Die Zeit in der Koch lebte
Epidemien gehörten über Jahrtausende zu den Geißeln der
Menschheit. Noch heute haben sie ihren Schrecken nicht ganz verloren.
Die Frage nach der Entstehung von Seuchen beschäftigte schon die
Gelehrten im Altertum und blieb bis in die Neuzeit ein zentrales Thema.
Es gab beispielsweise im 19. Jahrhundert noch Auseinandersetzungen zwischen
den Gelehrten darüber, ob die auslösenden Faktoren von Epidemien
in einem sogenannten Miasma, einem Gift- oder Pesthauch oder einem Contagium
animalum, einem belebten Ansteckungsstoff zu suchen seien.
Ausbildung und Heirat
ROBERT KOCH wurde am 11. Dezember
1843 als Sohn eines Bergmanns geboren. Er erhielt gemeinsam mit 12 Geschwistern
durch seine Mutter, einer ungewöhnlich klugen Frau, eine ausgezeichnete
Erziehung. Nachdem er das Gymnasium als Primus abgeschlossen hatte, begann
er in Göttingen Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren.
Er gab es später zugunsten eines Medizinstudiums auf, das er mit
dem Staatsexamen und Promotion beendete.
Im Juli 1867 heiratete ROBERT KOCH die Tochter eines Pfarrers, EMMY ADOLFINE FRAATZ, in Clausthal. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor. 1893 wurde die Ehe geschieden und KOCH heiratete die 17jährige HEDWIG FREIBERG in Berlin.
Ereignisse, die Kochs Leben beeinflussten
Zwei Ereignisse hatten großen Einfluss auf KOCHs Entwicklung: die
1866 in Hamburg grassierende Choleraepidemie
(er erlebte sie als Assistent am Allgemeinen Krankenhaus mit) und die
Erlebnisse als Arzt im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Sowohl
im Krankenhaus als auch im Feldlazarett musste KOCH nur zusehen, wie seine
Patienten trotz unermüdlicher Arbeit in Seuchenstationen und bei
der Wundbehandlung starben.
Landarzt in Wollstein und Forscher
1872 nahm er eine Landarztstelle in Wollstein (heute Wolsztyn) bei Posen
an und wurde bald der beliebteste Arzt des Kreises. Trotz hoher Belastung
durch seine Arztpraxis nahm er sich Zeit für seine Forschungen über
die Erreger des Milzbrandes.
Er untersuchte unermüdlich Blutproben milzbrandkranker Tiere. Die
mikroskopischen Bilder zeigten glashelle Stäbchen und fadenförmige
Gebilde. Könnten das die Erreger des Milzbrand sein, war seine Frage.
Wenn ja, dann müssten sie ausnahmslos im Milzbrandblut nachweisbar
sein.
Er versuchte in tagelanger Arbeit die Erreger in Reinkultur zu züchten, experimentierte mit weißen Mäusen und kam schließlich zur Erkenntnis, dass tote Bazillen keine Infektionen, lebende jedoch Milzbrand hervorrufen können. KOCH wies erstmals spezifische Krankheitserreger als Krankheitsursache nach. Bisher führte man Milzbrand auf "Miasmen", d. h. die Luft verunreinigende Gifte, zurück. Er erkannte auch, dass Milzbrandbakterien Dauerformen (Sporen) bilden, die im Körper wieder zu lebenden Bakterien werden.
1876 veröffentlichte er seine Forschungsergebnisse über den Erreger des Milzbrandes unter dem Titel "Die Ätiologie der Milzbrandkrankheit, begründet auf der Entwicklungsgeschichte des Bazillus Anthracis" in der Zeitschrift "Beiträge zur Biologie der Pflanzen". Diese Arbeit war von fundamentaler Bedeutung für die spätere Bakteriologie und Seuchenbekämpfung.
KOCH perfektioniert die Mikroskopie
In der Folgezeit gelang es KOCH, Bakterien durch Färbung besser sichtbar
zu machen und Dauerpräparate
und Mikrofotografien herzustellen. Dadurch gelang es, weitere Erreger
sichtbar zu machen, z. B. die von Wundbrand und der Blutvergiftung.
Obwohl seine Erkenntnisse eindeutig waren, konnten sich viele Wissenschaftler, unter ihnen RUDOLF VIRCHOW (1821 – 1902), damit nicht anfreunden. Doch davon ließ KOCH sich nicht entmutigen. Er forschte mit seinen Assistenten weiter und entdeckte im Laufe der Jahre weitere Erreger von Krankheiten, dazu gehörten u. a. die Erreger der Wundinfektionen.
Entdeckung des Tuberkelbazillus
1880 wurde KOCH zum ordentlichen Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes
zu Berlin berufen. Die Bedingungen waren dort weitaus besser als in seinem
bisherigen Labor.
1881 begann ROBERT KOCH dann mit der Bekämpfung der Tuberkulose. Er war überzeugt, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen wird. Deshalb versuchte er, den Erreger durch Tierversuche nachzuweisen, oder direkt unter dem Mikroskop. KOCH versuchte mit allen möglichen Methoden (alle möglichen Färbetechniken, Mikroskopsysteme, Ölimmersionstechnik, Temperaturen), die Erreger sichtbar zu machen. Er fand nichts. Er mischte Konzentrate, vermischte, übergoss Präparate ..., und endlich fand er die Bazillen, dünn und spindelförmige mit Krümmungen und Windungen strahlend blau gefärbt.
