Plantae (Pflanzen)
Am Beginn der Entwicklung von Algen zu Landpflanzen
standen vermutlich krustige Formen, die in feuchten Übergangszonen
vorkamen und ähnlich organisiert waren, wie bestimmte Lebermoos-Gametophyten.
Bei der weiteren Anpassung an das Landleben mussten vor allem folgende
Einrichtungen erworben werden:
| 1. Leitgewebe
für Wasser- und Assimilatetransport |
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(und damit verbunden die Arbeitsteilung
zwischen Wasser aufnehmenden Organen (Wurzeln mit Wurzelhaaren) und
der Assimilation dienenden Organen (beblätterte Sprosse). |
| 2. Festigungsgewebe |
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für die Stabilisierung der Luftsprosse
vor allem zur Erhöhung ihrer Biegungsstabilität. Wichtiges biochemisches
Merkmal in diesem Zusammenhang: Bildung des Lignins und die damit
verbundene Lignifizierung von Zellwänden. |
| 3. Schutzeinrichtung
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gegen übermäßigen Wasserverlust bzw. Regulationseinrichtungen
für die Transpiration und den Gasaustausch
(geschlossene Außenhaut mit möglichst dicht schließendem Überzug aus
Kutin, die Durchlässigkeit regulierende Spaltöffnungen). |
| 4. Keimzellen
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und Sporenbehälter,
die gut gegen Austrocknung geschützt sind (Bildung von Sporangien
und Gametangien, Antheridien
und Archegonien, mit Schutzhüllen
aus sterilen Zellen). |
Die Pflanzen werden im Allgemeinen in drei Abteilungen - die Moospflanzen,
die Farnpflanzen und die Samenpflanzen
- aufgeteilt. Sie sind vor mehr als 400 Millionen Jahren, im Silur, entstanden.
Typisch für alle Pflanzen ist ein Generationswechsel
zwischen einer Gameten produzierenden haploiden Gametophytengeneration
und einer diploiden Sporophytengeneration, von der unter Reduktionsteilung
Sporen gebildet werden. Bei den Moosen dominiert die Gametophytengeneration.
Bei allen Farnpflanzen ist die Gametophytengeneration deutlich kleiner
als die Sporophytengeneration. Diese Entwicklung setzt sich bei den vor
ca. 360 Mill. J. (Devon/Karbon) entstandenen Samenpflanzen fort. Bei ihnen
bleibt der Gametophyt in die neue Verbreitungseinheit Samen eingeschlossen.
Abteilung
Bryophyta (Moospflanzen)
1. Klasse
Lebermoose (Marchantiopsida).
Lebermoose können unbeblätterte,
thallose und beblätterte, sprossähnliche Wuchsformen hervorbringen. Die
Blättchen haben nie eine Mittelrippe, die Kapsel hat keine Haube und einen
durchsichtigen Stiel. Neben Sporen enthält sie sterile, spiralig aussehende
Elateren. Man unterscheidet die Ordnungen Jungermanniales
- vorwiegend beblätterte Arten, Marchantiales
- thallose Formen mit zum Teil sehr hoch organisierten Thalluslappen und
Sphaerocarpales - einfach gebaute, thallose
Lebermoose.·
2. Klasse Hornmoose (Anthocerotopsida).
Die lange, schotenförmige Kapsel des Sporophyten wird von einer sterilen
Gewebesäule (Columella) durchzogen. An Sporophyt und Gametophyt können
Spaltöffnungen auftreten.
3. Klasse Laubmoose (Bryopsida).
Die Sprosse sind meist polysymmetrisch gebaut. Die Blätter besitzen häufig
Mittelrippen und sind mehr oder weniger zugespitzt. Auf der Kapsel des
Sporophyten sitzt eine Haube. Die Kapsel öffnet sich meistens mit einem
Deckel. Die Öffnung ist oft von einem hygroskopisch beweglichen Zahnkranz
(Peristom) verschlossen. Man unterscheidet die Unterklassen Torfmoose
(Sphagnidae), Klaffmoose
(Andreaeidae) und Birnmoose
(Bryidae).
Abteilung Farnpflanzen
(Pteridophyta)
Die
Ur-Farnpflanzen (Klasse
Psilophytopsida) entstanden vor ca. 420 Millionen Jahren im Silur. Ihre
Vegetationskörper waren wenig differenziert, ohne echte Blätter und Wurzeln
und häufig gabelig verzweigt. Leitgewebe waren von sehr einfachem Bau und
meistens zentral angeordnet. Die Sporangien wurden endständig an Haupt-
oder Seitentrieben gebildet. Die Klasse ist schon im Laufe des Devon erloschen.
