




In der Natur gibt es Symbiosen zwischen den verschiedensten Organismen. In allen Lebensräumen (Wasser, Land, Luft) finden sich Lebensgemeinschaften zwischen Bewohnern verschiedenster Gattungen, die teilweise in langer gemeinsamer stammesgeschichtlicher Entwicklung perfektioniert und modifiziert wurden. Bekannte Beispiele für Symbiosen sind u.a. der Bestäubungsdienst vieler Insekten bei Blütenpflanzen (Zoogamie), wofür sie im Gegenzug Nahrung in Form von Pollen bzw. Nektar erhalten; die Putzsymbiosen v.a. zwischen unterschiedlichen Fischarten (bei Landwirbeltieren beispielsweise zwischen Vögeln und Säugetieren), bei welchen der Symbiont das Maul des Wirtes von Parasiten und Nahrungsresten reinigt, die ihm gleichzeitig zur Ernährung dienen.
Eine der bekanntesten Symbiosen ist das Zusammenleben von Clownfischen
und Seeanemonen (Aktinien), welches darauf
beruht, dass die Anemonenfische die Seeanemonen reinigen und durch ihre
Farbe und abschreckenden Geräusche vor Fressfeinden beschützen,
wohingegen die Seeanemonen ihnen Schutz bieten, indem sie die Fische in
ihrem Inneren wohnen und sogar schlafen lassen. Die für andere Tiere
giftigen Stoffe der Seeanemone (Nesseltier) können den Clownfischen
nichts anhaben. Ebenso nutzen Einsiedlerkrebse die feindabwehrende Eigenschaft
der Aktinien und leben mit ihnen in enger Symbiose.
Für den Schutz der Krebse bekommt die Seeanemone regelmäßig
Nahrungsreste von ihnen.
Eine sehr eindrucksvolle Symbiose stellen die Flechten (Lichenes) dar. Bei dieser eigenen, etwa 16000 Arten umfassenden Pflanzengruppe handelt es sich um eine hoch entwickelte Symbiose zwischen Pilzen und Algen oder Cyanobakterien (= Blaualgen), welche einen dauerhaften, spezifisch gebauten Thallus ausbilden.
Auch Insekten, Bakterien, Archaeaceabakterien oder Pflanzen können
Mitglieder einer Symbiose sein. Eine der bedeutendsten Symbiosen zwischen
Pflanzen und Bakterien soll nachfolgend beschrieben werden.
Die Symbiose der Leguminosen
Beim Betreiben landwirtschaftlicher Nutzflächen gibt es eine strenge
Fruchtfolge. Niemals wird die gleiche Nutzpflanze, z. B. Mais, zwei Jahre
hintereinander auf dem gleichen Feld angebaut.
Da die meisten Pflanzen Stickstoffverbindungen aus dem Boden verbrauchen,
werden von Zeit zu Zeit sogenannte Stickstoffsammler angebaut. Diese
Funktion übernehmen Leguminosen
(Schmetterlingsblütengewächse) und sorgen dadurch wieder für
eine Stickstoffanreicherung im Boden. Deshalb werden Süßlupinen,
Luzernen, Puffbohnen und Klee als Futterpflanzen sowie Erbsen und Bohnen
als Gemüsepflanzen auf diesen Flächen angebaut. Manchmal dienen
Luzerne- und Kleefelder auch als Gründünger. Dann werden im
Herbst die Kulturen vollständig untergepflügt. Die verrottenden
Pflanzen verbessern die Bodenstruktur und reichern durch ihre Zersetzung
den Boden erneut mit Mineralsalzen an.
Zieht man am Ende einer Vegetationsperiode die Wurzeln einer Leguminose
aus dem Boden, findet man den Grund für diese Stickstoffanreicherung.
An den Wurzeln sind Verdickungen zu beobachten, sogenannte Wurzelknöllchen.
Sie entstehen, wenn Wurzelhaare durch Rhizobium-Bakterien infiziert werden.
Sie werden von den Wurzeln direkt angelockt, indem die Pflanze chemische
"Lockstoffe" ausscheidet. Auch Rhizobium
scheidet Stoffe aus, die das Wurzelhaar veranlassen, sich um die Bakterienkolonie
zu wickeln und sie ins Gewebe aufzunehmen. Gleichzeitig reagiert die Wurzelrinde
und das Perizykel des Zentralzylinders mit Zellteilungen, so dass sich
knöllchenförmige Wucherungen bilden. In ihnen eingeschlossen
sind die Bakterien.
