

In den letzten Jahren ist die Anzahl der Autos stark angestiegen. Die
meisten Fahrzeuge nutzen fossile Brennstoffe zur Energieerzeugung.
Durch die rasche Verbrennung des Benzins im Zylinder eines Motors wird
die chemische Energie des Treibstoffs zum Teil in mechanische Energie
umgewandelt, die durch das Getriebe auf die Räder übertragen
wird.
Als Verbrennungsprodukte entstehen die Auspuffgase. Sie sind eine
Belastung für unsere Umwelt. Die Auspuffgase eines Pkws enthalten neben Stickstoff und Wasserdampf ca. 10 % Schadgase mit folgenden Komponenten:
88 % CO2, 10 % CO, 0,2-0,8 % NOx, 1 % unverbrannte Kohlenwasserstoffe (darunter Benzen), 0,4 % Aldehyde (Reizgase) und 0,03-0,05 % SO2. Aus 50 g Benzin, die für eine Strecke von 1-2 km reichen, werden also etwa u. a. 150 g CO2, 10 g CO und 1-2 g NOx emittiert.
Die Verbrennung von einem Liter Benzin führt zu etwa 10 000 Litern
Abgasen!
Um den Ausstoß der im Abgas enthaltenen Schadstoffe an die Umwelt
zu verringern, wird ein Katalysator zwischen Motor und Auspuffanlage zwischengeschaltet.
Vorgänge bei der Verbrennung
von Benzin im Motor Kohlenstoffoxide
Das bei der Oxidation organischer Stoffe entstehende Kohlenstoffdioxid
gehört zu den Treibhausgasen und beeinflusst unser Klima.
Kohlenstoffdioxid entsteht bei allen Verbrennungen von organischen
Stoffen, also auch bei der vollständigen Verbrennung von Benzin im
Motor. Es ist für den Menschen nicht giftig, wirkt jedoch in größerer
Konzentration erstickend.
Bei der unvollständigen Verbrennung von Benzin entsteht dagegen Kohlenstoffmonooxid
(CO). Besonders große Mengen entstehen bei Kraftfahrzeugen nach
dem Start und im Leerlauf. Kohlenstoffmonooxid ist ein farb- und geruchloses,
aber im Gegensatz zum Kohlenstoffdioxid hochgiftiges Gas. Kohlenstoffmonooxid
wirkt schon in kleinsten Mengen tödlich, da es als Atemgift den Sauerstofftransport
im Blut behindert.
Stickstoffoxide und bodennahes Ozon
Bei der Verbrennung von Benzin im Motor des Autos wird sehr viel Wärme
frei.
Durch die hohen Temperaturen reagiert der in der Luft enthaltene Stickstoff
mit dem Sauerstoff zu Stickstoffoxiden. Es können verschiedene Stickstoffoxide
entstehen. Das Gemisch dieser Stickstoffoxide wird als
bezeichnet.
Stickstoffoxide sind starke Atemgifte. Bei Kindern können sie zu
Erkrankungen der Atemwege führen. Die Stickstoffoxide sind außerdem
mit für die Entstehung des sauren Regens und des damit verbundenen
Waldsterbens verantwortlich. Außerdem sind die Stickstoffoxide unter
Einwirkung von Sonneneinstrahlung an der Bildung des giftigen bodennahen
Ozons beteiligt. Deshalb steigen jedes Jahr im Sommer die Ozonwerte in
Ballungsgebieten mit viel Straßenverkehr bedenklich an.
Schwefeldioxid
Im Diesel befinden sich noch andere Stoffe, die sich bei der Verbrennung
umsetzen, z. B. die Schwefelverbindungen aus dem Erdöl. Diese
verbrennen im Motor zu Schwefeldioxid, das auf die Lungen stark reizend
wirkt.
Das Schwefeldioxid löst sich in der Feuchtigkeit der Luft zu schwefliger
Säure, die als Bestandteil des sauren Regens eine Ursache für
die Zerstörung von Baudenkmälern ist.
