




Energie brauchen
alle Lebewesen für die Ausführung ihrer Lebensfunktionen. Aufgenommen
wird die Energie über bestimmte Stoffe, die dann durch Umwandlung im
Organismus die benötigte Energie freisetzen bzw. herstellen. Für
Zeiten, in denen keine Ernährungsprodukte zur Verfügung stehen,
ist es für den Organismus überlebenswichtig, eine Energiereserve
zu besitzen, von welcher er nun zehren kann. Wo aber befindet sich dieser
Energiespeicher in den Organismen?
Energiespeicherung bei Pflanzen
Bei autotrophen Organismen sind die gebildeten Glycerinaldehyd-3-phosphatmoleküle
bzw. die Glucosemoleküle aus dem CALVIN-Zyklus Ausgangsstoff für
die Bildung weiterer organischer Stoffe. Unter anderem mit Hilfe von Mineralstoffen
werden dann Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße und andere organische Stoffe
(z. B. Alkaloide, organische Säuren, Nucleinsäuren u.a.) hergestellt,
welche den tierischen Organismen später als Energielieferanten dienen.
Pflanzen stellen ihre energiereichen
Substrate also selber her und verwenden sie dementsprechend auch gleich
als Energiereserve.
Da die Laubblätter selber einen ungünstigen Speicherort darstellen
(Fressfeinde), transportieren die Pflanzen den überwiegenden Teil
der Fotosyntheseprodukte (Glucose) aus den Laubblättern hinaus zu
Zellen, die nicht zur Fotosynthese befähigt sind. Damit die pflanzlichen
Energiespeicher nicht sofort durch heterotrophe Organismen wieder verbraucht
werden, liegen die Speicherorte meist in den Wurzeln
unter der Erde oder in verdickten bzw. verholzten Sprossachsen. Die Glucose
wird dort in Form von Stärke gespeichert.
Fette eignen sich bei Pflanzen weniger zum Energie speichern. Zum einen müssten sie die Pflanzen extra produzieren, zum anderen sind sie in ihrer Struktur nicht fest genug (Stärke sorgt gleichzeitig für Stabilität). Da Fett pro Gramm mehr Energiegehalt aufweist als Kohlenhydrate eignet es sich vor allem zum Speichern von Energie auf kleinem Raum. Deshalb sind viele Pflanzensamen eher fetthaltig, denn dort kann auf kleinstem Raum genügend Energie für das Austreiben der jungen Pflanze bereit gestellt werden.
Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße stellen als Nährstoffe
die wichtigsten Energieträger für die Lebewesen dar. Andere
entstehende Produkte, wie z. B. Vitamine, Ballaststoffe nehmen als Wirk-
und Ergänzungsstoffe in der täglichen Nahrung einen wichtigen
Platz ein.
Wie erfolgt innerhalb der autotrophen Organismen die Bildung von Kohlenhydraten,
Fetten und Eiweißen?
Bildung weiterer Kohlenhydrate
Die weiteren Reaktionsschritte der aus dem CALVIN-Zyklus entlassenen Glycerinaldehyd-3-phosphat-Moleküle
führen über die Bildung von Fructose-6-phosphat zu weiteren
Kohlenhydraten wie Glucose, Saccharose, Cellulose und Stärke. Glucose
wird vor allem in Früchten und Samen gespeichert und dient als
Ausgangsstoff für die Bildung anderer Kohlenhydrate. Glucose muss
dabei für die Herstellung von Saccharose, Cellulose und Stärke
erst besonders aktiviert werden (Bildung von ADP-Glucose). In Form der
Saccharose erfolgt der Transport der Kohlenhydrate
zum Ort des Verbrauchs oder der Speicherung. Cellulose findet als Baustoff
der Zellwände Verwendung.
