

Nach der Befruchtung dauert es ca. sechs Monate, bis die Kakaofrüchte (Beeren) ausgereift sind. Die 15 bis 20 Zentimeter langen gurkenförmigen Früchte mit Längsrillen verfärben sich von grün über gelb nach rotbraun. Unter der ledrigen Außenhaut (Perikarp) sitzt das sauer schmeckende Fruchtfleisch, in das die 25 bis 60 kaffeebohnengroßen, weißlichen Samen mit Speicherkeimblättern eingebettet sind. Kakaobäume tragen nach vier Jahren erste Früchte. Sie benötigen für ihr Wachstum eine hohe Luftfeuchtigkeit, ca. 1 500-2 000 mm Niederschlag pro Jahr und eine mittlere Jahrestemperatur von 24-28 °C. Der relativ kleine Kakaobaum wächst im Schutz der wesentlich höheren Bäume heran, die Wind und allzu viel Sonne abhalten.
Kakaoanbau heute
Der Kakao stammt ursprünglich
aus dem tropischen Südamerika. Inzwischen wird er fast überall
auf der Welt zwischen 13° nördlicher Breite und 13° südlicher
Breite angebaut. Besondere Zentren des Kakaoanbaus sind Mittel- und Südamerika,
Westafrika, Indien und Südostasien. Westafrika liegt hierbei mengenmäßig
ganz vorne.
Es gibt viele Zuchtformen von Theobroma cacao,
beispielsweise Criollo, Amazonasforastero, Trinitaro
etc., die weltweit angebaut werden. Die Kakaobäume sind wind- und
sonnenempfindlich, sodass die Kakaoplantagen mit Schutzpflanzungen versehen
sind. Ab dem fünften Jahr werden Kakaobäume abgeerntet. Sie
liefern zwischen 200 und 1 200 Kilogramm Kakaobohnen
pro Hektar Anbaufläche im Jahr.
Die reifen Kakaofrüchte werden bei der Ernte von Hand mit Macheten
abgeschlagen und geöffnet. Die weißlichen Kakaobohnen werden
entnommen, in Kästen gegeben und mit Palmblättern abgedeckt.
Jetzt setzt ein Fermentationsprozess
ein, der in fünf bis zehn Tagen abgeschlossen ist, die Bohnen braun
färbt und das typische Kakaoaroma
entstehen lässt. Danach werden die Kakaobohnen einige Tage in der
heißen Tropensonne getrocknet, bevor sie als Rohkakao
in Jutesäcke verpackt ihren Weg in die Verarbeitungsländer
antreten.
Vom Rohkakao zum Kakaopulver und zur
Schokolade
Die Weiterverarbeitung des Rohkakaos erfolgt meistens nicht in den Anbauländern.
In den Niederlanden wird weltweit die größte Menge Kakao verarbeitet.
In den Weiterverarbeitungsländern werden die Kakaobohnen zuerst gereinigt und dann bei 90-140 °C ca. eine halbe Stunde lang geröstet. Dadurch wird die Schale der Kakaobohnen spröde, der Kern mahlfähig, bittere Gerbstoffe werden umgewandelt und die Bohnen dadurch geschmacklich verbessert. Nach dem Rösten kommen die Kakaobohnen in Brech- und Reinigungsmaschinen, in denen sie von ihren Schalen und Keimlingen befreit werden. Übrig bleibt dabei der Kakaobruch, der in Mühlen und Walzwerken feinst vermahlen wird. Dabei werden die zellulären Strukturen der Kakaokerne aufgerissen und die in den Zellen enthaltene Kakaobutter tritt aus. Die beim Mahlen entstehende Reibungswärme verflüssigt die Kakaobutter und diese verbindet die Zelltrümmer, Stärke, Proteine und Aromastoffe aus den Kernen zu einer einheitlichen, nach Schokolade duftenden Substanz - der Kakaomasse.
Die Kakaomasse wird zu zwei Endprodukten weiterverarbeitet: zu Schokolade und zu Kakaopulver, bei dessen Herstellung auch noch Kakaobutter anfällt. Schokolade wird aus Kakaomasse, Milch, Zucker, zusätzlicher Kakaobutter oder Sahne und diversen Aromastoffen, wie beispielsweise Vanille oder Zimt, hergestellt. Je mehr Kakaomasse die Schokolade enthält, desto bitterer schmeckt sie. Die Mixtur wird in einem Melangeur zerkleinert und in Walzwerken fein verrieben. Einfache Schokolade ist damit fertig zubereitet. Die feinere Schmelzschokolade wird zusätzlich noch mehrere Tage lang bei 60-85 °C in Conchen (Rührmaschinen) gerührt (conchiert), sodass eine zarte flüssige Masse entsteht.
