




Die Teepflanze
Der botanische Name der Teepflanze
hat sich mehrfach geändert. CARL VON LINNÉ nannte sie 1753
zuerst Thea sinensis, gab aber später
diesen Namen zugunsten zweier Arten, Thea bohea
und Thea viridis auf. Der korrekte botanische
Name für die Art lautet heute Camellia sinensis.
Sie tritt in zwei Unterarten auf: Camellia sinensis
var. sinensis (Chinatee) und Camellia sinensis
var. assamica (Assamtee).
Die Assamteepflanze ist ein kegelförmiger, bis zu zehn Meter hoher Baum. Er verträgt keine niedrigen Temperaturen und ist auf hohe Luftfeuchtigkeit und häufige Niederschläge angewiesen. Die Chinateepflanze hingegen ist ein ca. drei Meter hoher Strauch, der leichten Frost, längere Trockenperioden und niedrige Luftfeuchtigkeit erträgt. Die heutigen Teesorten sind meistens Kreuzungen beider Unterarten. Sie werden in Kultur durch Schnitt klein gehalten, um die Ernte zu vereinfachen. Die lanzettförmigen, immergrünen, ledrigen Blätter der Teepflanze sind wechselständig angeordnet und vier bis zehn Zentimeter lang. Die weißen, drei Zentimeter großen Blüten entstehen an den Blattachseln und liefern rundliche Kapseln mit bis zu drei braunen, rundlichen Samen.
Die Pflanze benötigt ein mildes Klima mit Temperaturen zwischen
18 und 28 °C und regelmäßige Niederschläge
von ca. 2 000 mm. In Höhenlagen von 500 bis 2 000 Metern
liefert der Tee die besten Erträge. Die Vermehrung erfolgt über
Stecklinge, die zu ca. ein Meter hohen, reich verästelten Sträuchern
gezogen werden und vom vierten bis zum zwölften Jahr Erträge
liefern.
Ernte und Verarbeitung
Zur Ernte werden normalerweise die
Blattknospe und die beiden nächsten Blätter von Hand gepflückt.
Da die Pflanze dadurch geschwächt wird, kann man nur in bestimmten
Intervallen pflücken, die je nach Klima und Düngung unterschiedlich
ausfallen und meistens zwischen zehn und vierzehn Tagen liegen. Die Teeblätter
sind nicht lange haltbar und müssen direkt nach der Ernte weiterverarbeitet
werden. Hierbei unterscheidet man die Verarbeitung zu schwarzem und zu
grünem Tee.
Schwarzer Tee durchläuft hierbei die
Arbeitsschritte Welken, Rollen, Fermentieren, Trocknen und Sieben/Sortieren.
Zuerst werden die Teeblätter auf Trockengestellen acht bis zwölf
Stunden zum Welken ausgebreitet. Dabei verlieren sie bis zu 40 %
ihres Frischgewichts an Wasser und erschlaffen. Beim darauffolgenden
Rollen werden die Zellwände der Blattzellen mithilfe von rotierenden
Zylindern aufgebrochen. Die Zellflüssigkeit kommt dadurch mit Luftsauerstoff
in Berührung, wodurch die Fermentation in Gang gesetzt wird. Die
Fermentation des ausgetretenen
Zellsafts dauert zwei bis drei Stunden. Die Blätter werden hierzu
auf Tischen oder in großen Wannen ausgebreitet und gelegentlich
befeuchtet. Der Teamaker prüft ständig
den Stand der Fermentation, wovon die Qualität des Tees in hohem
Maße abhängig ist. Das Ende der Fermentation wird durch den
Geruch und die kupferrote Farbe der Teeblätter angezeigt. Danach
wird der Tee in Etagentrocknern mittels Heißluft bei ca. 85 °C
getrocknet, dabei wird seine Farbe immer dunkler.
Zuletzt werden die Teeblätter noch nach Blattgraden sortiert. Hierbei unterscheidet man Flowery Orange Pekoe (nur Blattknospen), Orange Pekoe (Knospen und oberstes Blatt), Pekoe Souchong (das zweite Blatt) und Souchong (gröbste Blattsortierung). Daneben gibt es noch die Broken Teas, die aus den beim Rollen zerbrochenen Blättern bestehen (Broken Orange Pekoe etc.), sowie Fannings und Dust, sehr kleine Blattteilchen, die in Teebeuteln Verwendung finden.
Der grüne Tee durchläuft die Stationen Dämpfen oder Rösten, Rollen und Trocknen. Nach dem Pflücken werden die Teeblätter kurz über siedendem Wasser gedämpft bzw. in großen Trommeln oder Pfannen über Feuer geröstet. Dadurch wird der Fermentationsprozess verhindert, und die Farbe der Blätter bleibt erhalten.
Berühmte Teesorten
Darjeeling ist eine Stadt
in Westbengalen (Indien), die dem gleichnamigen Tee den Namen gab. Die
Darjeeling-Plantagen liegen in 2 000 Metern Höhe am Südhang
des Himalajas. Hier wachsen die edelsten und teuersten Tees der Welt.