Bei hoher Fotosyntheseleistung können zunächst 30 % der Fotosyntheseprodukte
in Form von Assimilationsstärke in den Chloroplasten gespeichert
werden. In der Dunkelheit erfolgt dann der vollständige Umbau der
Assimilationsstärke zur Transportform Saccharose. Stärke wird
als Energiereservestoff in Chloroplasten genauso wie in Amyloplasten gebildet
und gespeichert. Die zur Fotosynthese befähigten Bakterien stellen
im Cytoplasma Glykogen statt Stärke her. Glykogen wird sonst durch
heterotrophe Organismen (Pilze, Bakterien und Tiere) synthetisiert und
im Cytoplasma in Flockenform abgelagert.
Bildung von Fetten
Fette bestehen aus Glycerin und
Fettsäuren, die innerhalb der Pflanze gebildet werden müssen.
Die Herstellung von Fettsäuren kann im Cytoplasma, Chloroplast und
z. T. im Mitochondrium erfolgen. Ausgangsstoffe für die Bildung der
Fettsäuren sind Glycerinsäure-3-phosphatmoleküle als Primärprodukt
des CALVIN-Zyklus oder die Zitronensäure der Zellatmung unter Beteiligung
von aktivierter Essigsäure (Acetyl-CoA) als Startmolekül. Die
gebildeten Fettsäuren reagieren später in den Chloroplasten
mit Glycerin zu Ausgangsstoffen für die Bildung weiterer Neutralfette
oder anderer Lipide, z. B. Strukturlipide, Carotinoide, Lignin oder Kautschuk
(Bildung im Milchsaft).
Bildung von Eiweißen
Die Einzelbausteine der Eiweiße
(Proteine) sind Aminosäuren. Pflanzen verwenden Nitrate aus der Luft,
über die Knöllchenbakterien fixierten Stickstoff oder direkt
aufgenommene Ammonium-Ionen zur Bildung von Aminosäuren. Nitrate
müssen über Nitrit zu Ammonium-Ionen unter Beteiligung von Elektronen
des Fotosystems I reduziert werden, da nur Ammonium-Ionen das Element
Stickstoff für weitere Stoffwechselreaktionen bereitstellen kann.
Bei höheren Pflanzen findet die Herstellung von Aminosäuren
in den Plastiden unter Beteiligung von Redox-Ketten und der Bereitstellung
von Energie in Form von ATP statt (bei niederen Pflanzen teilweise im
Cytoplasma). Schmetterlingsblütengewächse, die mit Knöllchenbakterien
in Symbiose leben, produzieren aus dem Luftstickstoff über Ammonium-Ionen
grundlegende Aminosäuren, welche dann im Xylem mit dem Transpirationsstrom
zu anderen Orten weitertransportiert werden. Ein Knöllchen kann dabei
pro Tag 3- bis 10-mal seinen eigenen gebundenen Stickstoff umsetzen.
Die einzelnen gebildeten Aminosäuren
können ineinander umgewandelt und zu Eiweißen verknüpft
werden.
Die gebildeten Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße bzw. ihre Bausteine stellen dann die Grundlage für die Synthese anderer organischer Stoffe dar.
Immer mehr prägen Überlegungen zur Nutzung dieser pflanzlichen Energie für den Menschen die Arbeit von wissenschaftlichen Forschungsinstituten und Umweltvereinen.
Energiespeicherung bei Tieren
Alle tierischen Organismen von den Bakterien bis zum Menschen vermögen
Glucose über denselben Stoffwechselweg, die Glykolyse, abzubauen
und dabei ATP aus ADP zu regenerieren.
Das regenerierte ATP wird als Energielieferant für viele Stoffwechselreaktionen
gebraucht, jedoch kann es in dieser Form nicht vom Organismus gespeichert
werden. Die Folge einer großen ATP-Anreicherung in den Zellen wäre
ein erhöhter osmotischer Druck, der schließlich zum Zerplatzen
der Zellen führen würde. Deshalb können nur Stoffe gespeichert
werden, die Wasser unlöslich sind. Dazu zählen die Makromoleküle.
Es gibt 4 Gruppen von Makromolekülen: Nucleinsäuren, Proteine,
Kohlenhydrate und Fette. Die Nucleinsäuren und Proteine sind nicht
zur Energiespeicherung geeignet. Kohlenhydrate
und Fette eignen sich aufgrund ihrer Eigenschaften zur Speicherung
der chemischen Energie.