Andere Bestandteile
In Autoabgasen befinden sich neben den Verbrennungsprodukten noch unverbrannte
Bestandteile des Benzins, wie das krebserregende Benzen (Benzol) und partiell oxidierte Verbindungen wie Aldehyde, die als Reizstoffe wirken.
Es ist dringend erforderlich, den Schadstoffausstoß zu senken. Das
ist durch chemische Umwandlung der Abgase in weniger giftige und belastende
Stoffe möglich.
Funktion des Autokatalysators
In der Chemie werden als Katalysatoren Stoffe bezeichnet, die
die Aktivierungsenergie zum Ablauf der Reaktion herabsetzen und damit
die Reaktionsgeschwindigkeit
erhöhen, die Ausbeute jedoch nicht beeinflussen. Der Verlauf der
katalysierten chemischen Reaktion wird als Katalyse
bezeichnet. Der Katalysator selbst ist in den Auspuff des Fahrzeugs eingebaut.
Er besteht aus einem Keramikkörper, der von einem Blechmantel umgeben
ist. Der Keramikkörper besitzt feine Kanäle in der Längsrichtung
zum Auspuff (Bild 2).
Die Kanäle der Gas undurchlässigen, wabenförmigen Keramik
sind mit einer Zwischenschicht aus Aluminiumoxid versehen. Auf diese Schicht
wird der eigentliche Katalysator, die Edelmetalle Platin, Rhodium, Palladium,
aufgetragen, durch deren Wirkung sich die chemischen Reaktionen vollziehen.
Neben der besseren Haftung bringt die Oxid-Zwischenschicht eine Vergrößerung
der katalytisch wirksamen Oberfläche auf 20 000
pro
Liter Katalysatorvolumen.
Pro Auto werden für den Katalysator im Durchschnitt 1-2 g Edelmetall benötigt, das vor der Verschrottung zurückgewonnen
werden muss. So entgiften 1-2 g Platin etwa 20 000 m3 Abgas. Das ist ungefähr die Menge an Abgasen, die ein Auto auf 100 000 km
produziert.
Das Problem der Abgasreinigung besteht in der großen Vielfalt der
auftretenden Abgase (Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe, Kohlenstoffmonooxid).
Beim einfachen ungeregelten Katalysator, heute vor allem in Altfahrzeugen
nachgerüstet, werden Kohlenstoffmonooxid und die Kohlenwasserstoffe
abgebaut. NOx (Stickstoffoxide) dagegen werden weniger abgebaut.
Die beste Abgasreinigung erzielt man mit einem geregelten Drei-Wege-Katalysator.
Er ist in der Lage, folgende Reaktionen in den Abgasen zu beschleunigen:
oder
Damit werden durch den Drei-Wege-Katalysator die drei wichtigsten
Schadstoffkomponenten abgebaut. So verringert sich z. B. der Anteil NOx pro
m3 Abgas mit Katalysator auf 50-400 mg.
Die Drei-Wege-Katalysatoren messen über eine sogenannte Lambda-Sonde
die Zusammensetzung des Abgases und regeln die Zufuhr der zur Verbrennung
benötigten Luft, um das günstigste Benzin-Luft-Gemisch für
eine möglichst vollständige Verbrennung der Kohlenwasserstoffe
des Benzins zu erreichen. Lambda ist ein Begriff der Verbrennungstechnik und beschreibt das Verhältnis Brennstoff/Luft. Lambda = 1 bedeutet den Einsatz stöchiometrischer Mengen.
Die Lambda-Sonde ist zwischen Motor und Katalysator geschaltet (Bild 3).
Sie misst den Gehalt an unverbranntem Sauerstoff in den Abgasen. Bei Sauerstoffmangel werden CO und die Kohlenwasserstoffe nicht ausreichend umgesetzt, bei Luftüberschuß hingegen die Stickoxide unzureichend abgebaut.
Zu viel Sauerstoff macht den Katalysator unwirksam, da der Sauerstoff
die gesamte Katalysatoroberfläche belegt. Misst die Lambda-Sonde zu viel Sauerstoff in den Abgasen, drosselt sie
über ein Steuersystem die Luftzufuhr im Vergaser.
