

Generell unterteilt man den Zellzyklus in die Inter- und die Mitosephase.
Die kürzere von ihnen ist die M-Phase, die Mitose.
Obwohl sie ein einheitlicher, dynamisch verlaufender Kern- und Zellteilungsvorgang
ist, unterscheidet man aus didaktischen Erwägungen die vier Phasen:
Pro-, Meta-, Ana- und Telophase.
Zu Beginn der Mitose bilden sich aus dem Chromatingerüst des Zellkerns
die Chromosomen heraus (Prophase). Nachdem sich diese aus zwei Chromatiden
bestehenden Chromosomen in der Äquatorialebene der Zelle angeordnet
haben (Metaphase), werden die Chromatiden getrennt (Anaphase) und gleichmäßig
auf die beiden künftigen Tochterzellen verteilt (Telophase).
Die entstandenen Einchromatidchromosomen, deren Anzahl mit der Ausgangszelle übereinstimmt, werden zusammen mit dem Karyoplasma von einer Kernmembran umhüllt. Zwei neue Tochterzellen liegen mit – jeweils aus einem Chromatid bestehenden – Chromosomen vor. Während der Cytokinese wird die beide Zellen trennende Membran eingezogen. Bei tierischen Zellen vollzieht sich dieser Vorgang von außen nach innen als Furchung. Pflanzliche Zellen bilden vom Zellinneren nach außen eine Zellplatte aus. Die Kern- und Zellteilung ist vollzogen.
Die einzelnen Mitosephasen dauern unterschiedlich lange an. Die gesamte
Mitose nimmt eine Zeitdauer von einer Stunde bis zu mehreren Stunden in
Anspruch. Umweltbedingungen haben auf die Mitosedauer einen verzögernden
oder begünstigenden Einfluss.
Der Anteil der Zellen von einer Gesamtheit, der sich zu einem bestimmten
Zeitpunkt in der M-Phase befindet, kann ermittelt und durch den Mitose-Index
wiedergegeben werden.
Nach dieser Zellteilung kommen die Zellen in die Interphase,
die in eine
aufgeteilt wird. Neu gebildete Zellen können unmittelbar nach der
Mitose aus dem Zellzyklus entlassen werden und verweilen dann in der sogenannten
(Ruhephase).
Sie werden zu Zellen des Dauergewebes differenziert. Bei ihnen findet
jetzt keine Verdoppelung der Einchromatidchromosomen mehr statt, sie haben
zu diesem Zeitpunkt einen Platz im Organismus zu besetzen und bestimmte
Funktionen zu erfüllen. In der Regel erhalten sie von außen
ein Signal, wenn sie in einen neuen Zyklus eintreten sollen. Das geschieht
z. B. durch Bindung eines Wachstumsfaktors an Rezeptoren an der Zelloberfläche.
Bleibt die Zelle aber nach Abschluss der Mitose teilungsbereit, tritt sie in die zwischen zwei Mitosen liegende Interphase ein. Nach einer von A. HOWARD und S. R. PELC im Jahr 1951 eingeführten Terminologie kann die Interphase in drei Abschnitte unterteilt werden.
Als
(G = engl. gap = Lücke) wird dabei jener Zeitabschnitt beschrieben, in dem
die Zelle zu wachsen beginnt. Sie schließt sich unmittelbar an die
Mitose an und dauert bis zu 3 Stunden. Dabei laufen sowohl die Proteinbiosynthese
als auch die Bildung neuer Zellorganellen auf Hochtouren. Das Zellwachstum
bleibt aber nicht auf die
beschränkt, sondern findet während der gesamten Interphase statt.
Am Ende der G1-Phase
fällt am sogenannten Restriktionspunkt (G1-Checkpoint) die Entscheidung
über das weitere Schicksal der Zelle. Entsprechend der inneren und
äußeren Signale über Zellgröße und Ernährungsbedingungen
tritt die Zelle nun in die S-Phase (S = Synthese) ein und steuert auf
die nächste Mitose zu. Wird der Restriktionspunkt nicht überschritten,
verweilt die Zelle in der
und nimmt ihren vorläufigen Platz im Organismus ein.
In der S-Phase verdoppelt sich die DNA der Chromosomen. Gleichzeitig werden die mit der DNA vergesellschafteten Histone synthetisiert. Aus den Einchromatidchromosomen werden wieder solche mit zwei Chromatiden. Diese Phase dauert um die 14 Stunden.