Die Vegetationskörper aller folgenden Klassen der Farnpflanzen sind in Sprossachse,
Blätter und Wurzeln gegliedert. Bei den Sporen kann es zu einer Differenzierung
in Mega- und Mikrosporen kommen
(Heterosporie).
Klasse Bärlapp-Farnpflanzen
(Lycopodiopsida).
Die Sprosse der Bärlapp-Farnpflanzen tragen meist ziemlich kleine, wenig
differenzierte Blatter (Mikrophylle). Sporangien werden einzeln oder zu
wenigen auf der Blattoberseite gebildet. Die Sporophylle können zu Sporophyllständen
zusammengefasst sein. Im Karbon gab es baumförmige Arten (Schuppenbäume
und Siegelbäume).
Klasse
Schachtelhalm-Farnpflanzen (Equisetopsida).
Die Sprossachsen sind charakteristisch gegliedert und an den Knoten wirtelig
verzweigt .Die kleinen, wirtelig stehenden Blätter sind zu einer die Sprossachse
umfassenden Scheide verwachsen. Die Sporangien sitzen an der Unterseite
von schildförmigen Sporophyllen. Die Sporophylle sind zu einem zapfenartigen
Sporophyllstand zusammengefasst. Einzige rezente Gattung ist Equisetum (Schachtelhalm).
Klasse
Echte Farnpflanzen
(Polypodiopsida, Filicopsida).
Die Blattorgane der Echten Farne sind meist sehr groß und stark unterteilt
(Wedel, Makrophylle) mit einem sehr lange anhaltenden Spitzenwachstum. Damit
hängt zusammen, dass die jungen Wedel lange Zeit bischofsstabartig eingerollt
sind. Die Sporangien werden meist in großer Zahl am Rand oder auf der Unterseite
normaler oder mehr oder weniger umgeformter Wedel gebildet.
Abteilung Samenpflanzen (Spermatophyta)
Erst 1815 wurde von
W. HOFMEISTER (1824-1877)
erkannt, dass die Samenpflanzen, wie die Farne und Moose, einen Generationswechsel
mit einer sehr stark reduzierten Gametophytengeneration besitzen.
Die
Samenpflanzen sind mit
mehr als einer viertel Million beschriebener Arten die erfolgreichste Pflanzenabteilung
der Gegenwart. Sie prägen die Vegetation der Erde und haben eine Vielzahl
verschiedener Lebensformen ausgebildet - von den winzigen, oft nur Millimeter
großen Wasserlinsen bis zu weit über 100 m hohen Baumriesen (
Eucalyptus-Arten
und Mammutbäume).
Das hervorragende Kennzeichen der Samenpflanzen ist der besondere Schutz
der Fortpflanzungsorgane und die "Brutpflege", die durch die Hüllen und
das Nährgewebe des
Samens dem jungen
Embryo zuteil wird. Schon im Devon - vor mehr als 350 Millionen Jahren -
haben sich die ersten Samenpflanzen aus Sporenpflanzen entwickelt. Auch
für die Samenpflanzen ist - wie für Farnpflanzen und Moospflanzen - ein
Generationswechsel charakteristisch.
Allerdings bleibt der Gametophyt sehr klein. Im weiblichen Geschlecht ist
er zeitlebens in die
Megasporenwand und
sogar in das
Megasporangium eingeschlossen.
Die Megaspore ist so bei ihrer Keimung noch mit dem
Sporophyten
verbunden und dieser ernährt den Gametophyten bis zur Befruchtung und bis
zur Embryobildung. Samen sind meistens besonders widerstandsfähig gegen
Klimaextreme. Vor der Keimung machen sie in der Regel ein Ruhestadium durch.
Die
Mikrosporen werden bei den
Samenpflanzen traditionell Pollen oder
Pollenkörner
genannt. Schon im Pollenkorn beginnt die Bildung des Mikroprothalliums.
