







Ein Muskel
besteht aus Muskelfaserbündeln. Die Muskelfaserbündel sind von
einer Bindegewebshülle umgeben. Der Muskel läuft an seinen Enden
in Sehnen aus, die an den Knochen ansetzen.
Die Muskulatur ist ein stark ausgeprägtes
Organ der Wirbeltiere. Die menschliche Muskulatur hat einen Anteil von ca.
50 % am Gesamtkörpergewicht.
Die Muskulatur besitzt die
Fähigkeit, sich zu verkürzen und somit dicker und härter
zu werden. Die Muskeln werden aktiv kontrahiert, können aber nur
passiv wieder gedehnt werden. Die Dehnung erfolgt oft durch einen anderen
Muskel, einen Gegenspieler (Antagonisten).
Beim Anwinkeln des Unterarms verkürzt und verdickt sich der Armbeugermuskel
(Bizeps) an der Vorderseite des Oberarms. Der Bizeps kontrahiert und
übt durch den Sehnenfortsatz einen Zug auf den Unterarmknochen aus.
Es entsteht bei der Drehung im Ellenbogengelenk eine Hebelwirkung. Während
der Kontraktion des Bizeps erschlafft der Armstreckermuskel (Trizeps)
an der Rückseite des Oberarms. Der Trizeps wird gedehnt.
Beim Strecken des Arms läuft ein umgekehrter Vorgang ab. Der Armstreckermuskel
kontrahiert (verkürzt und verdickt sich) und zieht den Unterarmknochen
in die gestreckte Lage zurück. Während der Kontraktion des Trizeps
wird der Bizeps gedehnt.
Die aktive Bewegung wird durch Muskeln ermöglicht, die antagonistisch
arbeiten. Muskelpaare, die gleichförmig arbeiten, werden als Synergisten
bezeichnet.
Je nach der Belastungsart unterscheidet man zwei Kontraktionsformen:
a) isotonische Kontraktion und
b) isometrische Kontraktion.
Bei einer isotonischen Kontraktion verkürzt sich der Muskel bei
ungefähr gleichbleibender Muskelspannung. Durch die Verkürzung des Muskels wird eine Bewegung erzeugt.
Bei der isometrischen Kontraktion
erhöht sich dagegen die Muskelspannung bei ungefähr gleicher Muskellänge. Hierbei wird ein Muskel in einer bestimmten Stellung fixiert, sodass er sich nur wenig verkürzen kann. Um die geforderte Arbeit leisten zu können, steigt die Muskelspannung (der Muskeltonus) an, was viel Energie verbraucht (Beispiel: Halten oder Tragen von Gegenständen).
Die Muskelkontraktion erfordert den Einsatz von Energie. Neben dem ATP (Adenosintriphosphat) liegt bei Wirbeltieren auch die energiereiche Verbindung Kreatintriphosphat (KTP) im Muskel vor. Das Kreatintriphosphat speichert der Körper in der Muskelzelle, und es liefert während intensiver Muskelarbeit für die ersten 10 Sekunden die benötigte Energie. Dieser Zeitraum entspricht etwa der Ausführung von 2-4 schweren Wiederholungen. Diese Art der Energiebereitstellung wird als anaerob bezeichnet, das heißt ohne die Zufuhr von Sauerstoff.
| Ein 75 kg schwerer Mann besitzt folgende Energievorräte: | |||
| 1. ATP 2. KTP 3. Glykogen 4. Fette |
8 kJ
15 kJ 4 600 kJ 3 000 000 kJ |
||
Für die Muskelkontraktion werden zunächst die Reserven an ATP
und KTP genutzt. Die Verkürzung und Verdickung des Muskels wirkt
sich auf das benachbarte Bindegewebe und die Blutgefäße aus.
Die Durchblutung wird verringert und somit verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung
des Muskels. Der Muskel muss mit dem an das Myoglobin gebundenen Sauerstoff
auskommen. Die Muskelarbeit
wird beeinflusst:
| 1. | vom Sauerstoffgehalt des Muskels, |
| 2. | der Sauerstoffzufuhr durch das Blut und |
| 3. | der Glucosenachlieferung aus dem Glykogenspeicher. |
Bei einem 100-m-Lauf ist der Muskelstoffwechsel überwiegend anaerob.
Während der Entspannungsphase (nach 3-5 min) kann durch eine verstärkte
Sauerstoffzufuhr das Gleichgewicht zwischen Sauerstoffaufnahme und -bedarf
wieder hergestellt werden. Die Milchsäure kann vollständig abgebaut
oder wieder zu Glucose und Glykogen aufgebaut werden.
Für eine dauerhafte Erhöhung der Leistungsfähigkeit
der Muskeln müssen aber die Faktoren gefördert werden, die eine
ausreichende ATP-Bildung ermöglichen. Zu diesen Faktoren gehören:
| 1. | erhöhte Blutversorgung des Muskels, |
| 2. | gesteigerte Leistungsfähigkeit des Blutkreislaufs und des Atmungssystems, |
| 3. | eine erhöhte Speicherung von Glykogen und |
| 4. | ein schnellerer Stoffabbau in den Mitochondrien. |
Eine Förderung dieser Faktoren kann nur durch das Widerholen gleichartiger
körperlicher Aktivitäten (Training) erreicht werden.
