
Proteinbiosynthese
bei Pro- und Eukaryoten
Prinzipiell stimmen die beiden Mechanismen Transkription und Translation
bei allen Organismen überein. Bedingt durch den unterschiedlichen Grad
der Kompartimentierung bei Pro- und Eucyt gibt es aber auch Unterschiede.
Transkription leitet sich von dem lateinischen
Word transcriptio ab und bedeutet Umschrift.
Translation kommt von translatio
und ist als Übersetzung zu verstehen.
Bei dem bakteriellen Procyt befinden
sich DNA und Ribosomen im Cytoplasma, d. h., es existiert keine räumliche
Trennung der Prozessebenen Transkription (an der DNA) und Translation
(an den Ribosomen). Ein fließender Übergang zwischen den Reaktionsgefügen
ist dadurch gewahrt. Noch während die RNA an der DNA transkribiert
wird, können Ribosomen das sich bildende RNA-Molekül translatieren.
Bei dem Eucyt erfolgt durch das
Vorhandensein der Kernmembran eine räumliche und zeitliche Trennung.
Während die Transkription im Zellkern realisiert wird, findet die
Translation im Cytoplasma statt. Das bedeutet, dass das Transkript (RNA)
erst über die Kernporen zu den Ribosomen transferiert werden muss.
Im Vorfeld wird die transkribierte RNA einem Processing unterzogen, d. h.,
die primäre RNA-Nucleotidsequenz wird in vielfältiger Weise
modifiziert.
Transkription
Durch die Transkription
werden die Nucleotidsequenzen der Gene in Form einzelner RNA-Ketten kopiert.
Dabei wird der Matrizenstrang der DNA durch die katalytische Wirkung des
Enzyms RNA-Polymerase komplementär durch aktivierte RNA-Nucleotide
ergänzt, sodass eine Abschrift des zu exprimierenden Gens entsteht.
Die gebildete mRNA (messenger-RNA, Boten-RNA) verschlüsselt somit
in Form ihrer spezifischen Nucleotidsequenz die Syntheseanweisung für
die Aminosäuresequenz eines zu bildenden Proteins.
Ablauf der Transkription:
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1.
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Bindung der RNA-Polymerase an die DNA |
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2.
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Initiation:
Bildung eines Promotorbereichs zwischen Polymerase und DNA
Lösen der Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Basen
Entstehung eines offenen Promotorkomplexes
RNA-Polymerase liest nur den Matrizenstrang (codogener Strang) |
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3.
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Elongation:
Start der RNA-Synthese
komplementäre Anlagerung der ersten Nucleosidtriphosphate und
Verknüpfung unter Freisetzung von Pyrophosphat
Wanderung der RNA-Polymerase entlang des codogenen Strangs in 3'
5'-Richtung |
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4.
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Termination:
Stopp der Transkription durch Terminatorsequenzen
Ablösen des Transkripts von der DNA
Lösen der RNA-Polymerase
Bindung der DNA-Einzelstränge zur Doppelhelix |
Produkte der Transkription sind einzelsträngige RNA-Moleküle, die zum codogenen Strang der DNA-Matrize komplementär sind. Alle RNAs werden nach dem Matrizenmuster der DNA synthetisiert. Neben der messenger-RNA sind dies die tRNAs und rRNAs, die für den Ablauf des Translationsprozesses von ausschlaggebender Bedeutung sind.
Prozessierung der mRNA bei Eukaryoten
Die gebildeten Primärtranskripte durchlaufen im Zellkern des Eucyten
einen Reifungsprozess zu funktionsfähigen,
d. h. translationsfähigen mRNA-Molekülen. Kurz nach, zum Teil aber bereits während der Transkription
wird die mRNA durch mehrere parallel verlaufende, gekoppelte Reaktionen
prozessiert. Unabdingbar ist dabei der Prozess des "Spleißens"
- das Herausschneiden intervenierender Sequenzen (Introns)
sowie die Verknüpfung der translationsfähigen Sequenzen (Exons).
Das Capping sowie die Polyadenylierung erhöhen zwar die Effizienz
der Translation, sind aber nicht zwingend erforderlich. Dabei werden sowohl
das 5'-Ende (Capping) als auch das 3'-Ende der mRNA (Polyadenylierung)
chemisch verändert.
Das Beispiel des Ovalbumingens verdeutlicht den Mosaikcharakter eukaryotischer Gene. Die grün markierten Introns werden durch Spleißen in mehreren Schritten entfernt. Das zur Translation fähige Transkript besteht nur noch aus 1 872 der ursprünglich 7 700 Nucleotide.
Translation
Während der Translation
werden die proteinogenen Aminosäuren durch Peptidbindung zu unverzweigten
Polypeptidketten verknüpft. Die Nucleotidsequenz des mRNA-Moleküls
bestimmt die Aminosäuresequenz des Polypeptids. Die Übersetzung
der Nucleinsäure-"Sprache" in die Protein-"Sprache"
wird durch Translater, die Ribosomen, sowie durch spezielle Adapter,
die Transfer-RNAs, garantiert.
Jede aminosäurespezifische Transfer-RNA
wird im Cytoplasma mit dem jeweiligen Proteinogen beladen. Die Koppelung
der Aminosäuren an ihre tRNA erfolgt unter katalytischer Wirkung
von Aminoacyl-tRNA-Synthetasen. Diese Enzyme besitzen eine außerordentlich
hohe Substratspezifität. Das Ribosom sichert mit seiner kleinen Untereinheit
das Einfädeln und Binden der mRNA,
während über die große Untereinheit die katalytische Aktivität
für die Ausbildung der Peptidbindungen gesichert wird. Die eindeutige
Zuordnung der tRNAs ist durch das komplementäre Verhältnis von
Anticodon und Codon gewahrt.
Die folgende Schilderung des Verlaufs orientiert sich an der bakteriellen
Proteinbiosynthese. Die Einzelschritte
verlaufen bei Eukaryoten nach einem ähnlichen Modus, sind aber komplexer.
Das allosterische
Dreistellenmodell vermittelt den derzeitigen Stand der Forschung auf
diesem Gebiet.
An einem mRNA-Molekül werden gleichzeitig mehrere Polypeptide synthetisiert,
da nach Verlassen der Initiationsregion sofort weitere Ribosomen binden.
Die Ribosomengruppen werden als Polysomen bezeichnet. Schon vor Beendigung
der Peptidsynthese beginnen sich die Ketten zur Sekundär- und Tertiärstruktur
zu falten. So entstehen Proteinmoleküle mit spezifischer biologischer
Funktion.