

Diesen wirksamen Stoff nannte FLEMING Penicillin, weil er vom Schimmelpilz
Penicillium notatum produziert wurde.
1929 beschreibt er in einem Artikel seine Forschungsergebnisse, die mit
folgender Zusammenfassung schlossen:
1941 wagte man erste Heilungsversuche am Menschen. Der erste Mensch, der behandelt werden sollte, war ein Polizist. Er wurde mit einer schweren Sepsis (Blutvergiftung) eingeliefert. Der Körper war mit eitrigen Geschwüren bedeckt, innere Organe bereits angegriffen und Sulfonamide, die damals verwendeten Medikamente, wirkten nicht mehr. Die Ärzte konnten dem Polizisten auf herkömmliche Art nicht mehr helfen. Weil Streptokokken und Staphylokokken mit Penicillin vernichtet werden konnten, entschloss man sich, das neue Medikament anzuwenden. Nach der Gabe von Penicillin besserte sich der Zustand des Patienten zusehends, aber der Vorrat ging zu Ende. Obwohl man das Penicillin aus dem Urin des Patienten zurück gewann, reichten die verfügbaren 4,4 g nicht aus. Er starb.
Auch beim zweiten Patienten, einem Kind mit schwerer Sepsis, unterschätzte
man die erforderliche Menge Penicillin. Nach anfänglicher Besserung
starb auch das Kind, weil Penicillin fehlte.
Nach diesen Niederlagen stellten sich Erfolge sowohl in der Heilung wie
auch in der Herstellung ein. Neue Pilzstämme wurden gefunden und
für die Herstellung des Medikamentes vorbereitet.
Heute wissen wir, wie Penicillin auf Bakterien wirkt. Penicillin ist
ein Inhibitor für ein bestimmtes
Bakterienenzym. Das Enzym Transpeptidase regelt die Quervernetzung der
Polysaccharidketten des Mureins. Im Gegensatz zu pflanzlichen Zellwänden,
die vor allem aus Cellulose bestehen, sind Bakterienzellwände aus
Murein aufgebaut. Penicillin blockiert das aktive Zentrum dieses Enzyms
und verhindert so die Fertigstellung der Zellwand. Damit wirkt es nur
auf wachsende Bakterien.
Es wirkt gegen Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken und Meningokokken und wird eingesetzt gegen Wundinfektionen, Lungenentzündung, Hirnhautentzündung, Diphtherie, Milzbrand, Gasbrand, Tetanus und Bauchfellentzündung. Obwohl Penicillin auch synthetisch hergestellt werden kann, wird es biotechnologisch aus Schimmelpilzen gewonnen.
Penicillin ist im Allgemeinen gut verträglich, ruft aber bei bestimmten
Patienten eine Allergie hervor. Im Magen-Darmtrakt wird es abgebaut, so
dass es zur Behandlung gespritzt werden muss.
Leider mussten Wissenschaftler in den letzten Jahren feststellen, dass
immer mehr Bakterien gegen Penicillin immun werden. Sie bilden das Enzym
Penicillinase, das das Penicillin aufbricht. Die Suche nach penicillinasefesten
Abkömmlingen des Penicillins geht weiter.