Die nächste Aufgabe bestand in der Reinzüchtung der Bazillen außerhalb des Körpers. Das dauert einige Wochen, bis es zu positiven Ergebnissen kam. Um den Übertragungsweg herauszufinden, baute KOCH einen Kasten, setzte Versuchstiere hinein und blies ein Spray mit tuberkulösen Stoffen in den Käfig. Alle Tiere erkrankten an Tuberkulose (auch Schwindsucht genannt). Damit war der Ansteckungswege klar: "Die Einatmung von Tröpfchen, die mit Tuberkelbazillen beladen waren".
Choleraexpedition nach Ägypten
und Indien
KOCH wurde im August 1883 zum Leiter der deutschen Choleraexpedition nach
Ägypten ernannt. Anfang Juni war dort Cholera ausgebrochen und britische
Ärzte hatten vergeblich versucht, diese zu bekämpfen. KOCH sezierte
sofort frische Choleraleichen und fand in der Darmwand kommaförmige
Bazillen. Diese fand er auch im Darminhalt von Erkrankten und Leichen.
Es gelang ihm und seinen Mitarbeitern jedoch nicht, Reinkulturen zu züchten
und Versuchstiere künstlich zu infizieren. Da die Seuche innerhalb weniger
Wochen aus unbekannten Gründen erlosch, verlagerte man das Laboratorium
nach Indien. Hier wollte man versuchen, das Rätsel um die Cholera
zu lösen. KOCH fand auch in Indien massenweise von den kurzen, kommaförmigen
Bazillen. Aber der Tierversuch gelang auch hier nicht.
KOCH erfuhr dann von zahlreichen an Cholera erkrankten Personen, die um einen kleinen sumpfigen Teich wohnten. Und hier fand er endlich, wonach er so lange gesucht hatte, den Infektionsweg. Er konnte nämlich beobachten, dass in dem Teich gebadet, Wäsche gewaschen und Wasser geholt wurde. Choleraerreger lieben Feuchtigkeit und besitzen keine Widerstandsfähigkeit gegen desinfizierende Mittel.
Ein Jahr später, im April 1884, traten die Ärzte die Heimreise aus Bombay an. Es war ihnen gelungen, die Cholera aufzudecken und eine erfolgreiche Bekämpfung anzubahnen. Wo immer jetzt Seuchengefahr bestand oder drohte, holte man ROBERT KOCH.
Erfolgreiche Bekämpfung anderer
Erkrankungen
1886 wurde KOCH zur Bekämpfung der Rinderpest
nach Afrika gerufen und konnte Millionen Rinder retten. Während der
Bekämpfung der Rinderpest in Afrika, brach in Indien die Menschenpest
aus. 1897 traf ROBERT KOCH dort ein, seine Schüler hatten aber schon
die Hauptarbeit geleistet. Dabei fand man auch den Übertragungsweg
der Pest heraus, und zwar werden die Pesterreger von Ratten übertragen.
Im gleichen Jahr (1897) begann KOCH mit der Erforschung der Malaria. Malaria galt über Jahrtausende als Sumpffieber. KOCH führte Chinin (ein aus der Rinde des Cinchorabaumes gewonnenes Mittel) zur Bekämpfung der Malaria ein und es gelang ihm, der Malaria Herr zu werden. (Chinin wurde zuvor schon gegen Fieber genutzt.)
In Deutschland brach dann im Ruhrgebiet Typhus aus. KOCH fand die beiden wichtigen Erregerquellen: das verunreinigte Trinkwasser und Bazillenträger. Bazillenträger sind scheinbar Gesunde, die Typhusbazillen ausscheiden. Nach KOCHs Vorschlägen wurde nun erstmalig eine Seuche systematisch bekämpft.
Ruhestand und Nobelpreis
Am 1. Oktober 1904 ging ROBERT KOCH in den Ruhestand. Er gab auch die
Leitung seines Institutes für Infektionskrankheiten in Berlin (später
Robert-Koch-Institut) ab. Sein Lieblingsschüler GEORG GAFFKY (1850 – 1918) wurde
sein Nachfolger.
Aber schon im Dezember des gleichen Jahres zog es KOCH wieder nach Afrika. Dort studierte er das Küstenfieber der Rinder, das afrikanische Rückfallfieber und die Trypanosomenkrankheiten.
Im Oktober 1905 erhielt ROBERT KOCH in Stockholm den Nobelpreis für Medizin.
Er kehrte nach Afrika zurück und erforschte die afrikanische Schlafkrankheit. In dieser Zeit wurde zur Bekämpfung der Tuberkulose eine Robert-Koch-Stiftung ins Leben gerufen. In kurzer Zeit wurde dafür 1 Million Mark gespendet.
Als ROBERT KOCH am 4. November 1907 nach Berlin zurückkehrte, wurde er mit Ehrungen überschüttet. 1908 erfüllte KOCH sich einen Lebenstraum und ging für ein halbes Jahr auf Weltreise. Nach der Rückkehr widmete er sich wieder seiner Tuberkuloseforschung.
Im April 1910 erkrankte KOCH, der seit Jahren an Angina pectoris litt, an einem schweren Anfall von Herzschwäche
und starb am 27. Mai 1910.