Seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde eine Vielzahl von genetisch-molekularbiologischen Verfahren entwickelt, die Voraussetzungen für die Gentechnik schufen.
Restriktasen und Ligasen
Bei allen wichtigen Verfahren der Gentechnik werden Erbmoleküle entweder
getrennt oder zusammengefügt. Da auf molekularer Ebene aber keine
mechanischen Werkzeuge funktionieren, nutzen die Genetiker hier bakterielle
Enzyme. Restriktionsenzyme
(Restriktasen) zerschneiden und Ligasen verbinden DNA-Moleküle.
Gelelektrophorese
Bei der Gelelektrophorese
werden in die Vertiefungen eines Gels (z. B. Agarose-Gel) DNA-Fragmente
eingefüllt. Diese wandern nach Anlegen einer elektrischen Spannung
zur Anode. Die größeren DNA-Stränge wandern langsamer
als die kleineren. So erhält man Bandenmuster, die unter analytischen
Gesichtspunkten verglichen werden können (DNA-Fingerprinting).
Die DNA einzelner Banden kann für weitere Untersuchungen entnommen
werden.
Hybridisierung
Wenn doppelsträngige DNA auf über 90 °C erhitzt wird, denaturiert
das Molekül. Es zerfällt in Einzelstränge. Anschließendes
Abkühlen führt zur Renaturierung. Die Stränge verbinden
sich wieder. Das Zusammenlagern von unterschiedlichen Nucleinsäuresträngen,
die aber z. T. komplementäre Basensequenzen besitzen, wird als Hybridisierung
bezeichnet. Dabei können sich DNA- oder RNA-Moleküle miteinander
verbinden.
Je mehr Basenpaare in den hybridisierten Doppelsträngen komplementär
sind, umso mehr Wasserstoffbrückenbindungen werden zwischen den Stickstoffbasen
ausgebildet, die wiederum das Hybrid stabilisieren.
Bekannte zur Hybridisierung eingesetzte Sequenzen werden als Sonden
oder Marker bezeichnet. Sie sind in
der Regel mit einem Fluoreszensfarbstoff oder radioaktiv markiert.
Die Hybridisierungstechnik kann zur Beantwortung einer Reihe von Fragestellungen dienen:
Polymerase-Kettenreaktion (PCR)
Die Entwicklung der Polymerase-Kettenreaktion
(engl.: polymerase chain reaction, PCR) im Jahr 1983 durch KARY B. MULLIS
war ein bedeutender Schritt in der gentechnischen Forschung. Diese Methode
ermöglichte es, DNA schnell und relativ einfach zu vervielfältigen.
Das Verfahren ist mit der identischen Replikation vergleichbar.
Als Ausgangsstoffe werden die DNA-Probe, die vier Stickstoffbasen in Form
von DNA-Nucleotiden (dATP, dTTP, dGTP, dCTP) und Primer (20-30 Nucleotide
lange Startersequenzen) benötigt. Eine hitzestabile DNA-Polymerase der Bakterienart
Thermus aquaticus, aus heißen Quellen des Yellowstone National Parks
in den USA, katalysiert die Kettenreaktion.
Bestimmte DNA-Abschnitte können selektiv vermehrt werden, wenn die
ausgewählten Primer komplementär zu den Anfängen des betreffenden
DNA-Fragments sind.
Der dargestellte einzelne Zyklus der PCR (Bild 6), er dauert in der Regel wenige Minuten, wird 30- bis 40-mal in einem Automaten durchlaufen. Die DNA-Menge vermehrt sich um den Faktor 230-240. Eine noch stärkere Vervielfältigung ist nicht sinnvoll, da auftretende Replikationsfehler sich dann anhäufen. Noch größere DNA-Mengen können nur durch die aufwendigere Technik der Klonierung gewonnen werden.
DNA-Sequenzierung
Die Entwicklung von Routineverfahren zur DNA-Sequenzierung
war einer der größten Fortschritte der genetischen Forschung
in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. WALTER GILBERT (geb. 1932)
und A. MAXAM entwickelten 1977 die Dimethylsulfat/Hydrazin-Methode.
FREDERICK SANGER (geb. 1918) und A. COULSON entwickelten ihre Methode
1975. Jetzt war es möglich, mit relativ geringem Aufwand die DNA
zu lesen. Heute sind die Verfahren weitestgehend automatisiert. Am weitesten
verbreitet ist die Kettenabbruch- bzw. Didesoxymethode
nach F. SANGER und A. COULSON.
Voraussetzung für das Kettenabbruchverfahren sind einsträngige
DNA-Fragmente. Der Ablauf der Sequenzierung ähnelt der Polymerase-Kettenreaktion.
Die Einzelstränge dienen der DNA-Polymerase als Matrize zur Synthese
eines komplementären zweiten Strangs. Neben den "normalen",
Ketten verlängernden Nucleotiden enthält die Reaktionsmischung
aber auch modifizierte Nucleotide, an denen sich kein neues Nucleotid
anheften kann.
Bei Bindung dieser veränderten Nucleotide bricht die Kettenreaktion
ab. Mit gleicher Wahrscheinlichkeit erfolgt der Kettenabbruch an jedem
Nucleotid. Für jedes Didesoxynucleotid gibt es eine eigene Reaktionsmischung.
Die entstandenen Fragmente werden im Anschluss gelelektrophoretisch, nucleotidgenau
getrennt. Das entstandene Bandenmuster entspricht der DNA-Sequenz.