



Anwendungsspektrum
von Siliconen
Im Jahr 2006 wurden weltweit mehr als 2 Millionen Tonnen Siliconprodukte
verbraucht. Das entsprach einem Warenwert über 10 Milliarden €.
Dabei wächst der Markt immer noch um ca. 5-8 % pro Jahr.
Die große wirtschaftliche Bedeutung von Silicon beruht auf der vielseitigen
Anwendbarkeit der Siliconprodukte in allen Bereichen der Industrie aber
auch im alltäglichen Leben (Bild 1).
Das liegt vor allem an den besonderen Eigenschaften dieser Stoffklasse:
Von der gesamten Siliconproduktion sind rund
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46% |
Siliconöle |
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26% |
Silicondichtstoffe (RTV-1) |
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26 % |
sonstige Silicon-Elastomere und ca. |
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6% |
Siliconharze |
Man kennt weit über 10 000 Silicontypen. Etwa die Hälfte davon sind großvolumige Standardprodukte. Die andere Hälfte sind hochtechnologische Spezialprodukte.
Einsatzbereiche von Siliconen:
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Anwendung |
Anteil in % |
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Chemische Industrie |
26 |
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Kautschuk- und Kunststoffindustrie |
10 |
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Bauindustrie |
21 |
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Automobilsektor |
12 |
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Elektro- und Elektronikindustrie |
9 |
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Papierindustrie |
7 |
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Sonstige |
15 |
Silicone in der chemischen Industrie
In der chemischen Industrie
werden Siliconprodukte wie Öle, Emulsionen, Antischaummittel und
Harze
eingesetzt.
Mittels Siliconzusatz lassen sich beispielsweise die Eigenschaften von
Lacken, Waschmitteln oder Kunststoffen gewaltig verbessern.
Silicone in Kautschuk- und Kunststoffindustrie
Silicone und Silane werden auch hier als Additive für die gezielte
Einstellung von Polymereigenschaften von Kunststoffen
(PE; PP; PVC; PS; PC; PET; PUR und deren Copolymere) eingesetzt.
Daneben spielen Silconkautschuke eine große Rolle.
Silicone in der Bauindustrie
Hier erweist sich die Hydrophobie der Silicone als besondere Stärke,
schließlich ist Wasser eine der Hauptverursacher schwerer Gebäudeschäden
(Bild 2) durch
Zum Einsatz kommen Silicon-Fassadenbeschichtungssysteme. Das sind Siliconöle wie z. B: iso-Octyltriethoxysilan oder niedermolekulare, höheralkylierte Siloxane oder Siloxanharze wie Methylpolysiloxan aber auch Acrylharze. Das Bauwerk wird wie durch eine zweite Haut geschützt und das Wasser perlt ab.
Derartige Schutzanstriche können im Neubau vorbeugend aufgetragen werden, helfen aber in jedem Fall beim Schutz vor weiterer Verwitterung im Denkmalschutz.
In der dritten Welt ermöglichen silikongetränkte und damit wasserabweisende Faserzementplatten den Einsatz eines preiswerten Baustoffs, der sonst bei den vorherrschenden feuchten Klimabedingungen undenkbar wäre.
Fugen sind ein weiteres Feld für die Silikonanwendung. An jedem Hochbau müssen zwischen den großen Bauteilen Fugen angelegt werden, um die Dehn- und Schwingbewegungen der Bauteile abzufedern. Mit elastischen Silikon-Dichtstoffen wird zugleich sichergestellt, dass kein Wasser eindringen kann. Bekannt sind die Kartuschen mit RTV-1-Siliconkautschuken für Haushalt und Sanitärbereich (Bild 1). Das Kürzel RTV-1 bedeutet bei Raumtemperatur vernetzender 1-Komponentenkautschuk.
((Formel + Lösung aus KV 75 einfügen))
Der Geruch von Essigsäure als Abgangsgruppe ist bei Verwendung eines Heimwerker-Siliconklebers deutlich wahrnehmbar.