Es bilden sich wenige Prothalliumszellen, eine Pollenschlauchzelle und teilweise
auch eine Stielzelle. Aus einer fertilen Zelle entstehend mindestens zwei
Gameten. Bei primitiven Nacktsamern sind sie noch begeißelt. Das Pollenkorn
keimt mit einem Pollenschlauch. Werden keine begeißelten Gameten gebildet,
so wächst dieser Schlauch bis zur Eizelle einer weiblichen Samenanlage und
transportiert die Spermazellen bis dort hin (Pollenschlauchbefruchtung).
Die Samenanlagen bzw. die
Mikrosporangien
stehen bei Samenpflanzen häufig in sogenannten
Sporophyllen
und diese sind wiederum in den allermeisten Fällen zu
Sporophyllständen
zusammengefasst. Sporophyllstände mit begrenztem Wachstum werden als
"Blüten"bezeichnet.
Erste Vorläufer der Samenpflanzen waren die im Devon lebenden Vor-Nacktsamer
(Progynmospermae), die als unmittelbares Bindeglied zwischen den noch älteren
Ur-Farnen und den Samenpflanzen gelten. Aus diesen Vorläufern haben sich
mindestens drei Linien entwickelt:
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1.
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Die Wedelblättrigen
Nacktsamer, zu denen z. B. die Palmblatt-Nacktsamer (Cycadopsida)
gehören. |
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2.
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Die Nadelblättrigen
Nacktsamer mit den Coniferen oder Nadelgehölzen und den Ginkgo-Verwandten.
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3.
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Als jüngste Entwicklungslinie, die vermutlich
engere Beziehung zu den wedelblättrigen Nacktsamern aufweist, die
Bedecktsamer.
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Wedel-Nacktsamer und
Nadel-Nacktsamer
tragen die Samenanlagen offen auf Samenschuppen oder am Ende von Kurzsprossen
(daher der Name "Nackt"samer oder "Gymno"spermen von griech.
gymnos
= nackt). Demgegenüber sind die Samenanlagen bei den Bedecktsamern (
Angiospermen
von griech.
angeion = Behälter) in die Fruchtblätter
eingeschlossen.
Zu den Wedel-Nacktsamern gehören die ausgestorbenen
Farn-Nacktsamer
und die
Blumen-Nacktsamer sowie die auch
heute noch vorkommenden
Palmblatt-Nacktsamer
und die
Mantel-Nacktsamer - letztere
mit so eigenartigen Pflanzenformen wie der auf die Namib-Wüste Südwestafrikas
begrenzten Welwitschia mirabilis . Die Klassen der Nadel- oder Gabelblatt-Nacktsamer
sind die ausgestorbenen Cordaiten sowie die
Ginkgo-Verwandten
mit der einzigen rezenten Art
Ginkgo biloba und
die Coniferen oder Nadelgehölze. Zu diesen in der rezenten Flora mit etwa
800 Arten vertretenen Gruppe gehören die größten und ältesten Pflanzen der
Erde, der über 100 m hoch werdende
Mammutbaum
(
Seqiuodendron giganteum) und die fast 5000 Jahre
alt werdende Grannen-Kiefer (
Pinus longaeva).
Erst in jüngster Zeit wurden neue Nadelgehölz-Arten entdeckt: so in Australien
das Araucariengewächs
Wollemia nobilis und in
Nord-Vietnam das Zypressengewächs
Xanthocyparis vietnamensis.
Bedecktsamer (Angiospermophytina,
Magnoliophytina)
Die ersten
Bedecktsamer sind
vermutlich vor 150 Millionen Jahren im ausgehenden
Jura
entstanden. Schon im Laufe der Kreidezeit haben sie die Nacktsamer überflügelt.
Das entscheidende Merkmal der Bedecktsamer ist, dass die Samenanlagen in
einem oder mehreren Fruchtblätter eingeschlossen sind. Oft sind die Fruchtblätter
einer Blüte zu einem Stempel verwachsen, der gegliedert ist in Fruchtknoten,
Griffel und Narbe. Die Befruchtung setzt "Bestäubung" voraus. Hierzu muss
ein Pollenkorn auf die Narbe gelangen. Es keimt dort und der Pollenschlauch
wächst bis zur Samenanlage und dringt durch die Micropyle bis zur Eizelle
vor. Aus dem Fruchtknoten, teilweise auch aus weiteren Blütenteilen, entwickelt
sich bis zur Samenreife eine
Frucht.
Dieser besondere Schutz der Samenanlagen hat sich als großer Vorteil erwiesen.
