




Eustress wird durch Umweltbedingungen
oder innere Faktoren ausgelöst, die eine Leistungssteigerung vom
Individuum erfordern. Er aktiviert die Körperfunktionen ohne zu krankhaften
Veränderungen zu führen. Man könnte ihn also als "positiven"
Stress bezeichnen, ohne den ein Individuum sehr beeinträchtigt wäre.
Denn ohne solche anregenden Reize, die das Herzkreislaufsystem aktivieren,
den Wachheitszustand des Gehirns erhöhen, Thyroxin, Adrenalin- und
Cortisolausschüttung steigern, würden die verschiedenen Anforderungen
durch den Organismus nicht bewältigt werden können.
So wird beispielsweise die Vorbereitung der Abiturprüfung bei guter Planung, ausreichendem Schlaf, abwechslungsreicher Nahrung und gutem Ehrgeiz über den Eustress zur Mobilisierung aller Reserven führen.
Bei überhöhtem Leistungsdruck durch sich selbst, die Familie
oder die Schule, durch zu kurze Vorbereitungszeit, große Kenntnislücken,
wenig Schlaf oder einseitige Ernährung mit zusätzlichem Genuss-
und Arzneimittelmissbrauch kommt es zu Distress.
Distress entsteht durch Dauer-
oder Extrembelastungen, die nicht zu kompensieren sind und führt
so letztlich zur Schädigung des Organismus.
Die unmittelbaren Reaktionen auf Stressfaktoren laufen immer gleich ab:
Die Abgabe der Hormone Adrenalin und Noradrenalin erhöht die Schubkraft
des Körpers und Energiereserven werden durch Abbau von Zucker aus
Kohlenhydraten bereitgestellt. Der Organismus ist vollends auf eine körperliche
Aktivität in Form von Flucht oder Kampf vorbereitet und eingestellt.
Schauen wir uns diesen Vorgang am Beispiel des Stressors Lärmwirkung
an. In unregelmäßigen Abständen auftretender starker Lärm
(über 90 dB) erregt im Innenohr die Hörsinneszellen stark. Die
Erregungen werden vom Gehirn registriert. Der Lärm wird vom Menschen
als unangenehm und gefahrvoll empfunden. Die dabei entstehenden Erregungen,
die vom Gehirn ausgehen, lösen in dem Nebennierenmark eine verstärkte
Bildung und Abgabe der Stresshormone (Adrenalin, Noradrenalin) aus, d. h. es wird das Sympathikus-Nebennierenmark-System aktiviert. Die Hormone
werden in das Blut abgegeben und mobilisieren Energiereserven des Körpers,
erhöhen seine Empfindlichkeit und die Atemfrequenz, den Herzschlag
und den Blutdruck. Durch die erhöhte Aktivität der Organe muss
mehr Sauerstoff aufgenommen und transportiert werden. Gleichzeitig nehmen
Zucker- und Fettgehalt im Blut zu. Dadurch werden auch die "Brennstoffe"
zur Energiefreisetzung bereitgestellt. Der Körper hat in kürzester
Zeit auf volle Leistungsbereitschaft geschaltet. Die Leistungsbereitschaft
wird parallel auch durch die Stimulierung der Thyroxinausschüttung
gesichert.
Erlebt der Organismus diesen Ablauf häufig und in ansteigender Intensität,
kann der Stress zu körperlichen Schädigungen führen (Distress).
Allgemein kann der so entstandene Zustand als Alarmzustand
bezeichnet werden. Kurzzeitig auftretende Stressoren wirken in gleicher
Weise bei Wirbeltieren und sichern so z. B. eine sehr schnelle Flucht (Widerstandsstadium).
Kann die Stresssituation nicht beendet werden, wird zusätzlich die
Funktion der Nebennierenrinde beeinflusst (Langzeitstress).
Das vom Hypothalamus ausgeschüttete Releasing-Hormon fördert
in der Adenohypophyse die Ausschüttung des Adrenocorticotropen Hormons
(ACTH), das seinerseits in der Nebennierenrinde die Abgabe von Mineralcorticoiden
und Glucocorticoiden befördert, d. h. das Hypophysen-Nebennierenrinden-System
wird aktiviert. Mineralcorticoide beeinflussen den Mineral- und Wasserhaushalt.
Glucocorticoide mobilisieren Glucose aus dem Abbau von Proteinen und Fetten.
Damit werden alle Energiespeicher aufgebraucht (Erschöpfungsstadium).
Erschöpfungszustände, Störungen der Funktion des Gehirns,
Magengeschwüre, Bluthochdruck, Arteriosklerose und/oder Herzinfarkt
sind Erkrankungen bei Dauerstress. Stress ist aber wie schon erwähnt
auch abhängig von subjektiven Empfindungen. So empfinden Jugendliche
beispielsweise Diskolärm nicht als stressig (obwohl der Organismus
alle Anzeichen von Stress zeigt) und vermindern damit den emotionalen
Stress.
Die ältere Generation empfindet Diskolärm nicht nur wegen der
Lautstärke, sondern auch wegen des emotionalen Unbehagens als Stress.
Bei Tieren sind Beispiele für Erkrankungen mit Todesfolge als Reaktion auf zu große Lärmeinwirkung bekannt. Können die Stresssituationen beendet werden und ist der Krankheitsverlauf nicht fortgeschritten, führen wiederum Hormone zur Normalisierung der Körperfunktion. Auch sozialer Stress kann bei Tieren tödliche Folgen haben. Untersuchungen an Tupajas (Spitzhörnchen) zeigten über eine Erhöhung der Herzfrequenz und Aufstellung der Schwanzhaare ("Bürstenschwanz") deutlich die biosoziale Belastung des subdominanten Tiers. In Folge der Dauerbelastung durch das dominante Tier kommt es beim subdominanten Tier zu Herz- und Nierenversagen.
Stress kann auch durch Nichteinhalten elementarer Raumansprüche
entstehen. Die Mindestdistanz ist z. B. beim Menschen die Armlänge (seitlich ausgestreckten
Arme), bei Vögeln die Flügelreichweite und bei Schweinen die
rotierende Körperlänge.
In der modernen Nutztierhaltung und bei Tiertransporten müssen Mindestabstände
zur Stressvermeidung
eingehalten werden. Dabei sollte nicht nur die Fleischminderung durch
Stress ausschlaggebend sein.
Menschen geraten durch vielfältige Stressoren in krankmachende Stresssituationen. Um negativen Folgen vorzubeugen, ist eine individuell unterschiedliche Art der Stressbewältigung notwendig. Das können gemütliche Abende mit Freunden oder Familie, ein Ausflug ins Grüne oder aber Entspannungsübungen sowie ruhige Musik sein.