Mit der Pflanze leben sie in einer echten Symbiose. Beide Partner profitieren
von der Gemeinschaft.
Rhizobium ist in der Lage, den Luftstickstoff
zu binden und der Pflanze zur Verfügung zu stellen. Die Pflanze ihrerseits
liefert den Bakterien organische Stoffe wie Kohlenhydrate. Auf diese Weise
gelangen Schmetterlingsblütengewächse an die größte
Stickstoffquelle der Natur - den Luftstickstoff
Alle
anderen Pflanzen sind auf die Nitrat-Ionen aus dem Boden als Stickstoffquelle
angewiesen.
Die jährlich von Mikroorganismen fixierte Menge an Luftstickstoff
wird auf
geschätzt.
Bleibt die Frage, welche besondere Eigenschaft hat Rhizobium, um den Luftstickstoff anzapfen zu können. Die Dreifachbindung zwischen den Stickstoff-Atomen der Luft ist sehr stabil und gegen chemische Angriffe widerstandsfähig. Seine Reaktionsträgheit ist ausgeprägt. Für die Stickstoff-Fixierung besitzt Rhizobium ein Enzymsystem mit mehreren Redoxzentren. Davon ist der Nitrogenase-Komplex der wichtigste. An ihm laufen die Reduktionen ab.
Er besteht aus einer Reduktase. Sie liefert Elektronen aus dem reduzierten
Ferredoxin, welches bei der Fotosynthese entsteht. An die Reduktase ist
die Nitrogenase gekoppelt. Sie verwendet die Elektronen, um
in
(Ammoniak)
umzuwandeln.
Die Elektronenlieferung erfordert viel Energie (ATP):

Der Nitrogenase-Komplex ist außerordentlich anfällig für
Sauerstoff, der den Enzymkomplex inaktiviert.
Um das zu verhindern, haben Leguminosen das Leg-Hämoglobin ausgebildet.
Es besitzt eine ähnliche Struktur wie das Hämoglobin des Blutes
und bindet ebenfalls Sauerstoff. Er ist notwendig, um über die Zellatmung
genügend ATP für die N-Fixierung bereitzustellen. Noch wichtiger
ist jedoch, dass Leg-Hämoglobin den freien Sauerstoff bindet, so
dass der Nitrogenase-Komplex nicht gehemmt wird.
Leg-Hämoglobin wird
von beiden Organismen, der Pflanze und den Bakterien, gebildet.
Das entstandene Ammoniak gelangt nun als
(Ammonium-Ion) in den Stoffkreislauf der Bakterien und wird in eine Aminosäure
(Glutamin) umgewandelt. Diese Aminosäure gelangt ins Xylem der Pflanze
und steht ihr zur weiteren Verwendung zur Verfügung.
Darüber hinaus spielen bei allen Stoff- und Energieflüssen symbiontische Beziehungen eine entscheidende Rolle. Die enge Partnerschaft zwischen Pilzen und Pflanzen, Pilzwurzel oder Mykorrhiza genannt, besteht vermutlich schon seit der Entstehung der ersten Landpflanzen im Silur. Heute nehmen die Mykorrhizapilze zwischen 10 und 20 % der fotosynthetischen Primärproduktion von Pflanzen direkt auf. Für die erfolgreiche Behauptung von Gefäßpflanzen in teresstrischen Lebensräumen dürften Mykorrhizen eine entscheidende Bedeutung haben.
Besondere Bedeutung haben sie für den Phosphor- und Stickstoffhaushalt,
da sie kurzschlussartige Verbindungen zwischen organischen Abfallstoffen
und Primärproduzenten herstellen und so den Export dieser Elemente
aus Ökosystemen deutlich verringern. Schließlich können
Pilze auch tierliche Eiweißquellen für höhere Pflanzen
erschließen. Der Zweifarbige Lacktrichterling (Laccara bicolor)
"frisst" beispielsweise Springschwänze. Da der Lacktrichterling
mit Waldbäumen eine Mykorrhiza
eingeht, werden die tierlichen Stickstoffverbindungen über den Pilz
an die Bäume weitergegeben.