Man sollte annehmen,
dass nach dem Trinken von Zitronensaft oder Fruchtsäften die
dieser Säuren ein Ansäuern des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten
bewirken. Der pH-Wert müsste sinken. Weil eine solche Versäurerung
lebensgefährlich wäre, hat der Körper Sicherungssysteme eingebaut.
Obwohl ständig Wasserstoff- und Hydroxid-Ionen
in unterschiedlichen Mengen mit der Nahrung aufgenommen werden, besteht
im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten immer ein Säure-Base-Gleichgewicht.
Es handelt sich dabei um ein nach dem Massenwirkungsgesetz bestimmtes
Gleichgewicht von
das durch den pH-Wert angegeben werden
kann. Er beträgt 7,35 - 7,45 und bleibt in diesem Bereich konstant.
Das Blut stellt eine Pufferlösung dar. Pufferlösungen sind
Lösungen, in denen sich der pH-Wert auch bei Zugabe von Säuren
oder
Laugen
nur geringfügig verändert. Wichtige Pufferlösungen des
menschlichen Körpers sind der Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Ionen-Puffer,
Dihydrogenphosphat-Hydrogenphosphat-Ionen-Puffer sowie Proteine, die sowohl
saure als auch basische Gruppen enthalten (Hämoglobin). Ausschlaggebend
für die gute Pufferleistung des Kohlensäure-Puffers ist der
leichte Übergang der Kohlensäure in Kohlenstoffdioxid, der in
den roten Blutkörperchen stattfindet.
Das Säure-Base-Gleichgewicht wird in der Lunge und in den Nieren
geregelt. Einer Übersäuerung wirken Puffer wie
und Ammoniak
entgegen, d.h. die Ionen, die zur Übersäuerung führen,
werden von diesen abgefangen. Wichtigste Puffer
sind die Hydrogenkarbonat-Ionen
des Kohlensäure-Puffers, die der Übersäuerung oder dem
vermehrten Anfall von Basen durch Ausscheidung oder Resorption von
ins Blut entgegenwirken. An dieser Regelung sind Vorgänge beteiligt,
die zwischen Blutkapillaren, dem Tubus der henleschen Schleife (Einrichtung
der Harnkonzentrierung bei Vögeln und Säugern) und den Zellen
des Tubulus ablaufen.
Bei der Bildung von Primärharn im Nierenkörperchen durch Druckfiltration werden mit dem Blutplasma auch viele Salzionen aufgenommen:

Ein großer Teil dieser Ionen muss nun durch Rückresorption
zurück ins Blut gelangen, um zu den Organen transportiert werden zu
können.
Die Natrium-Ionen gelangen
durch aktiven Transport unter Energieverbrauch zurück. Hydrogenkarbonat-Ionen
gelangen ebenfalls zurück ins Blut und regeln dabei zusammen mit
Ammoniak und den
(Hydrogenphosphat-Ionen) das Säure-Base-Gleichgewicht.
Bei der Rückresorption laufen vier grundsätzliche Vorgänge
ab.
1. Aus dem Blut werden im Nephron
(Bauelement der Niere bestehend aus Malpighi-Körperchen (Nierenkörperchen;
Bowmansche Kapsel und Glomerulus), proximalem Tubulus, henlescher Schleife
und distalem Tubulus) vermehrt Hydrogencarbonat-Ionen
ausgeschieden. Durch aktiven Transport gelangen mit ihnen
ins Blut. Aus der Tubuluszelle gelangen
in die Tubulusflüssigkeit, die mit
angereichert ist. Beide reagieren zu Kohlensäure:

Diese zerfällt in Kohlenstoffdioxid und Wasser 
Beide Produkte diffundieren in die Tubuluszelle und werden durch ein Enzym wieder zu Kohlensäure:

Kohlensäure zerfällt in Wasserstoffionen und Hydrogenkarbonat-Ionen:

Das
wandert mit dem
ins Blut zurück. Wasserstoff-Ionen diffundieren in die Flüssigkeit
zurück, um weitere
zu binden und ins Blut zu bringen.
2. Fallen zu viel Wasserstoffionen
an, besteht die Gefahr der Übersäuerung des Blutes. Deshalb
müssen sie über die Nieren ausgeschieden werden. Die überschüssigen
werden
von Hydrogenphosphat-Ionen aufgenommen:

Diese bilden mit
Natriumdihydrogenphosphat, das mit dem Urin ausgeschieden wird:

Um die Bildung der Kohlensäure einzuschränken, wird ein Teil
des
ins Blut aufgenommen. Gleichzeitig werden
und
ins Blut rückresorbiert.
3. Überschüssige Wasserstoff-Ionen können auch direkt ausgeschieden werden.
4. Wenn zu wenig Hydrogenkarbonat-Ionen oder Phosphat-Ionen vorhanden sind, wird vermehrt Ammoniak aus Glutamin gebildet. Der Ammoniak fängt die Wasserstoff-Ionen ab und bildet Ammoniumionen:

Die Ammoniumionen werden mit den Chlorid-Ionen aus Natriumchlorid (Kochsalz, NaCl) als Ammoniumchlorid mit dem Urin ausgeschieden:

Durch diese vier Vorgänge werden die aus der Druckfiltration stammenden
Salze (Natriumhydrogenkarbonat, Natriumhydrogenphosphat und Natriumchlorid)
teilweise wieder rückresorbiert (Natrium-Ionen und Hydrogen-Ionen).
Das gebildete Natriumdihydrogenphosphat und Ammoniumchlorid werden ausgeschieden.