Auf die S-Phase folgt die zweite G-Phase – die G2-Phase.
Das Zellwachstum und mit ihm die Bildung und Synthese der Zellinhaltsstoffe
setzt sich fort. Nach einer bei Säugerzellen mindestens 8 Stunden
dauernden Interphase beginnt eine neue Zellteilung.
Für die Kontrolle des reibungslosen Ablaufs dieser Prozesse sind
bestimmte Gene zuständig, welche Proteine produzieren, die diese
Regulation übernehmen. Das Kontrollsystem der Zelle beruht auf zwei
Protein-Familien. Das eine Protein ist die Cyclin-abhängige Proteinkinase
= Cdk (bei Säugetieren gibt es davon verschiedene), die andere Familie
besteht aus Cyclinen (ihr Name rührt daher, dass sie im Zellzyklus
rhythmisch einem Auf- und Abbau unterworfen sind). Die Cycline
binden an die Cdk und aktivieren sie. Dadurch werden bestimmte Zielproteine
aktiviert. Es gibt zwei Familien davon, die eine für die Kontrolle
des Restriktionspunkts START in der
und die andere für den Restriktionspunkt in der G2-Phase.
In der G2-Phase wird ein MPF (mitose promoting factor) gebildet, der schließlich
explosiv aktiviert wird.
Der wichtigste Kontrollpunkt im Zellzyklus ist der Eintritt in die Synthese-Phase
(S-Phase), in der das Erbgut der Zelle verdoppelt wird. Ist dieser Punkt
einmal überwunden, teilt sich die Zelle in jedem Fall. Die Entdeckung
dieses Startpunkts verdanken wir LELAND H. HARTWELL (*1939). Er prägte
den Begriff "Checkpoint"
für die weiteren Kontrollpunkte. An diesen Checkpoints wird jeweils
geprüft, ob ein Prozess abgeschlossen ist, bevor der nächste
beginnt. So muss etwa das Erbgut verdoppelt sein, bevor sich die Chromosomen
aufspiralisieren (
).
Erst wenn das passiert ist, löst sich die Kernhülle auf. Der
Zellzyklus unterliegt dem strengen Takt der Cycline, welche von TIMOTHY
HUNT (*1943) entdeckt wurden.
Lange Zeit gab es keine befriedigenden Erklärungen für die Faktoren und Signale, die die Abläufe des Zellzyklus steuern. Auch derzeit sind noch manche Fragen offen. Dennoch ist man sich heute sicher, dass die zyklischen Veränderungen der Regulatorproteine als Zeitgeber für den Eintritt in die folgende Phase des Zellzyklus dienen. Für den korrekten Ablauf des Zellzyklus sorgen die oben beschriebenen Cyclin-abhängigen Proteinkinasen, Phosphatasen und Regulatorproteine vom Typ der Cycline. Proteinkinasen und Phosphatasen wirken als "Ein- und Ausschalter" für die Aktivität anderer Proteine. Von den Proteinkinasen weiß man sicher, dass sie immer dann aktiviert werden, wenn sich an sie die passenden Cyclinmoleküle anlagern. In dieser aktivierten Form sorgen sie Schritt für Schritt für den geordneten Ablauf des Zyklus.
Nicht alle Zellen halten sich an die für den Zellzyklus charakteristischen Kontrollmechanismen. Tumorzellen zum Beispiel vermehren sich durch mitotische Teilung unaufhaltsam. Damit haben sie die Kontrolle sowohl über die Vermehrung (Proliferationskontrolle) als auch über ihre Lage im Organismus (Positionskontrolle) verloren. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür sind die wenigen Zellen, die man 1953 einem Tumor der Amerikanerin HENRIETTA LACKS entnommen hat. Diese Zellen teilen sich noch heute – sie bilden eine der gängigsten Zelllinien in den Laboren der Welt, die Linie "HeLa".
In der Beeinflussung des Zellzyklus sieht man eine der therapeutischen
Möglichkeiten bei der Entartung von Zellen.
In China wurde beispielsweise jüngst ein Medikament genehmigt, mit dem Patienten ein therapeutisches
Virus mit einem Reparaturgen gespritzt wird. Durch Einbau des Gens in
das Genom der Tumorzellen soll der Defekt behoben und die Zelle zur Rückkehr
zum normalen Zyklus veranlasst werden.