zum heutigen Tag die genaue Zusammensetzung nicht bekannt.
Auch in unserer humid gemäßigten Klimazone können unter Ausnutzung bestimmter Gegebenheiten Trockenmumien entstehen. In Deutschland wurden in jüngerer Vergangenheit in zahlreichen Mausoleen und Kellern von Kirchen Mumien entdeckt. Ein bekanntes Beispiel ist der Bleikeller des Doms in Bremen. Innerhalb betroffener Grabgewölbe ist die Luft extrem trocken, da jene Gebäude mit ihren Fundamenten in lockerem Erdreich gebaut wurden. So versickert Regenwasser rasch, Feuchtigkeit kann nicht in Fußböden und Wände aufsteigen. Luftzufuhr aus Fenstern oder Mauerschlitzen bewirkt eine kräftige Zirkulation. So werden die Körper nach und nach ausgetrocknet und ständig gekühlt, Fliegen und andere Insekten können sich in diesem Raumklima nicht aufhalten, sodass keine Zerstörung durch Maden einsetzt.
In einer verzweigten Katakombe
des 1534 erbauten Kapuzinerklosters in Palermo (Sizilien) werden etwa
8 000 Mumien, geordnet nach Geschlecht, Beruf und Alter in den Gängen
in offenen Särgen aufbewahrt. Ab 1670 wurde die Gruft auch für
die Öffentlichkeit zugänglich, sodass Freunde und Verwandte
ihre natürlich getrockneten, festlich gekleideten Vorfahren besuchen
konnten. 1880 wurde dieser ungewöhnliche Totenkult verboten.