





Die Nährtoffspeicherung bei Pflanzen erfolgt überwiegend im Grundgewebe. Es zählt zu den Dauergeweben, in dessen fertig ausgebildeten Zellen kein Wachstum und keine Zellteilungen mehr statt finden. Aufgrund des Aufbaus dieses ursprünglich unspezialisierten Gewebes aus überwiegend parenchymatischen Zellen wird häufig der Begriff Parenchym (griech. parà ènchyma, dazwischengegossene Masse) gleichbedeutend mit der Bezeichnung Grundgewebe gebraucht.
Je nach Funktion unterscheidet man u.a. Speicher-, Assimilations-, Leit-,
Durchlüftungs-, und Wasserspeichergewebe. Es erfüllt die Aufgaben
der Stoffspeicherung und -leitung, der Fotosynthese und Atmung, der Durchlüftung
und auch der Regeneration.
Unterschiedliche Parenchyme unterscheiden sich vor allem in der Ausbildung
der Plastiden.
Haben sich Parenchymzellen unter Lichteinwirkung entwickelt, enthalten sie Chloroplasten, fand die Entwicklung im Dunkeln statt, besitzen sie stattdessen farblose Leukoplasten oder unvollständig entwickelte Chloroplasten. Parenchymzellen kommen in der gesamten Pflanze vor, vor allem aber in Mark und Rinde der Sprossachsen und Wurzeln, in Früchten, Samen sowie als Mesophyll der Laubblätter. Die Ausbildung von Speichergewebe erfolgt hauptsächlich durch Dickenwachstum der betroffenen Organe, bei welchem vorwiegend Speicherparenchym produziert wird. Aber auch beim sekundären Dickenwachstum des Holzes entsteht Speichergewebe im sekundären Holz.
Beim Stoffwechsel der Pflanzen entsteht eine Vielzahl von Stoffen, die
z. T. sofort weiterverwendet, z. T. aber auch gespeichert und
dann zu einem späteren Zeitpunkt erst verwertet werden. Als Speicherorte
dienen nun die Teile des Parenchymgewebes, welche als Speichergewebe ausgebildet
wurden.
In den Speicherzellen haben Reservestoffe
ihren eigenen Raum. So wird Zucker im Zellsaft, Öl und Protein im
Cytoplasma und Stärke in den Leukoplasten gespeichert.
Die großen, isodiametrischen, meist dünnwandigen Zellen des
Grundgewebes besitzen in der Regel große Vakuolen
(über 80 % des Zellvolumens), in denen der Hauptteil der Speicherung
erfolgt. Die Zellwände sind meist nicht sehr fest und dick gebaut,
um einen Stoffaustausch zu erleichtern. In den Stämmen der Bäume
können sie jedoch verholzt vorliegen. In dem Fall wird der Stoffaustausch
durch kleine Poren ermöglicht. Einen großen Anteil des Parenchymgewebes
nehmen die luftgefüllten Zwischenräume (Interzellularen) ein.
Ein weiteres Merkmal dieser Zellen ist der relativ hohe Tugor (Zellinnendruck).
Er ist verantwortlich für die Stabilität des Grundgewebes, die
ohne verdickte Zellwände nicht gewährleistet wäre. Ein
Tugorverlust in diesen Geweben führt zur Erschlaffung der Zellen
und zum Welken der Pflanzenorgane.
Viele der pflanzlichen Reservestoffe sind gleichzeitig wichtige Grundnahrungsmittel
des Menschen. Die wichtigsten sind: Kohlenhydrate (Stärke, Zucker),
Fette (Öle) und Proteine. Eine Einteilung der Nährstoffe erfolgt
nach der Molekülgröße der jeweiligen Substanz in Mikro-
und Makromoleküle. Zu den kleinen Stoffen zählen Ionen, organische
Säuren (bzw. ihre Salze), Zucker, eine Anzahl stickstoffhaltiger
Verbindungen (z. B. Aminosäuren, Alkaloide) u.a. Sie werden
meist in gelöster Form in den Vakuolen der Zellen gespeichert. Makromoleküle
sind Stärke sowie die Proteine. Makromoleküle gelangen aufgrund
ihrer Größe nur selten in die Vakuole. Sie werden als mikroskopisch
sichtbare Aggregate (Proteinkörper, Stärkekörner) im Plasma
deponiert.
Zucker und Stärke
gehören zu den Hauptprodukten der Fotosynthese. Zucker wird hauptsächlich
im Fruchtfleisch der Früchte gespeichert, was man oft an ihrem süßen
Geschmack erkennen kann. Stärkespeicherung erfolgt überwiegend
im Endosperm von Samen (Getreide), in Wurzeln, Blättern und Sprossachsen.
Dabei bilden die jeweiligen Organe typische Speicherformen aus.
1. Speichersprosse: Bei der Speicherung
in Sprossachsen unterscheidet man die zwei Formen: Rhizome und Sprossknollen.
Rhizome sind unterirdisch wachsende
Hauptsprosse mit schuppenförmigen Blättchen und sprossbürtigen
Wurzeln. Von ihnen ausgehend werden mit Hilfe der gespeicherten Reservestoffe
bei günstigen Lebensbedingungen oberirdische Sprosse ausgebildet.
Beispiele dafür sind Primeln, Schwertlilie, Anemone und Maiglöckchen.
Sprossknollen sind verdickte
Abschnitte von Sprossachsen, welche sich über und unter der Erde
befinden können (Krokus, Gladiole). Das wohl bekanntste Beispiel
für die Ausbildung unterirdischer Sprossknollen ist die Kartoffelpflanze.
Bei ihr wird an unterirdischen Seitensprossen das Knollenwachstum durch
Stauchung bestimmter Sprossabschnitte vollzogen. Aus den für uns
sichtbaren Augen auf einer Kartoffelknolle entstehen in der nachfolgenden
Vegetationsperiode neue Sprossachsen (Keime).
Die Kohlrabipflanze bildet zur Speicherung Sprossknollen an der oberirdischen
Hauptsprossachse aus. Hypocotylknollen (Hypocotyl = Abschnitt zwischen
Spross und Wurzeln) besitzt beispielsweise das Alpenveilchen.
2. Speicherblätter: Blätter,
die der Speicherung von Reservestoffen dienen, haben häufig die Form
einer Zwiebel.
Um die stark gestauchte Sprossachse sind am Blattgrund fleischig verdickte
Blätter angeordnet. Nach Form und Anordnung der beteiligten Blätter
unterscheidet man Schalen- und Schuppenzwiebeln. Schalenzwiebeln besitzen
große, röhrige Blätter, welche die ganze Achse umschließen
(Küchenzwiebel, Tulpe). Im verdickten unteren Blattteil findet die
Speicherung statt. Bei den Schuppenzwiebeln ist der Blattgrund schmal,
die Niederblätter sind die stark verdickten Speicherorgane (Knoblauch,
Knollenfenchel). Beim Lauch liegen die Zwiebeln als vegetative Vermehrungsorgane
in den Blütenständen.