Silicone in der Papierindustrie
Selbstklebende Abziehetiketten
und -bilder begegnen uns überall. Ihr Funktionsprinzip beruht auf
der guten Trennwirkung von Siliconen gegenüber den klebrigen Schichten.
Eine Silicon beschichtetes Trägermaterial gewährleistet Schutz
gegen Verschmutzung der Klebeschicht. Auf dem Etikettuntergrund selbst
ist eine Klebeschicht aufgetragen (ca. 20µm) und darauf wiederum
eine Siliconschicht (ca. 1µm). Diese sehr dünn und gleichmäßig
aufgetragenen Siliconöle besitzen eine geringe Oberflächenspannung.
Daher haftet der Aufkleber zuverlässig auf seinem Untergrund, dem
Trägermaterial. Da aber insgesamt nur schwache Wechselwirkungen entstehen,
kann er jederzeit mühelos abgelöst werden.
Nach dem gleichen Prinzip sind Klebefolien aufgebaut.
Auch die im Haushalt beliebten Backfolien sind siliconbeschichtet.
Silicone und Textilien
Hier kommt der wasserabweisenden Ausrüstung große Bedeutung
zu. Siliconelastomere
allein oder in Kombination mit Acrylaten oder Polyurethanen zeichnen sich
dabei neben der hohen Wasserdichtigkeit durch eine beachtliche Dampfdurchlässigkeit,
also Atmungsaktivität aus. Außerdem fühlen sich die beschichteten
Textilien sehr weich an, da die Reibungskräfte zwischen den Fasern
verringert werden. Besonders geeignet sind dafür Polydimethylsiloxane,
die in der Seitenkette aminhaltige Gruppen tragen. Die polaren Aminogruppen
dienen der Verankerung des Silicons auf der polaren Fasern z. B. auf Baumwolle.
Ein anderes Beispiel ist die Imprägnierung von Zelt oder Markisenstoffen
mit vernetzbaren , filmbildenden Siliconen.
Silicone in der Elektro- und Elektronikindustrie
Siliconkautschuke mit hoher Lichtbogenbeständigkeit (Bild 5) werden
für die Ummantelung
der Leiterdrähte von Mittel- und Hochspannungskabeln eingesetzt.
Sie weisen zudem hohe Elastizität, geringes spezifisches Gewicht,
thermische Stabilität, hohe Flammpunkte und Beständigkeit gegen
Ozon sowie ionisierende Strahlen auf.
Extrudierte Silikonkautschukisolatoren finden Verwendung für Heizdrähte,
Motoranschlüsse, für Lichtleitungen und in TV-Hochspannungsleitungen.
Konkret finden wir sie im Bügeleisen, im Elektrogrill oder im Tauchsieder,
in der Waschmaschine oder in Halogenleuchten aber auch in vielen medizinischen
Geräten oder beim Zündkabel im Kfz.
In der Elektronikindustrie ist eine zentrale Aufgabe das Aufbringen feinster Schaltstrukturen auf einem Siliciumchip. Schon bei der Produktion spielen hier Polysilane eine Rolle. Erst durch den Einsatz von Silicongelen oder Siliconkautschuk zum Verguss der empfindlichen Schaltungen, zum Schutz vor Feuchtigkeit und anderen schädigenden chemischen Substanzen, war es möglich die empfindlichen Chips auch in preiswerten Kunststoffgehäusen einzubauen.
Silicone als Schaumkontrollsysteme
Tenside neigen stark zur Schaumbildung an der Grenzfläche zwischen
Wasser und Luft. Durch den Einsatz von Siliconölen oder Siliconemulsionen
kann dies verhindert werden. Ursache ist die Tatsache, dass die Silicone
eine noch geringere Oberflächenspannung als die Tenside haben und
diese so von der Wasseroberfläche verdrängen. Man findet solche
Schaumkontrollsysteme z. B. bei Waschmitteln,
in Shampoos, Duschgels oder Seifen.
Die Palette der Anwendungen lässt sich noch fast unbegrenzt erweitern.