Man unterscheidet hier auch noch die Tees der Frühjahrsernte (first
flush) mit leichtem, blumigem hellen Aufguss und die Tees der
Sommerernte (second flush) mit kräftigerem
und würzigerem Aufguss.
Assam ist eine Provinz in Indien, die ebenfalls an den Himalaja anstößt. Im Hügelland und am Abhang des Gebirges liegt das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Assam-Tees sind schwer, würzig und dunkel. Dooars ist eine Provinz Indiens westlich von Assam, die ganz ähnliche Tees liefert.
Auf Ceylon (Sri Lanka) wird Tee
angebaut, seit 1867 die Kaffeepest die dortigen Plantagen vernichtete.
Der Geschmack ist etwas derb, der Aufguss golden. Die Teeplantagen auf
Java liegen auf den Vulkanböden des Pengalengan-Plateaus.
Sie liefern einen fruchtigen hellen Tee.
Die Inhaltsstoffe des Tees
Die Blattknospen und Blätter der Teepflanze enthalten zwischen
1 % und 5 % Koffein (früher
fälschlich als Teein bzw. Tein bezeichnet), kleinere Mengen an
Theophyllin und Theobromin,
ätherische Öle und 7 % bis 12 % Gerbsäuren.
Beim Aufbrühen des Tees werden in den ersten zwei Minuten 75 %
des Koffeins und der beiden eng verwandten Substanzen Theobromin und
Theophyllin extrahiert. Bei längeren Brühzeiten gehen auch
die Gerbsäuren in Lösung und bilden zusammen mit dem Koffein
eine schwer lösliche Verbindung, die sich beim Kälterwerden
des Tees als Haut auf der Oberfläche abzeichnet. Der Koffein-Gerbsäure-Komplex
wird vom Körper kaum noch resorbiert, sodass die Wirkung des Koffeins
ausbleibt.
Koffein (1,3,7-Trimethylxanthin)
stimuliert das Zentralnervensystem, beschleunigt die Herztätigkeit,
erhöht den Blutdruck und die Durchblutung und wirkt harntreibend.
Manchen Teesorten werden auch Duft- und Geschmacksstoffe zugesetzt. Earl-Grey-Tee
enthält beispielsweise Bergamotteöl, den Duftstoff der Bergamotte,
einer Zitrusfrucht, und Jasmintee enthält Jasminblütenblätter.
Geschichte des Tees
Die Heimat der Teepflanze ist höchstwahrscheinlich in Assam (Indien)
und in Yünnan (Südchina) gelegen. Die erste schriftliche Erwähnung
des Tees stammt aus dem chinesischen Buch Ben-cao aus der Zeit um 2700 v. Chr.;
um 500 n. Chr. gelangte der Tee nach Japan (erster schriftlicher
Beleg aus dem Jahre 729 n. Chr.), und später wurde dann
die Teezeremonie in den Zen-Klöstern entwickelt. Die ritualisierte
Teezubereitung dient auch heute noch als Übung auf dem Weg zur
Erleuchtung.
Nach Europa fand der Tee zunächst über arabische Händler.
Ab 1610 brachten holländische Schiffe Tee von Japan und China.
1669 gründeten die Briten die East
India Company zum Zweck des Teehandels. Ab dem frühen 19. Jahrhundert
segelten die berühmten Teeclipper
um Afrika herum nach Europa. Als der Sueskanal 1869 eröffnet wurde,
konnten auch Dampfschiffe die um 7 000 km kürzere Strecke
bewältigen.
Ab dem 17. Jahrhundert wurde Tee auch auf dem Landweg von China
aus über Russland nach Europa transportiert. Dieser russische Karawanentee
war von besserer Qualität als der auf dem Seeweg beförderte
Tee, der unter den feuchten, muffig riechenden Laderäumen der Schiffe
zu leiden hatte.
Die britischen Einwanderer brachten den Tee mit nach Neuengland, und er fand immer mehr Liebhaber. In den gehobenen Schichten waren damals Teapartys recht beliebt; 1760 stand Tee auf Platz drei der nach Neuengland importierten Güter. Als England die Teesteuer erhöhte (um die Finanzkrise, in die der Siebenjährige Krieg das Land gerissen hatte, zu überwinden), kam es in den amerikanischen Kolonien zu Unruhen, die in dem Überfall von als Mohikaner verkleideten Freimaurern aus Boston gipfelten. Sie enterten am 16. Dezember 1733 die Schiffe der East India Company, die im Hafen von Boston vor Anker lagen, und warfen 342 Kisten Tee über Bord. Dieser Überfall, der als Boston Tea Party in die Geschichte einging, war ein Vorbote des amerikanischen Freiheitskriegs von 1776.
Heute sind die wichtigsten Nachfrageländer Großbritannien,
die GUS, Japan, Pakistan, die USA und Ägypten. Deutschland importierte
im Jahr 2007 rund 48 406 Tonnen Tees. Der Pro-Kopf-Verbrauch
lag hier 2009 im Durchschnitt bei ca. 25 Litern, wobei in Ostfriesland mit rund 290 l Pro-Kopf-Verbrauch sogar mehr Tee getrunken wird als in England oder Irland, wo er als Nationalgetränk gilt.