Training
Bei einer erhöhten Muskelaktivität nehmen die Konzentrationen
an Zwischenprodukten zu. Eine regelmäßige sportliche Aktivität
erhöht den Ablauf von Stoffwechselprozessen. Sport
sorgt gleichzeitig für einen rationellen Bewegungsablauf, sodass
entsprechende Bewegungsfolgen mit einem möglichst geringen Kraftaufwand
der Muskeln durchgeführt werden können. Gleichzeitig wird der
Schwellenwert für die Erregbarkeit des trainierten Muskels herabgesetzt.
Die Wirkung einer regelmäßigen sportlichen Aktivität
auf die Muskulatur hängt von der Intensität und Dauer ab. Mit
einer zunehmenden Trainingsdauer nimmt der Leistungszusatz zunächst
sichtbar zu, bis ein Leistungsgrenzwert erreicht ist. Bei einer Ausdehnung
der Intensität und Dauer des Trainings kann die größtmögliche
Leistungsfähigkeit erreicht werden. Man unterscheidet Ausdauer- und
Krafttraining voneinander.
Werden Bewegungsabläufe ohne maximalen Kraftaufwand wiederholend
ausgeführt, so spricht man vom Ausdauertraining.
Zu den Ausdauersportarten gehören Laufen, Schwimmen, Radfahren, Skaten
und Rollschuh fahren sowie zügiges Gehen (Walking).
Werden einzelne Muskeln unter erheblichem Kraftaufwand trainiert, indem eine relativ kurzzeitige Maximalleistung mit einem großen Anteil an statischer Haltearbeit erbracht wird, so spricht man von Krafttraining.
Zu den durch regelmäßige sportliche Aktivität erreichten
Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-, Atmungs-, Stoffwechsel- und Muskelsystem
gehören:
| 1. | Massen- und Volumenzunahme der Muskelfasern, die mit einer Zunahme an Myofibrillen, Myofilamenten und Mitochondrien in den Muskelfasern verbunden ist, |
| 2. | Kapillarisierung des Muskels, d. h. eine stärkere Durchblutung des Muskels, die einen erhöhten Stoffaustausch an der größeren Gesamtoberfläche der Kapillaren ermöglicht, |
| 3. | Stoffanreicherung an Energievorräten (ATP, KTP, Glykogen) und an Myoglobin im Muskel, |
| 4. | Erhöhung der Enzymkonzentrationen, die die aeroben und anaeroben Stoffwechselprozesse katalysieren, und |
| 5. | Zunahme der maximalen Muskelkraft, berechnet auf den Muskelquerschnitt. |
Zusammenhängende Bewegungsabläufe (z. B. Schwimmen, Radfahren)
erfordern eine entsprechende Koordination der Erregung von Muskeln durch
das Nervensystem. Sportliche Aktivitäten, besonders bei ungleichmäßiger
Belastung einzelner Muskeln, sowie der sinnvolle Wechsel von Anspannung
(Kontraktion) und Entspannung (Dehnung) sind für die Gesunderhaltung
des Bewegungsapparats und der Erhaltung seiner Leistungsfähigkeit
von außerordentlicher Bedeutung.
Dehnung
Beim Ausführen von Dehnungsübungen
sollten Sie folgendes beachten:
| 1. | Nehmen Sie eine präzise Position ein! |
| 2. | Lenken Sie die Aufmerksamkeit in das Dehnungsgefühl! |
| 3. | Atmen Sie tief ein und aus! Lassen Sie den Sauerstoff durch den Körper fließen! Gehen Sie nun in eine natürliche Atembewegung über! |
| 4. | Beobachten und spüren Sie die Dehnung! Entspannen Sie! |
| 5. | Halten Sie nach Ihrem Körpergefühl die Dehnungsposition 20-90 Sekunden! |
| 6. | Lösen Sie die Position langsam auf! Wechseln Sie in eine andere Position! |
Die Leistungsfähigkeit der Muskeln unterliegt auch rhythmischen
Veränderungen im Tagesverlauf sowie größeren Zyklen.
Bewegungsmangel
Die erzielten Trainingsergebnisse sind umkehrbar (reversibel), d. h.
bei einer längeren Unterbrechung der sportlichen Aktivität gehen
die erzielten Wirkungen auf die o. g. Organsysteme verloren. Bewegungsmangel
führt zu einem Proteinabbau. Eine durch Bewegungsmangel auftretende
Inaktivitäts-Muskelatrophie im Bereich der Haltemuskeln kann zu Haltungsschäden,
Haltungsfehlern und Fehlentwicklungen im knöchernen Bereich führen.
Häufig ist ein Mangel an körperlicher Aktivität mit dem
Risikofaktor Übergewicht verbunden.
Muskelverletzungen
Bei Verletzungen der Muskeln liegen die Ursachen überwiegend in fehlender
Erwärmung und Fehl- oder Überbelastungen der entsprechenden
Regionen. Muskelverhärtungen, Muskelzerrungen, Muskelkater und Muskelfaserrisse
kommen so zustande. Die schmerzlichen Folgen kann man oft durch Wärmebehandlung,
Verbände, Massagen oder Salben behandeln. Bei einer Muskelprellung
ging eine stumpfe Gewalteinwirkung auf den Muskel voraus. Hier hilft Kühlen
der betroffenen Bereiche, bei Hautverletzungen muss die Wunde behandelt
werden. Muskelfaserrisse oder Sehnenverletzungen müssen unbedingt
sofort ärztlich untersucht werden.