Die Wirkungsweise der Platinoberfläche zur Oxidation von Kohlenstoffmonooxid
wurde in den letzten Jahren unter Einsatz modernster Analyseverfahren
untersucht. Molekularer Sauerstoff wird adsorbiert und in beide Atome
gespalten. Atomarer Sauerstoff kann nun mit Kohlenstoffmonooxid, das sich
auf der Katalysatoroberfläche befindet, zu Kohlenstoffdioxid
reagieren,
das dann durch den Auspuff abgegeben wird.
Ein Drei-Wege-Katalysator vernichtet etwa 90 % der Schadstoffe.
Auch wenn die umweltgefährdenden Gase Kohlenstoffmonooxid,
Stickstoffoxide und der Kohlenwasserstoffe beseitigt werden, sind die
Abgase nicht schadstofffrei, sondern nur schadstoffärmer.
Für ein einwandfreies Arbeiten des Autokatalysators ist das Tanken
von bleifreiem Benzin erforderlich. In Deutschland und den meisten europäischen Ländern werden aber seit etlichen Jahren keine Bleiverbindungen mehr dem Benzin als Antiklopfmittel zugesetzt.
Bleiverbindungen im Benzin würden in die Abgase gelangen und als Katalysatorgift wirken,
da Blei mit Platin eine chemische Verbindung eingeht.
Diese kann durch normale Temperaturen nicht wieder zerlegt werden. Die
Katalysatoroberfläche wird damit irreversibel verändert und
ist nicht mehr funktionstüchtig. Der Katalysator muss ausgewechselt
werden.
Die Stickstoffoxidemissionen des Verkehrs sind seit 1990 leicht zurückgegangen. Dies ist sicherlich auch auf den Katalysator zurückzuführen.
Dieselmotoren fahren immer mit Luftüberschuss, sodass der Einsatz des geregelten Drei-Wege-Katalysators nicht möglich ist. Zur Minderung der Emission von Kohlenwasserstoffen und Kohlenstoffmonooxid wird hier der ungeregelte Oxidationskatalysator eingesetzt.
Neuerdings wird außerdem bei Lkws und Bussen die NOx-Emission durch Einspritzen einer Harnstofflösung reduziert. Aus Harnstoff entsteht Ammoniak, welches dann mit den Stickoxiden zu Stickstoff reagiert.
(NH2)2CO + H2O -→ 2 NH3 + CO2
6 NO + 4 NH3 -→ 5 N2 + 6 H2O
6 NO2 + 8 NH3 -→ 7 N2 + 12 H2O
Weiterhin werden Dieselfahrzeuge jetzt mit einem Dieselruß-Filter zur Verminderung der Feinstaub-Emission ausgestattet.
Allerdings haben Katalysatoren inzwischen auch unerwünschte Spuren
in der Umwelt hinterlassen.
Sie setzen nämlich geringe Mengen der Edelmetalle Platin und Palladium während
des Gebrauchs frei. Unklar ist, ob diese seit Mitte der 80er-Jahre
ansteigenden Mengen schädlich für die Natur und die Menschen
sind.
Es konnte nachgewiesen werden, dass Platinablagerungen im Straßenstaub
seit den 90er-Jahren stark zunahmen. Anfang der 90er-Jahre hatte
man durchschnittlich noch 12 Mikrogramm Platin pro Kilogramm gefunden.
Sechs Jahre später wurden 100 bis 250 Mikrogramm gemessen.
Deutlich wurde aber auch, dass die gemessenen Konzentrationen stark schwankten.
Auf Autobahnen, wo erheblich schneller gefahren wird, konnte bis zu 10-mal
soviel Platin nachgewiesen werden wie innerhalb von Ortschaften.
Es wurde aber auch nachgewiesen, dass die Umwelt "nur" lokal
an Straßenrändern belastet wird. Von einer globalen Katastrophe
oder einer schleichenden Verseuchung des Menschen kann keine Rede sein
- zumindest was den Autokatalysator als Ursache betrifft.