Kakaopulver wird dadurch gewonnen, dass man die flüssige Kakaomasse in Presskammern füllt und bei 900 bar die Kakaobutter - eine klare goldgelbe Flüssigkeit - herauspresst. Die Presskuchen werden dann zerkleinert und zu Kakaopulver zermahlen.
Die Inhaltsstoffe des Kakaos
Die Samen des Kakaobaums enthalten ca. 40-53 % Fett, 15 %
Proteine, 8 % Stärke, 7 % Gerbstoffe und die beiden in
der chemischen Formel und in der Wirkung fast identischen Alkaloide
Theobromin (1-2 %) und Koffein
(0,2-0,3 %). Sie wirken beide gefäßerweiternd und anregend,
sowohl auf den Herzmuskel als auch auf das Gehirn. In geringeren Mengen
enthalten die Samen außerdem noch die Mineralstoffe Calcium, Phosphat
und Eisen sowie einige Vitamine wie Niacin, Riboflavin, Thiamin und
Vitamin A.
Ein weiterer Inhaltsstoff des Kakaosamens machte in den frühen Neunzigerjahren Schlagzeilen: das Anandamid (Arachidonylethanolamid). Diese Substanz bindet im Gehirn an die gleichen Rezeptoren wie das Tetrahydrocannabinol (THC), der Wirkstoff von Haschisch und Marihuana. Im Tierversuch zeigte er auch die gleichen psychoaktiven Auswirkungen. Die Wirkungsweisen der beiden Stoffe im Körper sind aber gänzlich verschieden, Anandamid wird sehr schnell im Körper abgebaut und seine Wirkung ist nach 30 Minuten vorüber, während die THC-Wirkung einige Stunden anhält. Außerdem wirkt das Anandamid ca. 20-mal schwächer als THC. Berechnungen zufolge müsste ein erwachsener Mensch von 70 kg Körpergewicht mindestens 16 Tafeln Schokolade in kürzester Zeit verschlingen, um die Auswirkungen des Anandamids zu spüren.
Geschichte des Kakaos
Die Maya waren die Ersten, die um 600 n. Chr. auf der Halbinsel
Yucatán (Südmexiko) Kakaopflanzungen errichteten. Als die
Azteken, die Bewohner des mexikanischen Hochlands, um 1200 die Maya
unterwarfen, verlangten sie u. a. Kakaobohnen (aztekisch: Cacauatl)
als Tribut. Diese Bohnen dienten bei den Azteken sowohl als Zahlungsmittel
als auch zur Zubereitung eines Getränks, welches sie Chocoatl
nannten. Der Name setzt sich aus chococ =
herb, würzig und aus atl = Wasser zusammen.
Für die ersten Europäer war dieses Chocoatl
schlichtweg ungenießbar, da reine Kakaomasse sehr bitter schmeckt
und die Azteken zum Würzen ihres Gebräus auch noch Chilipulver
hinzufügten.
KOLUMBUS ignorierte den Kakao vollständig und erst HERNÁN
CORTÉZ erkannte seinen Wert und ließ eine Kakaoplantage
anlegen, um "Geld" (Kakaobohnen) zu züchten. 1528 brachte
CORTÉZ dann den ersten Kakao nach Europa. Am spanischen Hof wurde
bald darauf Trinkschokolade als heißes Getränk recht beliebt,
jetzt aber mit Milch und Honig bzw. Rohrzucker zubereitet. In der Fastenzeit
wurde die kalorienreiche Schokolade als Ersatz für andere Nahrungsmittel
benutzt, sie war ein "katholisches" Getränk geworden.
Im 17. Jahrhundert war Kakao ein Prestigegetränk wohlhabender
Kreise Spaniens. Durch die spanische Prinzessin ANNA, die LUDWIG XIII.
von Frankreich heiratete, gelangte die Schokolade auch an den französischen
Hof, und als Kaiser KARL V. 1711 von Madrid nach Wien übersiedelte,
gelangte mit seinem Hofstaat auch der Kakao nach Österreich.