Man kann vermuten, dass diese Verbesserung dazu geführt hat, dass die Bedecktsamer
schon im Laufe der Kreidezeit zur beherrschenden Pflanzengruppe der Erde
wurden. Die
Samenanlagen durch
den Einschluss in die Fruchtblätter nicht nur besser geschützt, mit der
Frucht ist ein neues, sehr plastisches Organ entstanden. Im Laufe der weiteren
Evolution entstanden daraus sehr vielfältige und effektive Verbreitungshilfen
für die Samen.
Normalerweise entwickeln sich - wie etwa bei der
Bohne - die Fruchtblätter oder das Fruchtblatt zur
Frucht.
In manchen Fällen werden aber auch andere Blütenteile in die Fruchtbildung
einbezogen, z. B. beim Apfel, dessen Fruchtfleisch zum großen Teil aus der
Blütenachse gebildet wird. Bei der Ananasfrucht werden sogar ganze Sprossabschnitte
zur Fruchtbildung mit verwendet.
Neben holzigen Gewächsen kommen bei Bedecktsamern in großer Zahl auch krautige
Lebensformen vor. Das
Stoffleitungssystem
ist stark differenziert. Im Xylem sind Tracheen (Leitungsbahnen mit aufgelösten
Querwänden) ausgebildet. Die Siebröhren für den Assimilatetransport sind
kernlos und besitzen besondere Geleitzellen. Seitenzweige entstehen immer
in der Achse von Tragblättern, die allerdings sehr hinfällig sein können.
Mit der großen Formenvielfalt der Angiospermen
geht auch eine große Vielfalt der Stoffwechselwege des sogenannten Sekundärstoffwechsels
und damit eine große Zahl von unterschiedlichen Inhaltsstoffen parallel.
Diese Stoffe dienen nicht nur dem Schutz vor Fraßfeinden, sondern auch der
innerartlichen und zwischenartlichen Kommunikation.
Bisher ist etwa eine Viertelmillion heute lebender Bedecktsamer beschrieben.
Diese große Artenfülle wird in mehr als 10.000 Gattungen und über 400 (von
manchen Systematikern auch in über 700) Familien gegliedert. Die verwandtschaftlichen
Beziehungen der verschiedenen Bedecktsamergruppen wird bis heute diskutiert.
Molekulargenetische Untersuchungen der jüngsten Vergangenheit haben eine
gewisse Klarheit gebracht. Dadurch wird die klassische Zweiteilung in "Einkeimblättrige"
und "Zweikeimblättrige" Bedecktsamer teilweise aufgehoben. Wie
aus dem
Kladogramm (gabeliger
Stammbaum, der aufgrund von Merkmalsvergleichen aufgestellt wurde) hervorgeht,
sind die klassischen "Einkeimblättrigen" danach näher mit einer
ursprünglichen Angiospermengruppe verwandt, zu der z. B. die Magnolienverwandten
gehören. Einzelne Bedecktsamer haben eine ausgesprochen isolierte Stellung
und müssten bei einer rein phylogenetischen Systematik eigentlich in eigene
Unterklassen gestellt werden.
Ursprüngliche
Bedecktsamer
Zu den
ursprünglichsten Bedecktsamern
gehören neben den Magnoliengewächsen die Seerosengewächse (Siehe Bild 9),
die Pfeffergewächse, die Osterluzeigewächse und die Lorbeergewächse. Obwohl
sie zwei Keimblätter ausbilden, sind sie mit den Einkeimblättrigen Bedecktsamern
näher verwandt als mit den anderen Zweikeimblättrigen.
Zweikeimblättrige
Bedecktsamer
Zu den
Zweikeimblättrigen Bedecktsamern
gehört die größte Zahl der rezenten Arten. Wichtige mitteleuropäische Familien
sind die Hahnenfußgewächse, die Nelkengewächse, die Kohlgewächse ("Kreuzblütler"),
die Rosengewächse, die Bohnengewächse ("Schmetterlingsblütler"),
die Taubnesselgewächse ("Lippenblütler"), die Braunwurzgewächse
("Rachenblütler"), die Selleriegewächse ("Doldenblütler")
und die Asterngewächse ("Korbblütler").Zu den
Einkeimblättrigen
Bedecktsamern gehören die Lilienverwandten mit den Orchideengewächsen,
die Grasgewächse, die Sauergrasgewächse und die Binsengewächse sowie die
tropisch-subtropischen Palmengewächse und die Aronstabgewächse.